ams startet Ausverkauf bei Osram

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Nach der Übernahme von Osram durch ams wird jetzt das Tafelsilber der Münchener verhökert. So wird die nordamerikanische Osram-Sparte Digital Systems an den US-Leuchtmittelhersteller Acuity Brands verkauft. (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Nach einer erfolgreichen Übernahme folgt häufig das große Reinemachen. Genauso geschieht es jetzt auch beim Münchener Leuchtmittelhersteller Osram, der am 3. März dieses Jahres vom österreichischen Sensorhersteller ams AG übernommen wurde. Die Österreicher trennen sich jetzt von aus ihrer Sicht uninteressanten Sparten des Leuchtenkonzerns.

So gab die ams-Osram Gruppe am vergangenen Freitag bekannt, dass sie den nordamerikanischen Osram-Geschäftsbereich Digital Systems (DS) an den langjährigen Kunden und Partner Acuity Brands Inc. verkaufen will.

Stillschweigen über Kaufpreis vereinbart

In einer kurzen Pressemitteilung bestätigten die ams-Osram Gruppe am vergangenen Freitag, dass sie sich mit Acuity Brands auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt haben. Über den Kaufpreis machten die beteiligten Unternehmen jedoch keine Angaben.

Die ams-Osram-Sparte Digital Systems Nordamerika entwickelt und produziert Beleuchtungskomponenten wie Treiber, Vorschaltgeräte sowie Steuerungssysteme und ist mit 1.100 Mitarbeitern eines der größten Unternehmen im Segment LED-Treiber in Nordamerika.

Mit dem Verkauf von DS will ams zumindest in Teilen die kostspielige Osram-Übernahme refinanzieren. Für den Osram-Deal haben die Österreicher stolze 4 Mrd. Euro auf den Tisch legen müssen. Möglicherweise werden auch noch weitere Teilverkäufe folgen.

Bereits Anfang Mai 2021 hatte die ams AG angekündigt, dass sie die Osram AG von der Börse nehmen werde. Seinerzeit befanden sich noch etwa 28% der Osram-Aktien im Streubesitz.

Vereinbarung betrifft nur nordamerikanischen DS-Standorte

Im Rahmen des Deals wurde vereinbart, dass Acuity Brands das DS-Geschäft in den USA, Kanada und Mexiko übernehmen wird, einschließlich der Fertigungsstätte in Monterrey, Mexiko. Was mit den restlichen knapp 1.000 Mitarbeitern der DS-Standorte außerhalb Nordamerikas geschehen wird, wurde nicht bekannt gegeben.

Bereits im Februar 2021 hatte der damalige Osram-Chef Olaf Berlien angekündigt, dass die gesamte DS-Sparte verkauft werden soll. Auch ams hatte schon früh signalisiert, dass die Osram-Digitalsparte langfristig gesehen nicht von strategischer Bedeutung sein werde. Zuletzt erwirtschaftete Osram mit DS einen Jahresumsatz von rund 400 Mio. Euro.

Acuity Brands ist ein führender Leuchtenhersteller…

Der in Atlanta/Georgia beheimatete Hersteller von Beleuchtungssystemen Acuity Brands Inc. zählt mit seinen etwa 11.000 Mitarbeitern zu den weltweit führenden Leuchtmittelherstellern.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete der US-Konzern einen Umsatz von 3,3 Mrd. US-Dollar (USD). Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich in 2020 auf 510 Mio. USD.

… und will seine führende Position weiter ausbauen

Durch die Übernahme von DS will Acuity Brands seine führende Marktposition in den USA weiter ausbauen, wie der Präsident der Acuity Brands Leuchtmittelsparte, Trevor Palmer, betont:

„Wir freuen uns darauf, die Kunden des nordamerikanischen DS-Geschäfts von ams OSRAM zu bedienen und unserer Branche das fortschrittlichste Portfolio an integrierter, digital vernetzter Leuchtentechnologie und LED-Treibern zur Verfügung zu stellen“.

Kurse von ams und Acuity-Brands ziehen an

An der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange, wo die ams-Aktie gelistet ist, stieg der Kurs der ams-Papiere nach Bekanntgabe des Deals um gute 4,36% an und ging mit 19,16 Schweizer Franken in das Wochenende.

Auch die Acuity-Papiere konnten am vergangenen Freitag an der New Yorker Börse 1,81% zulegen und gingen mit 188,59 USD aus dem Handel. Aktionäre auf beiden Seiten des Atlantiks scheinen den Deal zu würdigen.

Wie es weitergehen wird

Acuity Brands und DS haben bereits seit Jahrzehnten kooperiert. Beide Unternehmen gehen daher davon aus, dass die Integration von DS in Acuity Brands zügig vonstatten gehen wird.

Der Abschluss der Transaktion wird für den Sommer 2021 erwartet. Vorher müssen allerdings noch die Genehmigungen der zuständigen Aufsichtsbehörden eingeholt werden.

Bis zum Abschluss der Transaktion werden die Unternehmen weiterhin unabhängig voneinander operieren.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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