Stammaktien und Vorzugsaktien: Das sollten Sie wissen

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Gestern habe ich hier im Schlussgong über den deutschen Schmiermittel-Spezialisten Fuchs Petrolub berichtet, der sowohl mit Stammaktien als auch mit Vorzugsaktien an der Börse vertreten ist. Heute gehe ich näher auf die Unterschiede zwischen beiden Aktiengattungen ein.

Zunächst einmal: Wenn die Kursunterschiede zwischen den Aktiengattungen ungewöhnlich hoch sind, deutet das darauf hin, dass eine Aktiengattung gerade besonders begehrt ist (zum Beispiel aufgrund einer geplanten Übernahme), oder eine Aktiengattung von den Anlegern kurzzeitig vernachlässigt wird.

Oft startet die günstigere Gattung eine Aufholjagd

Beide Erklärungen sprechen dafür, dass die günstigere Gattung eine Aufholjagd starten wird – und das relativ unabhängig vom Gesamtmarkt. Ein Beispiel, das Ihnen zeigt, wie absurd groß kurzfristig ein Bewertungsunterschied sein kann: Die Sixt-Stammaktien sind aktuell knapp 73% teurer als die Sixt-Vorzugsaktien.

Noch vor wenigen Jahren lag der Preisunterschied bei deutlich unter 20%. Da die Sixt-Stämme liquider und im MDAX vertreten sind, ist ein Bewertungsaufschlag von rund 20% angemessen. Eine Bewertungslücke von über 70% zeigt dagegen an, dass die Vorzüge aktuell deutlich zu niedrig bewertet sind und an der Börse “vergessen” wurden. Blicken wir nun auf die beiden Aktiengattungen.

Stammaktien: Das Stimmrecht ist heiß begehrt

Stammaktien besitzen – im Gegensatz zu den Vorzugsaktien – auf der Hauptversammlung ein Stimmrecht. Wer auf der Hauptversammlung die meisten Stimmen hat, kann den Kurs des Unternehmens bestimmen. Wird eine Übernahme geplant, muss sich der Investor die Stimmrechte sichern.

Daher wird ein Aufkäufer zunächst die Stammaktien einsammeln und ist im Regelfall bereit, eine Prämie für das Stimmrecht zu zahlen. Bei Unternehmen mit Übernahmephantasie notieren die Stammaktien oft deutlich höher als die Vorzugsaktien.

Ein zusätzlicher Grund für die oft höhere Bewertung der Stammaktien: Einige Fonds legen feste Anlageregeln fest. So kommt es vor, dass Fondsmanager grundsätzlich nur Aktien mit Stimmrecht kaufen dürfen. Daher ist die Nachfrage nach Stammaktien größer. Eine höhere Nachfrage führt zu höheren Preisen.

Vorzugsaktien: Die unterschätzte Aktiengattung

Ein höherer Kurs bedeutet jedoch nicht automatisch eine bessere Performance (also höhere Gewinne). So erhalten Besitzer von Vorzugsaktien als Ausgleich für das fehlende Stimmrecht eine höhere Dividende.

Diesen „Mehrertrag“ sehen Sie nicht im Kursverlauf, wohl aber auf Ihrem Depot-Konto. Bei der Bewertung von Stamm- und Vorzugsaktien muss daher immer die Gesamtperformance (Kursveränderung und erhaltene Dividendenerträge) betrachtet werden.

Bei meinem gestrigen Beispiel Fuchs Petrolub sind nach meiner Einschätzung derzeit beide Aktiengattungen interessant. Bei dem deutschen Autovermieter Sixt würde ich eher auf die Vorzugsaktien setzen, da der Unterschied zwischen Stämmen und Vorzügen hier aus meiner Sicht deutlich zu groß ist und die Vorzüge somit Aufholpotenzial besitzen.