KUKA nicht nur für die Chinesen ein Fehlinvestment

KUKA Roboter Fabrik RED – shutterstock_350379461 Andrei Kholmov

Nach einer neuerlichen Gewinnwarnung kommt die Aktie des Augsburger Industrieroboterherstellers KUKA unter die Räder (Foto: Andrei Kholmov - Shutterstock.com)

Zwei Gewinnwarnungen innerhalb weniger Wochen sind selbst für unsere heutige Zeit ungewöhnlich. Genau das ist KUKA passiert. Denn die weltweite Konjunkturabkühlung, der amerikanische Handelsstreit mit China, einem der wichtigsten Robotik-Märkte der Welt, und unvorhersehbare negative Einflüsse im Projektgeschäft treffen den Augsburger Industrieroboterhersteller KUKA noch stärker als befürchtet.

Prognosen deutlich reduziert

Während bei der Vorlage der Neunmonatszahlen Ende Oktober die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2018 von 3,5 auf 3,3 Mrd. Euro und die operative Ergebnismarge von 5,5% auf 4,5% reduziert wurden, geht der Vorstand nun von einem Konzernumsatz von 3,2 Mrd. Euro und einer EBIT-Marge von 3,0 % aus. Auch die bereits im Jahr 2015 formulierten Mittelfristziele, zusammengefasst in der „Vision 2020“, werden nicht mehr erreicht.

Diese sahen für das kommende Jahr einen Umsatz zwischen 4,0 und 4,5 Mrd. Euro und eine EBIT-Zielmarge von mehr als 7,5% vor. Beide Vorgaben seien angesichts der gegenwärtigen Entwicklung „nicht mehr realistisch“, so der Vorstandsvorsitzende Peter Mohnen auf einer Pressenkonferenz, die auch auf der Website des Unternehmens zum Nachhören verfügbar ist.

Als Konsequenz für diese neuerliche Verfehlung der Erwartungen werden nun tiefe Einschnitte angekündigt. Das initiierte Effizienzprogramm soll bis 2021 Einsparungen von über 300 Mio. Euro einbringen, davon soll ein substanzieller Teil bereits in diesem Jahr realisiert werden. Die wichtigsten Baustellen will das Management in Verwaltung, Vertrieb, Einkauf und Projektmanagement ausgemacht haben.

Großaktionär mit massiven Buchverlusten

Völlig unschuldig an der gegenwärtigen Misere ist dagegen der chinesische Mehrheitsaktionär des Unternehmens, der chinesische Hausgerätehersteller Midea, so der Vorstand weiter. Dieser hatte KUKA Mitte 2016 übernommen und für einen Anteil von 94,6% einen Kaufpreis von für 4,5 Mrd. Euro bezahlt. Seither hat sich der Kurs der Aktie mehr als halbiert.

Nachbesserungen angekündigt

Dass der neue Mehrheitsaktionär überhaupt thematisiert wird, verdeutlicht, dass es knirscht zwischen den beiden Unternehmen. Doch das soll sich nun ändern. Um das volle Potenzial der Zusammenarbeit mit Midea zu nutzen, wurden sowohl bei KUKA als auch bei Midea neue Positionen geschaffen und mit „interkulturell erfahrenen Fachkräften“ besetzt – weiteres Indiz dafür, dass es vor allem im Zwischenmenschlichen noch nicht so richtig passen will. Jetzt jedenfalls wurden die kulturellen Angelegenheiten zur Chefsache erklärt: Berichten soll die gemeinsame Taskforce nämlich direkt an den KUKA-Vorstandsvorsitzenden.

Ob die avisierten Einsparungen ausreichen werden, um KUKA wieder ins Lot zu bringen, ist noch offen. Ebenso wie auch die Frage, wie die Chinesen auf ihr Fehlinvestment reagieren werden.

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Die große Einkaufs-Tour: Ausländische Firmen im KaufrauschAusländische Investoren sind auf Einkaufstour. Im Jahr 2016 haben u. a. Käufer aus China, den USA und Europa 873 deutsche Firmen übernommen. Das entspricht einem Plus von 20% im Vergleich zu 2015 –… › mehr lesen


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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