Medizintechnik: Unsere Favoriten

SDAX Symbolbild Graph_shutterstock_727930471_Best Backgrounds

Medizintechnik: In Deutschland hat das Branchenbarometer DAX Medical Technology Index den Leitindex DAX in den letzten 12 Jahren deutlich outperformt. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Dank eines starken US-Geschäfts hat Medtronic im 1. Quartal zwar 4,7% mehr umgesetzt, aufgrund von Restrukturierungs- und Akquisitionsaufwendungen aber 6,5% weniger verdient.

Mehr als das Zahlenwerk standen jedoch die jüngsten Übernahmen im Vordergrund des Interesses der Anleger. Dem Konzern scheint kein Deal zu teuer zu sein, wenn es um die Stärkung der Marktposition geht.

Anfang September hat Medtronic den Erwerb der italienischen NGC Medical, eines Betreibers von Operationssälen und Intensivstationen, für 350 Mio $ bekannt gegeben. Für den gleichen Preis will Medtronic auch die niederländische Sapiens übernehmen, um sich damit die Nutzung einer neuen Technologie zur Behandlung von Parkinson zu sichern.

Großübernahme bis Jahresende abgeschlossen

Für den größten Wirbel hat jedoch die 42,9 Mrd $ schwere Übernahme der irischen Covidien gesorgt, die bis Ende des Jahres abgeschlossen werden soll. Beide Konzerne kommen auf einen Gesamtumsatz von 28 Mrd $ und einen Gewinn von 5,4 Mrd $.

Die Iren stellen ebenfalls Herzschrittmacher her sowie chirurgische Instrumente und Produkte für die Intensivmedizin. Darüber hinaus ist Covidien stark in Schwellenländern vertreten und verschafft Medtronic den Zugang zu neuen Absatzmärkten. Zudem hat Medtronic jetzt die Möglichkeit, seinen juristischen Sitz nach Irland zu verlegen und Unternehmenssteuern zu sparen.

Mit diesen Zukäufen, aber auch mit eigenen Produktinnovationen wird Medtronic das Wachstum beschleunigen. Darüber hinaus hat der Konzern künftig noch mehr Kostenvorteile bei Einkauf und Vertrieb.

Unternehmensporträt

Medtronic ist das mit Abstand weltgrößte Unternehmen für Medizintechnik. Der US-Konzern ist vorwiegend in den Geschäftsbereichen Herzrhythmus-Kontrolle, Neurologie, Wirbelsäulen- und Gefäßchirurgie tätig. Mit einem Weltmarktanteil von fast 50% ist Medtronic die unangefochtene Nummer 1 bei Herzschrittmachern. Die hohe Innovationskraft bildet seit Jahren die Grundlage für den Erfolg der Gruppe.

Sonova Holding lag mit seinen Jahreszahlen im Rahmen unserer Erwartungen

Der Umsatz stieg um 8,7%, und der Gewinn hat sich mehr als verdreifacht. Im Vorjahr hatten allerdings Rückstellungen von 198 Mio SFr für Produkthaftungen belastet. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (EBITA) übertraf mit 430,1 Mio SFr den bereinigten Vorjahreswert um 11,6%.

Den Löwenanteil erwirtschaftet Sonova zwar immer noch mit herkömmlichen Hörgeräten. Deutlich wachstumsstärker ist aber das Geschäft mit den Cochlea-Implantaten. Der Sparten-Umsatz stieg um 33% auf 195 Mio SFr.

Sonova will stärker wachsen als der Markt

In diesem Jahr sollen der Umsatz in Landeswährungen um 7 bis 9% und das EBITA um 11 bis 15% steigen. Auch langfristig will der Konzern das auf jährlich 2 bis 4% geschätzte Marktwachstum übertreffen. Vielversprechend sind die Cochlea-Implantate. In diesem Segment dürfte sich der Marktanteil von Sonova bis 2016 auf 23% mehr als verdoppeln.

Eine weitere Innovation hat sich Sonova mit der Übernahme der schwedischen Comfort Audio einverleibt. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 20 Mio SFr ist auf die Herstellung und den Vertrieb von Produkten für schwierige Hörsituationen, wie sie in großen Sitzungen oder im Schulunterricht vorkommen, spezialisiert.

Vor allem profitiert Sonova von der demografischen Entwicklung. Schätzungen zufolge nimmt die Zahl der über 65-Jährigen in den entwickelten Ländern pro Jahr um 3 bis 4% zu. Und mit dieser Altersgruppe macht Sonova die besten Geschäfte.

Sonova ist mit seiner Produktpalette ausgezeichnet positioniert, um die Marktchancen optimal zu nutzen.

Unternehmensporträt

Die 1947 gegründete Sonova (vormals: Phonak) gehört weltweit zu den 3 größten Herstellern von Hörsystemen. Das Unternehmen bietet Hörgeräte der Marken Phonak und Unitron in allen Preisklassen sowie drahtlose Kommunikationssysteme an. Sonova ist in mehr als 90 Ländern vertreten und produziert in der Schweiz, in China, Dänemark und Irland. GV: 16.6.2015

Nach zwei Umsatz- und Gewinnwarnungen in den letzten beiden Jahren hat Stratec Biomedical Systems wieder bessere Zeiten vor sich

Schon die Halbjahreszahlen haben überzeugt. Der Umsatz stieg um 14,9% und der Gewinn um 36%. Die operative Marge verbesserte sich dank der hohen Nachfrage nach margenstarken Verbrauchsgütern von 13,7 auf 14,9%. Im 2. Quartal waren es schon 17%.

Das Jahr will Stratec mit einem Umsatzwachstum von 8 bis 12% und einer operativen Marge von 15,5 bis 16% abschließen. Daneben steht die Erweiterung der Produktionskapazitäten in Rumänien auf der Agenda. Bis 2017 sind ebenfalls jährliche Umsatzzuwächse von 8 bis 12% bei leicht steigenden operativen Margen geplant.

Diese Prognose ist eher konservativ, denn sie enthält nicht einen langfristigen Entwicklungsauftrag, den Stratec Anfang des Jahres erhalten hat. Darüber hinaus kann Stratec in diesem und im nächsten Jahr noch mit drei weiteren Aufträgen mit einem Gesamtumsatzvolumen von 60 Mio € rechnen.

Hinzu kommt: Medizinische Labore müssen angesichts des Kostendrucks im Gesundheitswesen immer preiswerter und effizienter arbeiten. Die automatischen Analysesysteme von Stratec machen dies möglich.

Zudem steigt aufgrund der zunehmenden Auslastung der Labore die Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien wie Pipetten, Reagenzgläsern oder Filtern. Letztlich erlaubt die starke Bilanz die Finanzierung von Zukäufen, um das Wachstum zu beschleunigen.

Stratec ist nicht billig, war aber auch schon deutlich höher bewertet. Es besteht aber immer das Risiko von Auftragsstornierungen.

Unternehmensporträt

Die 1979 gegründete Stratec Biomedical Systems projektiert, entwickelt und produziert vollautomatische Systeme für Partner aus der klinischen Diagnostik und Biotechnologie. Die Partner vermarkten die Systeme weltweit als Systemlösung gemeinsam mit ihren Reagenzien an Labors und Forschungseinrichtungen. Das Unternehmen entwickelt seine Produkte mit eigener patentgeschützter Technologie.

Straumann ist wieder auf Wachstumskurs

Im 1. Halbjahr stiegen der Umsatz um 1,2% und der Gewinn um 28%. Dank der stärkeren Konzentration auf Premium-Produkte wie Roxolid und SLActive sowie der erfolgreichen Maßnahmen zur Kostensenkung verbesserte sich die operative Marge von 16 auf 20,9%. Damit hat der Konzern sein für 2016 gesetztes Ziel bereits erreicht.

Zuwächse gab es in Europa, Asien und dem Rest der Welt

In Europa musste Straumann aber Rabatte gewähren, um das Absatzwachstum anzukurbeln. Lediglich in Nordamerika stagnierte die Umsatzentwicklung. Denn der Markteintritt der Tochter Neodent verläuft nicht so wie erwartet. Auch insgesamt tragen die Neodent-Marken noch zu wenig zum Konzernergebnis bei.

Im Gesamtjahr rechnet das Management mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und mit einer höheren operativen Marge. Dabei werden 20% für realistisch gehalten. Auch langfristig erwartet Straumanm eine positive Entwicklung im Markt für Dentalimplantate.

Schon in den kommenden Quartalen will der Konzern mehrere neue Produkte auf den Markt bringen, die vor allem das Wachstum in Japan und den USA beschleunigen sollen. Zudem hat Straumann seinem Konkurrenten Nobel Biocare den Großkunden ClearChoice in den USA abspenstig gemacht, der jährlich rund 10 Mio SFr in die Kasse spülen wird.

Straumann wird ClearChoice künftig mit einer breiten Palette von Premium-Implantaten und restaurativen Lösungen beliefern. In den Schwellenländern gewinnen hingegen die preiswerten Implantate an Bedeutung.

Unternehmensporträt

Die 1954 gegründete Straumann AG gehört zu den international führenden Anbietern von Dentalimplantaten. Mit der Entwicklung bedeutender Technologien hat das Unternehmen wichtige Beiträge für den Fortschritt in der Dentalimplantologie geleistet. Das Straumann Dental Implant System zählt dank Präzision und ausgezeichneter klinischer Resultate zu den meistdokumentierten Implantatsystemen der Welt. Straumann-Produkte werden in über 70 Ländern verkauft.

Medizintechnik Healthcare – shutterstock_1041508363

Medizintechnik: Diese 5 Aktien sollten Anleger auf dem Zettel habenMedizintechnik-Aktien versprechen attraktive Renditen, müssen aber bezüglich ihrer speziellen Marktsegmente verstanden werden. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz