Ölpreis: Stürmische Zeiten voraus

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Auch an den Rohstoffmärkten hat die Stimmung schnell wieder gedreht. Nach der Schwäche der Vorwoche geht es beispielsweise beim Ölpreis wieder klar nach oben. Es bleibt eben dabei: Die massiven Stützungsmaßnahmen als Reaktion auf die Corona-Krise haben die Anlegerstimmung schon positiv beeinflusst und das geschieht auch weiter.

Immerhin hat so der Ölpreis der maßgeblichen US-Sorte WTI wieder das Niveau von 40 USD pro Barrel erreicht. Ein wahrscheinliches Szenario für die Entwicklung an den Ölmärkten skizzieren die Rohstoffexperten der Commerzbank in einer aktuellen Stellungnahme so: „Der Ölmarkt dürfte nach einem heißen Ritt im Frühjahr weiter zwischen der Geldflut auf der einen und der Konjunkturschwäche auf der anderen Seite gefangen und schwankungsanfällig bleiben.“

Tatsächlich droht auch von einer anderen Seite eine Belastung, denn in den USA hat die Hurrikan-Saison begonnen. Das kann bei stärkeren Wirbelstürmen immer auch Auswirkungen auf die wichtige US-Ölproduktion im Golf von Mexiko haben. Das haben die vergangenen Jahre immer wieder gezeigt.

Die Nationale US-Wetterbehörde NOAA hat jetzt festgestellt, dass der Mai 2020 zusammen mit 2016 der wärmste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen war – und die haben immerhin vor 141 Jahren begonnen. Bezogen auf die vergangenen 3-Monate und das bisherige Jahr insgesamt rangieren diese Perioden auf Rang zwei in der Langfrist-Statistik.

Hohe Chancen auf eine sehr aktive Hurrikan-Saison

Daher ist es wenig überraschend, dass die NOAA für 2020 eine aktive Hurrikan-Saison prognostiziert. Laut NOAA besteht eine 60%-ige Chance einer überdurchschnittlichen und dagegen nur eine 10%-ige Wahrscheinlichkeit einer unterdurchschnittlich aktiven Saison.

Erst vor wenigen Tagen war Tropensturm Christobal aktiv. Das war schon der dritte Tropensturm in der seit Anfang Juni laufenden Hurrikan-Saison. So früh hat es bisher noch nie 3 Stürme gegeben.

Sollte das Geschehen noch an Dynamik gewinnen, wären eben auch deutliche Auswirkungen auf die Ölproduktion möglich. Schon der relativ kleine Sturm zuletzt hat schon zu kurzzeitigen Produktionsausfällen bei Ölplattformen im Golf von Mexiko mit einer Tageskapazität von immerhin 600.000 Barrel gesorgt.

Hier sehen Sie einmal mehr: Der Ölpreis hängt von vielen Faktoren ab. Allerdings stellen Produktionsengpässe in diesem Jahr keine so große Herausforderung dar, denn durch die schwache Konjunktur in Zeiten von Corona ist aktuell noch mehr Öl als nötig vorhanden.

Das könnte den zuletzt gesehenen Preisauftrieb auch erst einmal wieder zum Erliegen bringen.