Boeing Aktie: 737 Max vor Comeback

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Die FAA hat schon zugestimmt, die EASA prüft noch – nur in Peking herrscht lautes Schweigen. Hängt das Schicksal von Boeing an der 737 Max? (Foto: Alhim / Shutterstock.com)

Für knallende Sektkorken ist es noch zu früh, aber ein zartes Fünkchen Hoffnung macht sich dieser Tage breit beim US-Flugzeugbauer Boeing: Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat die 737 Max wieder zum Flugbetrieb freigegeben, das europäische Pendant EASA führt derzeit eigene Sicherheitsprüfungen durch.

Erwartet wird, dass auch die europäischen Aufseher schon bald grünes Licht geben werden und bereits Anfang 2021 wieder erste Maschinen des Typs abheben können. Unter anderem der Billigflieger Ryanair hat die 737 Max in der Flotte.

Lautes Schweigen aus Peking

Doch eine Unbekannte bleibt: In Peking herrscht bislang lautes Schweigen beim Thema Wiederzulassung der erfolgreichsten Baureihe aus dem Hause Boeing. China ist gleich in doppelter Hinsicht wichtig für den US-Hersteller: Zum einen werden chinesische Airlines als Kunden bedient, zum anderen liegen im Reich der Mitte wichtige Zielflughäfen für den internationalen Passagier- und Frachtverkehr. Kurzum: Ein anhaltendes Flugverbot in China wäre für Boeing die nächste Katastrophe.

Los ging die Misere vor rund zwei Jahren. Innerhalb weniger Monate kam es zu zwei Abstürzen von 737 Max-Maschinen, mehr als 300 Menschen kamen dabei ums Leben. In der Folge wurde der jüngsten 737-Generation die Betriebserlaubnis entzogen. Weltweit mussten die Maschinen am Boden bleiben – ein finanzielles wie auch ein Image-Desaster für Boeing.

Corona zwingt Luftfahrt in die Knie

Ein Jahr später folgte dann der nächste Albtraum, diesmal für die gesamte Luftfahrtbranche. Mit der Corona-Pandemie blieben etwa 90 Prozent aller Verkehrsflugzeuge monatelang am Boden, Flugverbindungen wurden gestrichen, Lieferketten unterbrochen, Grenzen dichtgemacht, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Es hatte sich dank des Luftverkehrs rasend schnell rund um den Globus verbreitet.

Noch immer gelten Beschränkungen und Reisewarnungen, noch immer fühlen sich viele Menschen nicht wohl bei dem Gedanken, stundenlang mit Maske im Flieger zu sitzen, umgeben von fremden, potenziell infektiösen Personen, und so mancher Firmenchef weiß die Vorzüge von Videokonferenzen gegenüber Dienstreisen inzwischen auch zu schätzen.

Boeing Aktie: Schwer gezeichnet durch die Krise

Selbst wenn nun also demnächst Impfstoffe verfügbar sein sollten und eine allmähliche Normalisierung des Lebens einsetzt – ob die Flugbranche an ihre früheren Erfolge wird anknüpfen können, bleibt fraglich. Zumindest könnte es etwas länger dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht ist. Das betrifft Airlines genauso wie Flugzeugbauer, sie alle sind schwer getroffen durch die Rückschläge.

Deutlich erkennbar ist das auch an der Kursentwicklung der Boeing Aktie: Nach dem weltweiten Aktiencrash im März hat sich das Papier nur wenig erholt, monatelang gleicht der Chart einer Seitwärtsbewegung mit nur geringfügigen Ausschlägen nach oben oder unten. Erst im November setzte eine merkliche Erholung ein, gut 40 Prozent konnte die Boeing Aktie in den vergangenen vier Wochen gewinnen.

Risiken und Nebenwirkungen

Mit 210 Dollar oder 177 Euro notieren die Anteilsscheine jedoch nach wie vor rund 40 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr – und auch nach wie vor unterhalb der bisherigen Kursspitze seit Beginn der Pandemie: Anfang Juni war das Papier noch etwas stärker in die Höhe geschnellt, als während der Sommermonate in vielen Ländern die Beschränkungen gelockert und zumindest ein bisschen Tourismus ermöglicht wurde.

Dennoch sind die Risiken für Boeing weiterhin groß. Das Schicksal des Konzerns hängt unter anderem davon ab, wie gut und wie schnell sich die Luftfahrtbranche von Corona erholen wird, ob und wann China die 737 Max wieder zulässt – und dass mit der Baureihe ab jetzt nichts mehr schiefgeht.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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