Halbjahreszahlen: Das KGV ist die wichtigste Aktienkennzahl

Bovespa index

Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) helfen Ihnen dabei, Unternehmen aus fundamentaler Sicht zu bewerten. (Foto: Сake78 (3D & photo) - adobe stock)

Vor wenigen Tagen ist das 1. Halbjahr 2021 zu Ende gegangen. In dieser Woche startet offiziell die neue Berichtssaison. Zunächst legen die amerikanischen Großbanken ihre Zahlen vor. In den nächsten Tagen und Wochen folgen dann tausende Veröffentlichungen von Quartalsberichten.

Passend zur aktuellen Berichtssaison möchte ich Ihnen heute und in den kommenden Tagen die aus meiner Sicht wichtigsten Bewertungskennzahlen vorstellen, die Ihnen dabei helfen sollen, Unternehmen bzw. Aktien selbst bewerten zu können und damit die Grundlage für zukünftige Börsengewinne sind.

KGV: Die bekannteste Kennzahl

Das wohl am häufigsten herangezogene Merkmal bei der Aktienbewertung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Es gibt an, mit welchem Vielfachen des Jahresgewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.

Als Richtgröße für ein günstiges KGV galt lange Zeit ein Wert von maximal 10, der Marktdurchschnitt liegt in Deutschland bei knapp 15. Grundsätzlich gilt: Ein niedriges KGV ist besser als ein hohes KGV.

Ein niedriges KGV ist isoliert betrachtet allerdings nicht zwingend ein Kaufargument. Sind die zukünftigen Gewinnaussichten schlecht oder ist die Verschuldung zu hoch (Bilanzprobleme), bietet die Aktie wenig Kurspotenzial.

Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse variieren stark, je nachdem welche Branche, welches Land oder welches Jahr Sie betrachten. Gründe dafür sind die Chancen und Risiken, welche das Papier birgt, sowie das Zins-Niveau und die Inflation.

Und so berechnen Sie das KGV:

Aktienkurs

KGV = —————————-

Gewinn pro Aktie

Der Gewinn kann sich auf feststehende und auf erwartete Gewinne beziehen. Beispiel: Basis kann der 2020 erzielte Gewinn sein (steht schon fest), oder der für 2021 erwartete Gewinn (Prognose). In der Aktienanalyse, in der immer Schätzungen für die Zukunft betrachtet werden, spielt das KGV eine große Rolle.

Das KGV ist allerdings nicht unumstritten

Das KGV ist in Fachkreisen nicht unumstritten. Der Grund: Der Jahresüberschuss, also die Grundlage der Berechnung, kann von den Unternehmen in die gewünschte Richtung gesteuert werden.

Legale Bilanzierungstricks können vom Management genutzt werden, um den Jahresüberschuss zu beeinflussen. Speziell die Rückstellungen und Abschreibungen werden sehr gern zur „Feinjustierung“ genutzt, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten. Das KGV ist daher immer mit einer gewissen Vorsicht zu genießen.

Zudem muss man beachten, dass Gewinne nicht einfach so in die Zukunft fortgeschrieben werden können. Auswirkungen innerbetrieblicher Veränderungen sind ebenso zu beachten wie konjunkturzyklische Schwankungen sowie Veränderungen im Wettbewerb oder im Verbraucherverhalten.

Auch Zinsentwicklungen und veränderte Produktlebenszyklen können eine Rolle spielen. In einigen Branchen kommen noch völlig unberechenbare Faktoren wie Wetter und politische Entscheidungen hinzu.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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