Mega-Fusion im tschechischen Bankensektor

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In Tschechien steht eine Mega-Fusion im Finanzsektor an. Die MONETA Money Bank übernimmt kleinere Finanzinstitute der PPF-Gruppe und wird möglicherweise selbst von der PPF geschluckt. (Foto: unknown)

Es kommt relativ selten vor, dass ich Ihnen über eine M&A-Aktion (Mergers & Acquisitions – deutsch: Fusionen und Übernahmen) aus unseren osteuropäischen Nachbarländern berichten kann. Doch heute habe ich eine Fusion im tschechischen Bankensektor für Sie ausgesucht, die vom Konstrukt und auch vom Volumen her besonders interessant ist.

So gab die tschechische Finanzgruppe PPF und die MONETA Money Bank am vergangenen Donnerstag bekannt, dass sie ihr tschechisches Kreditgeschäft zusammenzulegen wollen. Durch diese Fusion wird MONETA zu einer der größten Banken des Landes aufsteigen.

MONETA übernimmt diverse Kreditinstitute der PPF…

Die am Donnerstag von beiden Unternehmen unterzeichnete Rahmenvereinbarung sieht vor, dass MONETA Money Bank mehrere kleinere Kreditinstitute der PPF übernehmen wird. Im Einzelnen handelt es sich dabei um die in Prag ansässige Onlinebank Air Bank A.S. (Akciová společnost – tschechische Aktiengesellschaft).

Darüber hinaus wird MONETA die tschechischen und slowakischen Einheiten des Konsumentenkreditgebers Home Credit und des Kreditgebers Benxy der PPF-Gruppe übernehmen. Beide PPF-Finanztöchter sind ebenfalls in Prag ansässig.

MONETA ist aktuell die Nummer sechs unter den tschechischen Banken. Haupteigentümer von MONETA ist die PPF-Gruppe mit knapp 30% des Aktienkapitals. Weitere Anteilseigner sind neben anderen die österreichische Raiffeisen Bank International AG (4.55%) sowie die US-Investmentbanken Brown Brothers Harriman Co. (3.74%) und die Chase Manhattan Bank (3.65%).

… für stolze 1,01 Mrd. Euro

Für die Übernahme der drei PPF-Finanzinstitute muss MONETA stolze 25,9 Mrd. tschechische Kronen (CZK) auf den Tisch legen, was gut 1 Mrd. Euro entspricht. Die Zahlung, die mit dem Closing der Akquisition fällig wird, gliedert sich dabei in zwei Komponenten:

2,59 Mrd. CZK (100 Mio. Euro) in bar zahlt MONETA aus seinem Überschusskapital. Die restlichen 23,31 Mrd. CZK (910 Mio. Euro) stammen aus 291.375.000 neu ausgegebenen MONETA-Aktien, die von der PPF-Gruppe für einen Preis von 80 CZK (3,12 Euro) übernommen werden.

… und kann danach von PPF geschluckt werden

Nach der Akquisition wird die PPF Group voraussichtlich 55,38% der MONETA-Aktien halten. Somit ist die PPF-Gruppe nach tschechischem Recht verpflichtet, ein Pflichtangebot zum Erwerb von bis zu 100% der MONETA-Papiere zu unterbreiten.

Für den Kauf der MONETA-Papier muss PPF dann einen Mindestpreis von 80 CZK pro Aktie (3,12 Euro) zahlen, sofern die Tschechische Nationalbank nicht einen anderen Preis vorschreibt. Das Pflichtangebot unterliegt der Genehmigung durch die Tschechische Nationalbank.

PPF schon länger an Übernahme von MONETA interessiert

Bereits in 2019 hatte PPF einen ersten Versuch gestartet, die Kontrolle über MONETA zu übernehmen. Dieser scheiterte aber am Widerstand der MONETA-Aktionäre. Am 8. Februar 2021 unterbreitete PPF der MONETA Money Bank ein weiteres unverbindliches Übernahmeangebot.

Die Verhandlungen wurden nach dem tragischen Tod des Hauptaktionärs der PPF, Petr Keller, der im März bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam, jedoch kurz unterbrochen. Danach erwarb PPF sukzessive mehrere große Aktienpakete von MONETA und stieg zum führenden Anteilseigner der Prager Bank auf.

Wie es weitergeht

Am Tag nach Bekanntgabe der Fusion schoss die Aktie der MONETA Money Bank an der Prager Börse um stolze 5% in die Höhe und ging mit 78,75 CZK (3,07 Euro) ins Wochenende. Die Investoren sind offensichtlich davon überzeugt, dass der Deal problemlos über die Bühne gehen wird.

Der Abschluss (Closing) der Akquisition der PPF-Finanzinstitutionen durch MONETA wird für den 1. Oktober 2021 erwartet. Zuvor müssen die MONETA-Aktionäre noch dem Deal im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen.

Darüber hinaus bedarf die Transaktion noch der Genehmigungen durch die Tschechische und der Slowakischen Nationalbank sowie einer kartellrechtlichen Genehmigung durch die Europäische Kommission.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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