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Auktionshaus Ritchie Bros will Fahrzeughändler IAA schlucken

Inhaltsverzeichnis

Am vergangenen Montag brach der Aktienkurs des kanadischen Auktionshauses Ritchie Bros Auctioneers Inc. um über 18% ein. Grund für diesen Kurssturz war eine Pressemitteilung, in der das kanadische Auktionshaus ankündigte, das US-amerikanische Fahrzeughandelsportal IAA Inc. übernehmen zu wollen.

Die Direktoren beider Unternehmen haben sich laut Mitteilung auf eine Übernahmevereinbarung geeinigt, nach der Ritchie Bros. die IAA Inc. für etwa 7,3 Mrd. US-Dollar (inkl. Nettoschulden von 1,0 Mrd. USD) übernehmen wird.

Cash-und-Stock-Deal mit solider Prämie

Doch bevor ich näher auf den Kurseinbruch eingehe, möchte ich Ihnen zunächst den Deal erläutern. Ritchie Bros bietet den IAA-Aktionären 10 USD in bar und 0,5804 Ritchie-Stammaktien für jede IAA-Aktie an. Umgerechnet summiert sich das Angebot auf etwa 46,88 USD pro IAA-Papier.

Diese Offerte beinhaltet einen Übernahme-Aufschlag von etwa 19% bezogen auf den Schlusskurs der IAA-Aktie vom 4. November, dem letzten Börsentag vor Bekanntgabe der Übernahmeabsichten. Bezogen auf den volumengewichteten 10-Tage-Durchschnittskurs der Ritchie Bros.-Aktie liegt die Übernahmeprämie sogar bei 23%.

Das Angebot entspricht dem 13,6-fachen des bereinigten Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), den IAA in den letzten 12 Monaten erzielt hat. Dies ist im Vergleich zu anderen Deals ein durchaus akzeptables Angebot.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzporträt

Das 1958 gegründete und im kanadischen Burnaby (Großraum Vancouver) beheimatete Auktionsunternehmen Ritchie Bros. verkauft Industrieausrüstungen (wie z.B. Erdbewegungsmaschinen, Sattelzugmaschinen und Anhänger) und andere langlebige Wirtschaftsgüter über Auktionen, Online-Marktplätze und private Maklerdienste.

Richie Bros. ist weltweit tätig und beschäftigt etwa 2.700 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2021 erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 1,4 Mrd. USD und einen operativen Gewinn (EBIT) von 242 Mio. USD.

Die in Westchester, Illinois (Großraum Chicago), ansässige IAA Inc. betreibt einen digitalen Marktplatz, auf dem Fahrzeuge aller Art angeboten und verkauft werden. Auch Totalschäden, beschädigte und geringwertigen Fahrzeuge sowie Ersatzteile werden dort gehandelt.

Zu den Kunden der IAA zählen Versicherungsgesellschaften, Händler, Flottenleasing- und Mietwagenunternehmen sowie gemeinnützige Organisationen. Das Unternehmen verfügt über rund 210 Niederlassungen in den Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien.

IAA, Inc. wurde 1982 gegründet. Das Unternehmen beschäftigt etwa 4.500 Angestellte, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 1,8 Mrd. USD und einen operativen Gewinn (EBIT) von 445,7 Mio. USD erwirtschafteten.

Die Gründe für den Kurseinbruch

Wie bereits erwähnt, ist die Ritchie Bros-Aktie am Tag der Bekanntgabe der Übernahme, dem 7. November 2022, um über 18% eingebrochen. Aber auch der Kurs der IAA-Papiere verlor an diesem Tag gut 2% an Boden und lag beim Erklingen der Schlussglocke bei nur 38,42 USD. Damit lag das der Aktienkurs sogar deutlich unter dem gebotenen Kaufpreis von 48,66 USD.

Offensichtlich sind die Anleger mit dem Deal unzufrieden. Ein Grund hierfür dürfte der hohe Kaufpreis von 7,3 Mrd. US-Dollar inklusive der zu übernehmenden Schuldenlast von 1 Mrd. USD sein. Schließlich hatte IAA am 04.11.2022 einen Börsenwert von nur 5,3 Mrd. USD.

Problematisch ist auch, dass Zusammenschlüsse in der Automobilindustrie in letzter Zeit von den US-Kartellbehörden verstärkt unter die Lupe genommen worden sind. Die Anleger zweifeln offensichtlich auch daran, dass der Mega-Deal überhaupt genehmigt werden wird.

So soll es weitergehen

Die bisherige Ritchie Bros. Chefin, Ann Fandozzi, wird auch als CEO des fusionierten Unternehmens fungieren. Ritchie Bros. wird weiterhin rechtlich in Kanada eingetragen sein und seine Büros und Mitarbeiter in Burnaby, British Columbia, beibehalten.

Die Büros von IAA in Chicago, Illinois, werden als offizieller Hauptsitz des fusionierten Unternehmens dienen. Nach dem Abschluss des Deals werden etwa zwei Drittel der Belegschaft in den Vereinigten Staaten beschäftigt sein.

Der Abschluss der Transaktion wird für die erste Hälfte des Jahres 2023 erwartet. Vorher müssen noch die Aktionäre von Ritchie Bros. der Ausgabe neuer Ritchie Bros.-Aktien in Verbindung mit der Transaktion zustimmen.

Darüber hinaus müssen auch genügend IAA-Aktionäre ihre Papiere andienen. Schließlich müssen auch die zuständigen Behörden den Deal genehmigen.