Portugal-Alarm: Nach Griechenland zweiter Beschleuniger der Eurokrise

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Erschreckende Zahlen aus Lissabon: die Eurokrise wird sich 2012 verschärfen.Probleme über Probleme für Merkel, Sarkozy und andere EU-Führende.Südeuropa wird wie erwartet zum großflächigen Brand in den kommenden Jahren. Portugal zeigt mit ganz neuen Zahlen, das einfaches Sparen der Krise nicht gerecht wird. Portugal spart sich wie Griechenland den Aufschwung so klein, dass die Schulden zunehmen.IWF (internationaler Währungsfonds), EZB (europäische Zentralbank) sowie die Eurozone selbst haben absehbar die falschen Instrumente gewählt. Die Vorgabe lautete: Sparen, um die Schulden zu senken. Nur: wer beispielsweise bei staatlichen Angestellten spart, erhält a) aus deren Arbeitseinkommen weniger Steuern zurück und b) reduziert den steuerbringenden Konsum.

Zahlen: höheres Defizit

Die Minuszahlen sind dabei eindeutig. Die Zentralbank Portugals räumt selbst ein, dass es im kleinen Nachbarstaat von Spanien 2012 ernsthaft bergab geht. „Zusätzliche Sparmaßnahmen“ wirken Wunder:

  • Die Kreditvergabe der Banken sinkt, weil weniger Geld im System zur Verfügung steht. Daraus errechnet sich aktuell ein Einbruch bei den Investitionen in Höhe von 12,8%. Der mittelfristige Effekt wiederum führt auch über diese Minderausgaben zu weiteren Steuerlöchern.
  • Die Inflation in Portugal wird mit 3,2% weiterhin vergleichsweise hoch sein. Das bedeutet: effektiv sinkt die Kaufkraft auch für Ausländer, die entweder weniger Waren aus Portugal kaufen werden oder kaufen können.
  • Die Arbeitslosenquote sinkt nicht, wie erhofft, sie wird steigen. Bis Ende Dezember sollen 13% der arbeitsfähigen Bevölkerung auf Suche nach einem angemessenen Arbeitsplatz sein.
  • Arzt- oder gar Krankenhausbesuche finanzieren inzwischen nur noch wenige Portugiesen. Dies ist nicht nur ein Wohlstandsverlust, sondern wird effektiv auch die Produktivität senken. Statistiken darüber gibt es nicht, aber eine schlechtere Versorgung erhöht automatisch den Arbeitsausfall.
  • Die Rezession 2012 wird dank der Sparmaßnahmen kräftig zuschlagen: -3,1% erwarten portugisiesische Volkswirte nunmehr. Ursprünglich war die Regierung von einem Minus in Höhe von -2,2% ausgegangen.
  • Das „Defizit“ – die Schuldenaufnahme – sinkt nur offiziell. Die Regierung hat einfach Einnahmen aus den staatlichen Sozialkassen, hier der Rentenversicherung, dem zentralen Haushalt zugeordnet. Somit verschuldete sich Portugal 2011 „nur“ um 5,9% vom BIP (Bruttoinlandsprodukt), andernfalls wäre dieser Wert auf 8% gestiegen. EU-weit gilt die Vereinbarung, sich lediglich um 3% vom jährlichen BIP neu zu verschulden.

GeVestor meint: Ohne Unkenrufe. Wir hatten hier bereits angekündigt, dass die nächsten Hilfstranchen auch für Portugal fällig werden. Das bedeutet: 78 Milliarden waren erst der Anfang. Träger der neuen Hilfen wird der berühmte „Rettungsschirm“ sein.Damit aber geht es indirekt auf Ihre Kosten – denn der Rettungsschirm wird eines Tages aufgefüllt werden müssen. Daher: rechnen Sie mit höheren Steuern, etwa der bereits angekündigten Finanztransaktionssteuer – der Umsatzsteuer für Börsengeschäfte.Einziger Schutz sind Investitionen in renditestarke Anlagen – die möglichst wenig Steuern kosten. Das sind etwa Aktien, die Sie „heute“ noch kaufen, da rückwirkende Erhöhungen etwa der Abgeltungssteuer seltener kommen. Beispiele: kaufen Sie langfristig Münchener Rück odre Fielmann.