So folgen Sie den Spuren der Großanleger

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Schon mal über Großinvestoren nachgedacht? Warum diese Gruppe für Sie wichtig ist. Wie Sie deren Handeln folgen können. (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Wir Privatanleger haben es doch richtig gut!

Wenn wir von einer Aktie überzeugt sind, dann kaufen wir uns, je nach Kurs, 100, 200, 500 oder auch 1.000 Anteile davon.

Danach warten wir ab, wie sich unser Einkauf entwickelt: Irgendwann verkaufen wir unsere Position auf einen Schlag mit Gewinn oder auch mit Verlust.

Institutionelle Investoren oder auch professionelle Anleger haben es da nicht ganz so einfach.

Doch wer steckt überhaupt hinter dieser Investoren-Gruppe?

Wer sind die institutionellen Anleger?

Dazu zählen Institutionen, denen erhebliche, nicht selten gigantische Kapitalmittel zur Verfügung stehen.

Zu diesem Kreis gehören beispielsweise Banken, Versicherungen, Vermögens-Verwaltungen und Fonds jedweder Art:

Pensionskassen verwalten Firmengelder zur Altersversorgung von Angestellten. Investmentfonds investieren die Einlagen von Privatanlegern, die sich nicht trauen, ihre Geldanlage selbst in die Hand zu nehmen.

Hedge-Fonds verwenden das dort eingebrachte Kapital, um Wetten im größeren Stil an den Finanzmärkten einzugehen, beispielsweise um von Abwärtstrends zu profitieren.

Diese Institutionen verfügen über Geldmittel in Höhe von vielen Mio. bis hin zu mehreren Mrd. Euro, US-Dollar oder welcher Währung auch immer.

So arbeiten Investmentfonds

Schauen wir einmal beispielhaft auf die Arbeitsweise eines Investmentfonds, der, sagen wir, ein Vermögen von 10 Mrd. € zu verwalten hat.

Nehmen wir an, dieser Fonds möchte 2% des ihm zur Verfügung stehenden Volumens in eine einzelne Aktie, z. B. die im MDAX enthaltene Osram Licht AG, investieren.

2% von 10 Mrd. € entspricht einem Betrag von 200.000.000 € (200 Mio. €).

Die Osram Licht AG hat aktuell einen Kurs von knapp 50 € (Stand: April 2015). Entsprechend muss unser Investmentfonds dann über die Börse 4 Mio. Anteile erwerben.

Anmerkung: Die Erwähnung der Osram Licht AG stellt KEINE Kaufempfehlung dar. Sie dient ausschließlich als Beispiel einer MDAX-Aktie, die derzeit bei etwa 50 € notiert.

Umsätze: Wichtige Entscheidungs-Grundlage für Großanleger

Wenn Sie nun einmal auf die täglichen Umsätze der Osram Licht AG schauen, dann stellen Sie fest:

osram licht ag aktie-27-04-2015

Osram Licht AG Aktie: Die täglichen Umsätze sind wichtig für die Großinvestoren.

In der 4. April-Woche wurden täglich zwischen knapp 292.000 und 1,11 Mio. Anteile gehandelt.

Betrachten Sie den Zeitraum der letzten 50 Handelstage (s. Grafik), dann wechselten im Schnitt pro Tag 373.015 Anteile den Besitzer. Das entspricht einem Handelsvolumen von rund 18,65 Mio. €.

Unser Investmentfonds müsste demnach 11 Tage in Folge ALLE angebotenen Osram-Aktien kaufen, um seine Position zu vervollständigen.

Kein Investmentfonds würde das tun, weil damit ja die durchschnittliche Nachfrage quasi verdoppelt würde – der Osram-Kurs würde davongaloppieren.

Der Investmentfonds kann – anders als ein Privatanleger – also nicht die gesamte Position von 4 Mio. Aktien auf einen Schlag kaufen, da im Schnitt nur 373.015 Anteile der Gesellschaft pro Tag gehandelt werden.

Unser Beispiel-Großanleger muss also vorsichtig vorgehen, um sich nicht selbst den eigenen Einstands-Preis zu verteuern.

Nehmen wir nun einmal an, der Investmentfonds würde täglich nur 5% des durchschnittlichen Handelsvolumens aufkaufen, sprich: „unauffällige“ Tageskäufe tätigen, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen.

Dann könnte unser Fonds jeden Handelstag 18.650 Osram-Aktien erwerben. Mit dieser Einkaufspolitik wäre der Investmentfonds gezwungen, über eine Dauer von 215 Handelstagen Osram-Aktien zu kaufen.

Wir reden demnach über einen Zeitraum von fast 31 Wochen. Der Investmentfonds wäre folglich nahezu 8 Monate lang nur mit dem Aufbau der Position beschäftigt.

Zwischenfazit

Bis hierhin haben wir nur über den Aufbau einer umfangreichen Position gesprochen. Doch irgendwann muss eine solche auch wieder verkauft werden.

Ich denke, die daraus resultierenden Folgen – auch für Ihr privates Handeln am Aktienmarkt – werden nun schon deutlicher für Sie.

Welche Konsequenzen Sie aus dieser Beispiel-Rechnung ziehen können, besprechen wir im Folgenden.

Schon jetzt dürfte indes klar geworden sein, welch enorme Bedeutung die Großinvestoren für Sie als Privatanleger haben.

Und nun erfahren Sie schließlich auch, wie Sie den Spuren folgen können, die die Großinvestoren bei ihren Handelsaktivitäten hinterlassen.

Warum Großinvestoren so vorgehen, wie sie vorgehen

Wie Sie sich sicherlich denken können, würde selbstverständlich kein Großinvestor der Welt auf diese Weise agieren.

Wir können daraus jedoch folgende Konsequenzen ziehen:

  • Großinvestoren bauen ihre Positionen stets über einen längeren Zeitraum auf und wieder ab. Nur so kann ein zu teurer Einstieg bzw. ein ungünstiger Ausstieg verhindert werden.
  • Großanleger mit besonders hohen Vermögens-Volumina müssen sich beim Aufbau von Positionen entweder auf stark gehandelte Standard-Aktien fokussieren oder sich aus Performance-Gründen bei kleinen oder mittelgroßen Aktiengesellschaften mit geringfügigen Positionen begnügen.

Doch völlig gleichgültig, wie auch immer die institutionellen Investoren operieren:

Großinvestoren handeln große bis sehr große Positionen und müssen dazu ihre Käufe und Verkäufe regelmäßig über einen längeren Zeitraum ausdehnen.

Und noch einen Punkt sollten Sie bedenken: In unserem Beispiel hatten wir es lediglich mit EINEM Investmentfonds zu tun.

Tatsächlich gibt es weltweit unzählige Großanleger. Und oftmals gerät eine attraktive Aktie nicht nur bei einem institutionellen Investor in den Fokus, sondern gleich bei Dutzenden.

Wie Sie Großinvestor-Aktivitäten erkennen

Doch wie können Sie nun erkennen, welche Aktien die Großinvestoren im Visier haben?

Eine Möglichkeit wäre, die Rechenschafts-Berichte der Fonds zu analysieren. Angesichts der schieren Masse an Fonds wäre das wohl eine Sisyphus-Arbeit.

Sie wissen nun aber auch, dass diese Aktionen der Großinvestoren Spuren in den Umsätzen hinterlassen.

Außerdem ist Ihnen bekannt, dass Aktienkurse vom Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage beeinflusst werden. Und genau das können Sie sich zunutze machen.

Denn: Es gibt in der Charttechnik das On-Balance-Volumen (OBV). Dieser Indikator verknüpft die täglichen Kursveränderungen mit den täglichen Umsätzen.

Steigen die Umsätze nun aufgrund von Großinvestor-Aktivitäten, dann spiegelt sich das auch in steigenden Kursen – und damit auch in einem anziehenden OBV – wider.

Erhöhtes Angebot (= hohe Umsätze) führt andererseits zu fallenden Kursen und zeigt sich damit in einem sinkenden On-Balance-Volumen.

Fazit

Sie müssen also nicht zwangsläufig wissen, in welche Aktien die Großanleger investieren.

Schauen Sie stattdessen auf Aktien, die sich in einem Aufwärtstrend befinden und checken Sie dann, ob das OBV ebenfalls starke Aufwärts-Ambitionen nachweist.

Der nachstehende Chart demonstriert anhand eines Beispiels, wie so etwas aussehen kann.

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Beispiel: Empfehlung Momentum-Trader – Großinvestoren kaufen sich kontinuierlich ein

Wie Sie sehen, schickt sich diese Wachstumsaktie an, aus einer Tasse-mit-Henkel-Formation nach oben auszubrechen.

Das On-Balance-Volumen wiederum dokumentiert das ungebrochene Kaufinteresse der Großinvestoren an dieser attraktiven Aktie.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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