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Japans Regierung verfolgt 3-Stufen-Plan

Inhaltsverzeichnis

Gestern habe ich hier im Schlussgong über Japans Rekord-Premier Shinzu Abe geschrieben, über den unterschätzten japanischen Aktienmarkt und über Stärken und Schwächen der japanischen Wirtschaft. Heute blicken wir auf den 3-Stufen-Plan der japanischen Regierung und noch einmal auf den japanischen Aktienmarkt.

Für die Kurserholung am japanischen Aktienmarkt ist auch die Politik verantwortlich. Japans Langzeit-Premier Shinzo Abe will die japanische Wirtschaft aus dem Tiefschlaf holen. Das Aufputschprogramm wird Abenomics genannt.

Das Grundprinzip seit Regierungsstart: Japan will die Geldmenge stark erhöhen. Der Geldsegen soll für Partystimmung sorgen. Die Verbraucher gehen auf Shopping-Tour und die Unternehmen investieren wieder.

So soll ein selbsttragender Aufschwung entstehen, der auch die Steuern sprudeln lässt und die Staatskasse füllt. Das ist die Theorie (oder auch der Wunschtraum). Hier die 3 Pfeile, die Shinzo Abe abgefeuert hat:

Pfeil 1: Die geldpolitische Revolution

Die japanische Notenbank kauft pro Jahr für umgerechnet mehrere 100 Mrd. Euro japanische Staatsanleihen und pumpt so riesige Geldmengen in den Markt.

Pfeil 2: Konjunkturpaket

Im zweiten Schritt setzt die Regierung auf ein riesiges, kreditfinanziertes Konjunkturpaket. Das Geld wird schwerpunktmäßig in die Infrastruktur des Landes investiert.

Pfeil 3: Wirtschaftsreform

Im dritten und jüngsten Schritt folgen Wirtschaftsreformen. So hat die japanische Regierung mehrere Staatsunternehmen (u. a. die Post) an die Börse gebracht. Mit dem Erlös sollen zum einen Investitionen in die Infrastruktur finanziert werden. Zum anderen will die Regierung mit der Privatisierung die vielen Post-Kunden mobilisieren (die Postbank gilt als größte Sparkasse der Welt). Die Japaner gelten als Sparweltmeister und horten riesige Cash-Bestände. Die japanische Regierung hat das Ziel, dass ein Teil der Ersparnisse aktiv investiert wird. Daher wurden 80% der Post-Aktien an Privatanleger abgegeben.

Japanischer Aktienmarkt attraktiv bewertet

Der japanische Aktienmarkt, der in Boom-Zeiten als der teuerste Aktienmarkt der Welt galt, ist zu einem Schnäppchenmarkt für Value- und für Wachstumsinvestoren geworden.

Betrachten wir als Value-Anleger zunächst die fundamentale Bewertung. Der breit gestreute japanische Aktienindex Topix kommt auf ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 13. Zum Vergleich: Der deutsche Leitindex DAX liegt bei knapp 14, der US-Leitindex S&P500 sogar bei fast 18.

Sie bekommen die japanischen Unternehmen auch fast zum Substanzwert (Buchwert) und müssen nur kleine Aufschläge zahlen. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) liegt in Japan bei nur 1,2. Im DAX liegt das KBV bei 1,6, beim S&P500 sogar bei 3,4.

Blicken wir abschließend noch auf die Dividenden-Renditen: In Japan hatten Dividenden früher praktisch keine Bedeutung. Aktionäre wurden nicht belohnt. Das hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Immer mehr japanische Unternehmen sind solide Dividenden-Zahler geworden.

So ist die durchschnittliche Dividenden-Rendite auf 2,4% gestiegen und liegt damit zwischen Deutschland (3,1%) und den USA (1,9%). Japan bietet Ihnen als Anleger aber nicht nur Value-Aktien, sondern auch starke Wachstumsunternehmen.

Ein Grund: Die Bevölkerung ist im Durchschnitt relativ alt. Immer mehr Arbeitnehmer, die in Rente gehen, können nicht durch junge Arbeitskräfte ersetzt werden. Da dieses Problem absehbar war, haben sich in Japan viele wachstumsstarke Unternehmen gebildet, die auf Roboter-Technologie, Künstliche Intelligenz oder auch auf Medizintechnik setzen. Aus der Schwäche in der Bevölkerungsstruktur wird aus dieser Perspektive eine Stärke.