Amazon-Chef Bezos tritt ab – wie reagieren die Anleger?

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Paukenschlag bei Amazon: Jeff Bezos tritt in diesem Jahr als CEO bei Amazon zurück. Zucker für den Nachfolger: Die Jahresbilanz 2020. (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Man soll ja bekanntlich gehen, wenn es am Schönsten ist – und genau das macht Amazon-Chef Jeff Bezos. Nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze des Konzerns zieht sich der Gründer zum Ende des dritten Quartals aus dem operativen Geschäft zurück, wird aber wohl auch künftig als geschäftsführender Vorsitzender des Verwaltungsrats Einfluss auf sein Unternehmen behalten.

Der Nachfolger steht auch schon fest: Mit Andy Jassy rückt jener Mann an die Spitze von Amazon, der bislang den Cloud- und Webdienstleistungsbereich Amazon Web Services, kurz AWS, verantwortet. AWS wächst seit Jahren beachtlich und steuert längst einen großen Anteil zum Gesamtumsatz und Gewinn von Amazon bei.

Amazon knackt in Q4 erstmals 100-Milliarden-Dollar-Marke

Verkündet wurde der überraschende Führungswechsel zusammen mit hervorragenden Quartalszahlen. Im Schlussquartal 2020 knackte Amazon erstmals die Umsatzmarke von 100 Milliarden US-Dollar und erzielte Erlöse in einem Volumen von mehr als 125 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn summierte sich auf gut 7 Milliarden Dollar im vierten Quartal und etwas über 21 Milliarden Dollar im Gesamtjahr 2020. Damit liegt Amazon rund 84 Prozent höher als im Vorjahr.

Der Konzern gilt als einer der großen Gewinner der Corona-Krise: Sowohl der Onlineshop als auch der Cloud- und Webservice-Bereich waren im vergangenen Jahr stark nachgefragt. Die in einigen Ländern über Monate hinweg geschlossenen Einzelhändler verloren viele Kunden an den Alles-Anbieter Amazon. Parallel bauten etliche Unternehmen ihre digitale Infrastruktur aus, um möglichst vielen Beschäftigten das Arbeiten im Home Office ermöglichen zu können – nicht selten griffen die Geschäftskunden dabei auf die Dienste von AWS zurück.

Amazon Aktie nachbörslich im Plus

Allein der Unternehmensbereich AWS konnte im Zeitraum von Oktober bis Ende Dezember seine Umsätze um 28 Prozent steigern auf 12,7 Milliarden Dollar, das Betriebsergebnis der Sparte lag im gleichen Zeitraum mit 3,6 Milliarden Dollar rund 37 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Analysten hatten AWS etwas mehr zugetraut, insgesamt aber hat Amazon die Erwartungen der Beobachter übertroffen. Auch Anleger reagierten erfreut, nachbörslich legte die Amazon Aktie zu, wobei ein Großteil des Erfolgs bereits eingepreist war.

Wie reagieren Anleger auf Bezos‘ Abschied?

Schon in den Vormonaten hatte sich abgezeichnet, dass Amazon zu den Profiteuren der Pandemie zählt und bei Umsatz und Gewinn neue Bestmarken erreichen würde. Verstärkt wurde der Effekt durch die Schließungen im Einzelhandel im wichtigen Weihnachtsgeschäft, unter anderem in Deutschland.

Spannend wird indes zu beobachten, wie die Börsianer auf Bezos‘ Abgang reagieren werden. Da Amazon jedoch bestens aufgestellt ist, mit Jassy der Verantwortliche eines der Top-Bereiche des Unternehmens künftig die Führung des Gesamtkonzerns übernimmt und der Firmengründer nicht völlig von der Bildfläche verschwindet, dürfte der Schock verkraftbar bleiben – zumal die Ankündigung mit mehreren Monaten Vorlauf kommt und somit einen reibungslosen Übergang an der Vorstandsspitze sichergestellt sein dürfte.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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