Mega-Eisenbahn-Deal: Canadian Pacific übernimmt Kansas City Southern

Weltkugel Globus – Tryfonov ado

In Nordamerika steht ein Mega-Deal unter den Eisenbahngesellschaften an. Canadian Pacific schluckt Kansas City Southern für 29 Mrd. Dollar. (Foto: Tryfonov / Adobe Stock)

Am Sonntag wurde der bisher größte Deal dieses Jahres bekannt gegeben: Für sagenhafte 29 Mrd. US-Dollar (USD – entspricht etwa 24,4 Mrd. Euro) inkl. 3,8 Mrd. Schulden übernimmt die kanadische Eisenbahngesellschaft Canadian Pacific Railway Limited (CP) den US-amerikanischen Mitbewerber Kansas City Southern (KCS) samt dessen Strecken in Mexiko.

Durch diesen Mega-Deal erhält CP erstmals ein durchgehendes Schienennetz, das Kanada, die USA und Mexiko verbindet. Dadurch können nach Abschluss der Transaktion Güterzüge von Vancouver oder Montreal via Kansas City bis hin nach Mexico City auf den Strecken der CP fahren.

Das fusionierte Unternehmen wird die Nr. 6 unter den US-Class-1-Güterverkehrsgesellschaften und wird ein Schienennetz von ca. 20.000 Meilen (gut 32.000 km) betreiben, fast 20.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Gesamtumsatz von ca. 8,7 Mrd. USD erwirtschaften.

Die knapp 12.000 CP-Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr einen Umsatz von 7,7 Mrd. Kanadischen Dollar (CAD – entspricht 6,13 Mrd. USD) und ein Nettoerlös von 2,44 Mrd. CAD. Kansas City Southern fuhr auf einer Streckenlänge von 6.700 Meilen (etwa 10.800 km) im vergangenen Jahr einen Umsatz von 2,63 Mrd. USD ein. 2019 erzielte KCS einen Umsatz von 2,86 Mrd. USD und einen Nettoerlös von 538,9 Mio. USD.

Bezahlung erfolgt in Cash- und Aktien

Beide Gesellschaften haben sich darauf geeinigt, dass die Bezahlung sowohl in einem Bar-Anteil sowie in Aktien erfolgen soll. Konkret erhalten KCS-Aktionäre für jede Stammaktie 90 USD in Cash sowie 0,489 Anteile einer CP-Aktie. Vorzugsaktionäre erhalten 37,50 USD in bar für jede KCS-Vorzugsaktie.

Basierend auf dem Schlusskurs vom Freitag, dem letzten Börsentag vor Bekanntgabe des Deals, beläuft sich das Angebot an die Besitzer von KCS-Stammaktien zusammengerechnet auf 275 USD pro Aktie. Die Offerte beinhaltet somit einen soliden Übernahmeaufschlag von 23%. Nach Abschluss des Deals werden die KCS-Stammaktionäre voraussichtlich 25% der ausstehenden CP-Stammaktien besitzen.

Zur Finanzierung des Aktienanteils der Fusion wird CP 44,5 Mio. neue Aktien ausgeben. Der Baranteil wird durch eine Kombination aus Barmitteln und der Aufnahme von Fremdkapital in Höhe von ca. 8,6 Mrd. USD finanziert, wofür laut CP bereits eine Finanzierungszusage vorliegt.

Aktienkurse entwickeln sich unterschiedlich

Nach Bekanntwerden der Übernahme entwickelten sich die Kurse der beteiligten Eisenbahngesellschaften sehr unterschiedlich. Der Wert der KCS-Aktien stieg im Tagesverlauf um satte 11,12% an und ging mit 249,09 USD aus dem Handel. Damit lag er aber noch deutlich unterhalb des Angebotspreises von 275 USD.

Der Kurs der CP-Aktie gab mit -5,8% deutlich nach und ging mit 356,53 USD aus dem New Yorker Handel. Es spricht also vieles dafür, dass die Investoren nicht von dem Deal überzeugt sind. Mögliche Ursachen hierfür sind der hohe Preis, den CP für die Übernahme aufbringen muss. Möglicherweise gibt es auch Zweifel daran, dass dieser länderübergreifende Deal das OK der vielen beteiligten Aufsichtsbehörden erhält.

Zusammenschluss soll Wirtschaftswachstum fördern…

Das zusammengelegte Streckennetz soll laut CP die Marktreichweite der gewerblichen Kunden drastisch erhöhen, neue wettbewerbsfähige Transportoptionen bieten und das nordamerikanische Wirtschaftswachstum unterstützen.

Darüber hinaus wird erwartet, dass die Transaktion auch Arbeitsplätze im gesamten kombinierten Netzwerk schaffen wird. Zusätzlich soll die Fusion zu Effizienz- und Serviceverbesserungen führen, die auch bedeutende ökologische Vorteile mit sich bringen werden, so CP in seiner Mitteilung.

„Diese Transaktion wird für Nordamerika von großer Bedeutung sein und erhebliche positive Auswirkungen für unsere jeweiligen Mitarbeiter, Kunden, Gemeinden und Aktionäre haben”, sagte der CP Präsident und CEO Keith Creel. „Gemessen am Umsatzwachstum waren CP und KCS in den letzten drei Jahren die beiden leistungsstärksten Class-1-Eisenbahnen“, so Creel weiter.

Durch die Fusion kann laut Creel auch das kürzlich in Kraft getretene USMCA-Handelsabkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko profitieren. Ein einheitliches Güterverkehrsnetz könne einen wesentlichen Teil zu einer effizienten Integration der Lieferketten des Kontinents beitragen.

…und Umwelt schonen

Die Übernahme soll laut CP auch einen positiven Einfluss auf die Umwelt haben. So sind Transporte auf der Schiene viermal kraftstoffeffizienter als der Lkw-Verkehr. Sie müssen wissen: In den USA werden Güterzüge meistens von mehreren Diesellokomotiven gezogen. Die durchschnittliche Gesamtzuglänge belief sich bei CP im vergangenen Jahr auf in Deutschland unvorstellbare 2,4 km.

So kann ein Güterzug mehr als 300 Lkw ersetzen und produziert dabei 75% weniger Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus arbeitet CP aktuell an neuen, schadstofffreien Antriebstechnologien und entwickelt die erste wasserstoffbetriebene Streckenlokomotive Nordamerikas.

Wie es weitergehen kann

Die endgültige Übernahme der Kontrolle über die U.S.-Eisenbahnen durch CP unterliegt der Zustimmung des U.S. Surface Transportation Board (“STB”).

Der Übernahmeprozess soll in einem zweistufigen Treuhand-Verfahren durchgeführt werden. Der Deal muss innerhalb dieses Prozesses noch von den Aktionären beider Gesellschaften sowie den involvierten Aufsichtsbehörden genehmigt werden. Bis zum Closing wird also noch einige Zeit verstreichen. CP gibt an, dass der Deal voraussichtlich erst nach Mitte 2022 abgeschlossen werden wird.

Das kombinierte Unternehmen wird den Namen Canadian Pacific Kansas City (CPKC) tragen. Globaler Hauptsitz von CPKC wird Calgary sein. Kansas City wird als Hauptsitz in den USA bestimmt. Die Hauptsitze in Mexiko bleiben in Mexiko-Stadt und Monterrey.

Der bisherige CP-Chef Creel wird auch als CEO des kombinierten Unternehmens fungieren. 4 KCS-Direktoren werden zu gegebener Zeit in den erweiterten CP-Vorstand aufgenommen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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