Ever Given wieder frei: Ägyptische Kanalbehörde einigt sich mit japanischem Eigentümer

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Die Höhe der gezahlten Entschädigung ist nicht bekannt. Die Ever Given schippert nun mit monatelanger Verspätung weiter nach Europa. (Foto: 3000ad / Shutterstock.com)

Die Ever Given ist frei: Monatelang hatten die ägyptischen Behörden den Megafrachter nach dessen spektakulärer Havarie im Suezkanal festgehalten – als Pfand, solange mit den japanischen Eigentümern des Schiffs über Entschädigungszahlungen verhandelt wurde.

Entschädigungszahlung in unbekannter Größenordnung

Mehr als 900 Millionen US-Dollar hatte die ägyptische Seite zunächst aufgerufen, ihre Forderungen später auf 550 Millionen Dollar reduziert. Die japanischen Eigner – eine Leasingfirma namens Shoei Kisen Kaisha – hatten lediglich 150 Millionen Dollar angeboten.

Wo genau man sich nun letztendlich geeinigt hat, wollten beide Seiten nicht kommentieren. Somit bleibt die tatsächlich gezahlte Summe ein Geheimnis der Beteiligten. Die Ever Given schippert nun weiter in Richtung Norden, doch die Waren, die an Bord in tausenden Containern transportiert werden, werden zu einem großen Teil inzwischen wohl nicht mehr benötigt.

Frachteigentümer werden zur Kasse gebeten

Mit mehreren Monaten Verspätung werden nun Ladungen in Europa eintreffen, die von den Auftraggebern längst abgeschrieben oder neu nachbestellt wurden. Die Eigentümer der Waren in den Containern sind somit doppelt belastet: Neben dem verlorenen Warenwert müssen sie sich wohl auch an den Entschädigungskosten beteiligen.

Entsprechende Schreiben einer Anwaltskanzlei waren im Auftrag der japanischen Eigner bereits kurze Zeit nach der Havarie verschickt worden – und sind rechtlich wohl kaum anzufechten, denn die „Havarie grosse“, auf die man sich in dem Fall beruft, ist üblicherweise Bestandteil der Frachtbedingungen und geht auf jahrhundertealtes Seefahrtrecht zurück.

Ever Given: Havarie mit weltweiten Folgen

Ende März war der Megafrachter, der mit mehr als 20.000 Containern beladen werden kann, bei schlechtem Wetter im Suezkanal auf Grund gelaufen und hatte sich quergestellt. Dadurch war die gesamte Schifffahrtsstraße, die das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, sechs Tage lang vollständig blockiert.

An beiden Enden des Kanals bildeten sich lange Rückstaus, hunderte Schiffe mussten auf ihre Weiterfahrt warten, die Verzögerungen im Schiffsverkehr wirkten sich weltweit auf die Lieferketten aus und sorgten für Unterbrechungen in eng getakteten Produktionsabläufen, auch in deutschen Fabriken.

Es hätte noch schlimmer kommen können

Am Ende standen mehr als 400 Schiffe im Stau, dessen Auflösung noch einmal mehrere Tage in Anspruch nahm. Dabei hatte man noch Glück im Unglück: Die Ever Given war mit Hilfe von eigens angereisten Ingenieuren, letztendlich aber auch durch die einsetzende Flut aus ihrer misslichen Lage entkommen – wäre der Frachter trotz Flutwelle steckengeblieben, hätte ein noch erheblich größerer logistischer und zeitlicher Aufwand betrieben werden müssen, um das Schiff wieder freizubekommen.

Immerhin das ist der Weltwirtschaft erspart geblieben, doch die Havarie hat die Verwundbarkeit des Systems offenbart: Der Suezkanal dient, wie viele andere Schifffahrtsstraßen, als Abkürzung, um den langen und teuren Weg einer Umsegelung des afrikanischen Kontinents zu vermeiden. Durch Zwischenfälle wie die Havarie der Ever Given wird der Kanal jedoch zum entscheidenden Nadelöhr.

Normalerweise passieren gut 50 Schiffe den Kanal jeden Tag und in beide Richtungen. Dass es zu einer Totalblockade kommen konnte, liegt auch an den schieren Dimensionen der Frachtschiffe, deren Länge die Breite der engen Kanalstraßen übertrifft, wie auf den spektakulären Satellitenbildern des Vorfalls eindrücklich zu erkennen war.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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