Aon und Willis Towers Watson beerdigen Fusion

USA Aktienmarkt – ado Alexander Sánchez

Aon und Willis Towers Watson blasen Megafusion ab: Kartellbehörden bremsen Zusammenschluss zum weltgrößten Versicherungsmakler aus. Härtere Gangart der Kartellwächter hinterlässt erste Spuren (Foto: Alexander Sánchez / Adobe Stock)

Der Deal war  nichts anderes als ein Paukenschlag. Immerhin hätte der Zusammenschluss von Aon und Willis Towers Watson den weltgrößten Versicherungsmakler geschaffen. Doch nun treten beide Versicherungsgiganten den Rückzug an. Streit mit der US-Regierung zwingt beide Parteien dazu, die Notbremse zu ziehen und den 30 Milliarden Dollar schweren Deal abzublasen.

Die Reaktion der Anleger fiel gemischt aus. Nach der Meldung über den Rückzug kletterten die Aon-Papiere deutlich um beinahe 8% in die Höhe, während die Aktie von Willis Towers Watson in einer ähnlichen Größenordnung unter Druck geriet.

Konsolidierungswelle in der Versicherungswirtschaft

Der Hintergrund des Deals lag auf der Hand: Aktuell kämpft die Versicherungsbranche mit fallenden Gewinnmargen, weil die Prämien im harten Wettbewerb sinken. Auf der anderen Seite steigen die Kosten für zu begleichende Schäden stetig an. Eine besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang die aus dem Klimawandel resultierenden Sturm- und Überschwemmungsschäden sowie die aktuelle Corona-Pandemie.

Diese Entwicklung hat in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Unternehmenszusammenschlüsse geführt. Vor 10 Jahren übernahm die Aon-Gruppe ihren Wettbewerber Hewitt Associates für 4,9 Mrd. USD. Vor 5 Jahren kaufte der Versicherungsmakler Willis das Beratungsunternehmen Towers Watson für 18 Mrd. USD. Erst vor anderthalb übernahm der bisherige Marktführer Marsh & McLennan den Broker Jardine Lloyd Thompson für 5,6 Mrd. USD.

Nun sollte der Zusammenschluss die Position der beiden Konzerne nachhaltig stärken: Das fusionierte Unternehmen hätte einen Jahresumsatz von etwa 20 Milliarden Dollar und einen operativen Mittelzufluss (freier Cash-Flow) von 2,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Zudem rechneten die Fusionspartner langfristig mit jährlichen Synergieeffekten von 800 Millionen Dollar.

Wettbewerbsbehörde macht Strich durch die Rechnung

Doch die beiden Versicherungskonzerne haben die Rechnung offenbar ohne den Wirt beziehungsweise die Kartellwächter gemacht. Das US-Justizministerium stufte einen Zusammenschluss als klar wettbewerbsgefährdend ein.

Die Argumentation: Der Zusammenschluss von zwei dominierenden Anbietern könnte höhere Preise nach sich ziehen und die Innovationsdynamik schwächen. Dabei hatten die beiden Player sich unterdessen sogar bereit erklärt, sich von Unternehmensteilen zu trennen. Für das Europa-Geschäft hatten die beiden damit sogar die schon die Zustimmung der EU-Kommission einholen können.

Hohe Unsicherheit auf der Zeitachse

Mittlerweile wurde aber immer klarer, dass der Deal alles andere als ein Selbstläufer werden würde. Die drohenden Rechtsstreitigkeiten hätten den Zusammenschluss bis weit ins nächste Jahr geschoben. Dabei sollte sich der Deal von Beginn an positiv auf die Ergebnisse auswirken.

Aon wird nun wie in den Fusionsverträgen vereinbart eine Abfindungszahlung in Höhe von einer Milliarde Dollar an Willis Towers Watson zahlen. Willis verkündete seinerseits, die Aktienrückkäufe um eine Milliarde Dollar zu erhöhen.

Signalwirkung für andere Megafusionen

Die härtere Gangart trägt die Handschrift der neuen US-Regierung. Der US-Präsident Joe Biden hat sich auf die Fahne geschrieben, eine schärfere Wettbewerbspolitik zu forcieren. Damit könnten nun auch andere große Deals in den USA auf der Kippe stehen. Daher wird es nun spannend zu sehen, wie es bei den Fusion der Telekomgiganten von AT&T und WarnerMedia oder auch der Eisenbahnkonzerne Kansas City und Canadian National Railway weitergeht.

Solarzelle-Sonnenblme-Windkraftwerk-Sonne

Papier: Diese Aktie stürmt den Recycling-Markt!Trotz Digitalisierung steigt die Nachfrage nach Papier unaufhörlich – zum Nachteil des Klimas. Umso wichtiger ist das Recycling. Eine US-Firma will nun den Markt aufmischen.  › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz