LVMH-gestützte Fonds übernehmen Mehrheit an Birkenstock

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Birkenstock wird mehrheitlich durch ein Investmentvehikel des französischen Luxuskonzerns LVMH für 4 Mrd. Euro übernommen. (Foto: TonyF3112 / shutterstock.com)

Nach fast 250 Jahren im Familienbesitz geht der kultige Sandalenhersteller Birkenstock neue Wege. So gab die Birkenstock GmbH & Co. KG gestern bekannt, dass das Unternehmen eine Vereinbarung über den Verkauf einer Mehrheit der Anteile an die vom französischen Luxusgüter-Konzern LVMH gestützte US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft L Catterton und Financière Agache getroffen habe.

Birkenstock teilte weiterhin mit, dass über die Details der Vereinbarung Stillschweigen vereinbart wurde. Aber wie so häufig kursieren in der Presse bereits konkrete Angaben über den Verkaufspreis. So beruft sich das Nachrichtenmagazin Reuters auf informelle Insiderkreise, laut denen der Deal mit etwa 4 Mrd. Euro taxiert wird.

Strategische Partnerschaft mit dem Ziel einer globalen Expansion…

Durch den Verkauf der Mehrheitsanteile an die auf Luxus-Verbrauchermarken spezialisierten Beteiligungsgesellschaften will Birkenstock seine weltweite Expansionsstrategie weiter vorantreiben. In Europa und den USA sind die Birkenstock-Sandalen bereits Kult. Jetzt sollen die legendären Schuhe mit dem komfortablen Fußbett auch in den Zukunftsmärkten wie China und Indien Fuß fassen.

„In L Catterton und Financière Agache haben wir die richtigen Partner für die Erreichung unserer globalen Wachstumsziele an Bord. Sie verfügen über großes Know-how und hervorragende internationale Marktzugänge“, so Oliver Reichert, CEO der Birkenstock-Group.

… und ein weiterer Schritt beim Ausstieg der Gründerfamilie

Zwar behalten die Brüder Christian und Alex Birkenstock eine Minderheitsbeteiligung an ihrem traditionsreichen Familienunternehmen, doch durch den Verkauf der Mehrheitsanteile werden sie nicht mehr das Sagen in ihren Schuhfabriken haben.

Das 1774 gegründete Unternehmen mit Hauptsitz im idyllischen Linz am Rhein (Kreis Neuwied) war 238 Jahre durch Mitglieder der Gründerfamilie Birkenstock geführt worden. Erst in 2012 übernahmen mit Oliver Reichert und Markus Bensberg erstmals familienfremde Geschäftsführer (CEOs) das Zepter der Traditionsmarke.

Birkenstock ist wirtschaftlich gut aufgestellt

In der Folgezeit erfolgte eine Restrukturierung des Unternehmens. Aus den 38 juristisch selbstständigen Unternehmensteilen wurde ein Konzern, die Birkenstock-Group, geformt. Der Wechsel in der Unternehmensführung und die Restrukturierung haben dazu geführt, dass der Produzent der Jesuslatschen seither jedes Jahr zweistellige Umsatzzuwächse erreichte.

Auch die Corona-Pandemie konnte der Traditionsmarke nichts anhaben. Während andere Schuhproduzenten unter Druck gerieten, verbuchte Birkenstock trotz Corona-bedingter Werksschließungen ein weiteres Rekordjahr.

Deutschlands größter Schuhproduzent

Die Marke Birkenstock gehört im weltweiten Vergleich zu den Top 5 unter den Schuhproduzenten. Mit rund 4.300 Mitarbeitern ist das traditionsreiche Familienunternehmen in sechster Generation zugleich der größte Arbeitgeber innerhalb der deutschen Schuhindustrie.

Das Unternehmen produziert den Großteil seiner Schuhe an 8 Produktionsstandorten in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Sachsen. Birkenstock erwirtschaftete in 2019 einen Umsatz von 722 Mio. Euro. Der Nettogewinn belief sich auf 130 Mio. Euro.

Bieterwettstreit: L Catterton und Financière Agache setzen sich durch

Bereits seit einigen Wochen kocht die Gerüchteküche um eine mögliche Übernahme des Sandalenkonzerns aus dem Rheinland. Im Gespräch waren sowohl die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft CVC, die vor wenigen Jahren die Parfümerie-Kette Douglas gekauft hatte, als auch L Catterton.

Durchgesetzt hat sich jetzt das Investmentvehikel L Catterton in Kooperation mit Financière Agache. Die im US-amerikanischen Greenwich, Connecticut ansässige L Catterton ist mit einem investierten Kapital von rund 23 Mrd. US-Dollar die weltweit größte auf Konsumgüter spezialisierte Beteiligungsgesellschaft.

Die in Paris ansässige Financière Agache ist eine auf Luxusgüter spezialisierte Holdinggesellschaft, die von der Familie Arnault kontrolliert wird. Die Gruppe Financière Agache und die mit ihr verbundenen Gesellschaften halten einen Anteil von 97,5% an Christian Dior und sind Mehrheitsaktionär von LVMH Moët Hennessy – Louis Vuitton, dem weltweit führenden Luxusgüterkonzern.

Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Darüber, wann die Mehrheitsübernahme abgeschlossen sein wird, machten die beteiligten Unternehmen keine Angaben.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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