Online-Riese Amazon schlägt wieder zu und fädelt Kauf des traditionsreichen Filmstudio MGM ein

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Amazon wechselt mit milliardenschwerer Übernahme des Filmstudios MGM im hart umkämpften Streaming-Markt in den Angriffsmodus: Kultfilme sollen Anleger in lukrative Abos ködern (Foto: pixinoo / Shutterstock.com)

Zuletzt häuften sich die Gerüchte und inzwischen ist es amtlich: Der Onlinehändler Amazon will das prestigeträchtige Hollywoodstudio MGM für 8,45 Milliarden Dollar schlucken. MGM war seit Dezember 2020 auf der Suche nach einem möglichen Käufer und jetzt kann Vollzug gemeldet werden. Mit dem Zukauf will Amazon sein eigenes Streaming-Angebot Prime Video aufpeppen und im Kampf gegen die Erzrivalen Netflix und Walt Disney einen Zahn zulegen.

Amazon fädelt Deal mit prestigeträchtigstem Filmstudio ein

Die milliardenschwere Übernahme zeigt Ihnen, wie stark der Wettbewerb auf dem Streaming-Markt derzeit ist. Alles dreht sich um Inhalte, mit denen die Kunden für die Abo-Dienste geködert werden sollen. Mit dem Kauf von Metro Goldwyn Mayer macht Amazon nun einen großen Schritt nach vorne, um die eigenen Inhalte aufzuwerten. Seit nunmehr 97 Jahren ist das Hollywoodstudio am Markt und hat zahlreiche Filme mit Kultcharakter produziert. Diese reichen bis in die Stummfilmzeit zurück.

Knallharter Wettbewerb unter den Streaming-Giganten

Nun legt Amazon für MGM 8,45 Milliarden Dollar einschließlich Schulden auf den Tisch. Im Gegenzug sichert sich der Onlinehändler eine umfangreiche Bibliothek von Filmen und Fernsehserien. Zum Hintergrund: MGM hat einen riesigen Katalog mit mehr als 4 000 Filmen sowie 17 000 TV-Serien, die zusammen mehr als 180 Oscars gewonnen haben. Zum Filmfundus von MGM gehört unter anderem die James-Bond-Reihe und die Rocky-Verfilmungen sowie Klassiker wie Vom Winde verweht oder Das Schweigen der Lämmer, Basic Instinct und Robocop. Aber auch zahlreiche Serien wie Stargate, Fargo oder Vikings stammen aus dem Hollywoodstudio.

Konsolidierungsdruck nimmt zu

Wie stark der Druck auf Unternehmensseite ist, hat Ihnen auch der jüngste Deal des Telekommunikations-Riesen AT&T gezeigt. Der Konzern kündigte letzte Woche einen 43-Milliarden-Dollar-Deal an, um sein WarnerMedia-Geschäft auszugliedern und mit Discovery zu kombinieren – eines der ehrgeizigsten Vorhaben in der Streaming-Ära.

Für Amazon ist es weiter wichtig, die Attraktivität des eigenen Streaming-Angebots zu erhöhen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, hat Amazon auch Fans von Live-Sport umworben und Lizenzen für das Streaming von Spielen erworben, wobei es sich mit einem langfristigen Vertrag mit der National Football League rühmt, der schätzungsweise 1 Milliarde Dollar pro Jahr kostet.

Zweitgrößte Übernahme der Firmengeschichte

Für Amazon ist der Zukauf die zweitgrößte Übernahme der Firmengeschichte. Der bislang größte Deal war der Zukauf der Biosupermarktkette Whole Foods für im Jahr 2017 für 13,7 Milliarden Dollar. MGM selbst ist übrigens nicht börsennotiert. Das Studio befindet sich mehrheitlich in den Händen der Beteiligungsgesellschaft Anchorage Capital, die seit gut einem Jahrzehnt bei MGM mit an Bord ist.

Walt Disney in der Pole Position

Auch wenn der Deal Amazon ordentlich voranbringt, der unangefochtene Rechtekönig ist weiterhin Disney. Der Unterhaltungsgigant hatte sich mit Marvel und Lucasfilm bedeutende Filmrechte einverleibt. Zudem hat der Konzern mit dem Kauf des Rivalen 21 Century Fox vor drei Jahren mehr als 70 Milliarden Dollar auf den Tisch gelegt, um im Kampf um die Streaming-Kunden vorne mitmischen zu können. Beeindruckend: Acht der zehn umsatzstärksten Kinofilme aller Zeiten zählen zum Disney-Katalog

Amazon zahlt stolzen Preis

Für den Zukauf greift Amazon tief in die Kasse. Der Kaufpreis von 8,45 Milliarden Dollar entspricht immerhin dem 5,6-Fachen der letztjährigen erzielten MGM-Umsätze. Bezogen auf den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legt Amazon das 28-Fache auf den Tisch.

Wie genau die Inhalte verwertet werden, wird sich erst noch zeigen. Es ist durchaus denkbar, dass MGM-Inhalte bald nur noch bei Prime Video im Abo angeboten werden. Wer also dann James Bond im Abo sehen will, müsste Prime Video abonnieren. Bisher wechselten wie MGM-Inhalte immer mal zwischen unterschiedlichen Abos. Dennoch werden die Bemühungen von Amazon, von der Bibliothek zu profitieren, nicht einfach und vor allem nicht günstig sein. In vielen Fällen sind die Inhalte von MGM in mehrjährigen Verträgen mit Fernsehsendern gebunden und können nicht einfach exklusiv von Amazon verwendet werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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