Amazon und Facebook gegen die FTC

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Die US-Kartellbehörde FTC steht mit den Tech-Giganten auf Kriegsfuß. Muss Marktmacht neu berechnet werden? (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Die US-Wettbewerbsaufsichtsbehörde FTC hat eine neue Chefin: Lina Khan. Die 32-Jährige ist bei Tech-Konzernen im Silicon Valley ebenso verhasst wie gefürchtet.

So hat Amazon bei der FTC nun offiziell beantragt, Khan solle sich aus wettbewerbsrechtlichen Prüfungen heraushalten. Der Internetkonzern wirft der Behördenleiterin vor, sie sei voreingenommen und beruft sich dabei auf frühere Veröffentlichungen Khans.

Braucht es neue Prüfverfahren zur Feststellung von Marktmacht?

Sie hatte in der Vergangenheit argumentiert, das in den USA gängige Prüfverfahren, ob Endverbraucher durch höhere Preise von mangelndem Wettbewerb innerhalb einer Branche benachteiligt würden, sei nicht ausreichend, um die tatsächliche Marktmacht zu bestimmen – dies gelte insbesondere für international agierende Onlineriesen, wie eben Amazon. Tatsächlich könnten Kunden sogar von niedrigen Endpreisen profitieren, während zugleich Platzhirsche wie Amazon kleinere Wettbewerber unter Druck setzten.

Im Fokus der FTC steht Amazon zurzeit wegen seiner Übernahme des Hollywoodstudios MGM. Dadurch erwarb das Unternehmen, das mit Amazon Prime Video einen eigenen Streamingdienst im Angebot hat, unter anderem die Rechte an zahlreichen Filmklassikern, darunter auch die James-Bond-Reihe.

Facebook erringt juristischen Etappensieg gegen FTC

Doch auch andere Größen aus der US-Tech-Branche liegen immer wieder mit der Wettbewerbsaufsicht überkreuz. Schlagzeilen machte zuletzt eine gerichtliche Auseinandersetzung, die Facebook vorerst für sich entscheiden konnte.

Das Gericht hatte die Klage der FTC zurückgewiesen, die auf eine Zerschlagung von Facebook abgezielt hatte. Konkret ging es um den Verkauf von WhatsApp und Instagram wegen des Vorwurfs zu großer Marktmacht. Die Richter sahen dies in der durch die Behörde vorgebrachten Argumentation nicht hinreichend begründet, das Verfahren geht nun in die nächste Instanz.

Facebook Aktie überzeugt Anleger und Analysten

Am Parkett kam der Etappensieg des sozialen Netzwerks gut an: Erstmals überstieg der Marktwert von Facebook in dieser Woche die Schwelle von 1 Billion US-Dollar, die Aktie notiert am Freitag mit rund 355 Dollar gut 50 Prozent oberhalb ihres Vorjahresniveaus.

Analysten sehen weiterhin Luft nach oben: Die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse bescheinigen der Facebook Aktie bereits seit Vorlage der jüngsten Quartalszahlen Kursziele von 380 beziehungsweise 400 Dollar. Im Zuge des aktuellen Gerichtsurteils bekräftigten die Experten von JP Morgan ihre Kaufempfehlung mit Kursziel von 390 Dollar erst vor wenigen Tagen.

Amazon Aktie nach turbulentem Jahresverlauf auf Erfolgskurs

Für Amazon gestaltet sich die Lage weniger komfortabel: Im Gegensatz zu Facebook liegt hinter den Anlegern hier keine monatelange Aufwärtsrally, sondern ein höchst volatiles Jahr mit zahlreichen Aufs und Abs. Zwar notiert auch die Amazon Aktie knapp 20 Prozent oberhalb ihres Vorjahreskurses, Analysten gehen jedoch davon aus, dass auch hier das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

Etliche Analysten sehen die Amazon Aktie auf dem Weg hin zur 4.000-Dollar-Marke (Credit Suisse) und darüber hinaus: Barclays sieht das Kursziel bei 4.300 Dollar, JP Morgan gar bei 4.600 Dollar. Zuletzt war das Papier für knapp 3.450 Dollar zu haben. Der Börsenwert von Amazon beläuft sich derzeit auf rund 1,74 Billionen US-Dollar. Damit zählt das Schwergewicht aus der Tech-Branche zu den wertvollsten Unternehmen der Welt.

Die Bilanzen von Facebook und Amazon für das zweite Kalenderquartal 2021 werden für Ende Juli erwartet.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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