Facebook vor Zerschlagung?

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US-Wettbewerbshüter verklagen Facebook und verlangen den Verkauf von WhatsApp und Instagram. Anleger nehmen‘s gelassen. (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Das sind ungewohnte neue Töne: Die US-Bundesregierung und 48 der 50 US-Bundesstaaten verklagen Facebook. Der Vorwurf: unfairer Wettbewerb. Besonderes Dorn im Auge: Instagram und WhatsApp, genauer gesagt deren Übernahmen durch Facebook vor 8 beziehungsweise 6 Jahren.

Durch die Einverleibung potenzieller Konkurrenten habe Facebook seine Marktmacht missbraucht und Wettbewerber schlicht geschluckt, statt sich dem Wettbewerb zu stellen. Nun fordern die US-Behörden als mögliche Lösung einen Verkauf von Teilen des Geschäfts, etwa durch eine Wieder-Herauslösung von Instagram oder WhatsApp.

Technisch eng verknüpft

Technisch dürfte das schwierig werden, denn obwohl es anfangs geheißen hatte, eine Verknüpfung der beiden Dienste mit den Daten des sozialen Netzwerks sei technisch nicht möglich, hat Facebook hierfür inzwischen doch Wege gefunden und die Plattformen untereinander stärker verzahnt.

Auch rechtlich ist das Vorhaben heikel: Immerhin hatten die US-Kartellbehörden den Übernahmen seinerzeit selbst zugestimmt, auch die europäischen Behörden hatten damals grünes Licht gegeben. In Europa allerdings sind die Vorbehalte gegen große US-Technologiekonzerne schon seit Längerem stärker ausgeprägt, es geht vor allem um Missbrauch von Marktmacht und Auseinandersetzungen rund um den Datenschutz.

Neue Skepsis der US-Behörden

In den USA hingegen gelten die Unternehmen aus dem Silicon Valley als Aushängeschilder, die Pioniergeist und Jungunternehmertum zu weltweitem Erfolg verhalfen und zu den bekanntesten und teuersten Marken der Welt zählen. Allein Facebook verwaltet Konten von weit mehr als zwei Milliarden Nutzern, Instagram und WhatsApp haben in den vergangenen Jahren ähnlich stark expandiert.

Die neue Skepsis der US-Behörden hatte zuvor bereits Google getroffen. Auch dem Suchmaschinenbetreiber, der inzwischen noch etliche andere Geschäftszweige zu seinem Portfolio zählt, wird unfairer Wettbewerb vorgeworfen. Der Konzern sichere seine Marktmacht mit illegalen Mitteln, heißt es.

Auch hier dürfte es schwierig werden, dies rechtlich belastbar nachzuweisen. Doch allein die neue Sensibilisierung der US-Behörden den eigenen Tech-Giganten gegenüber und das juristische Vorgehen deuten eine Zeitenwende an. Es könnte künftig stürmischer werden im Silicon Valley, wenn nicht nur aus Europa, sondern auch aus den USA selbst der Gegenwind spürbar zunimmt.

Facebook Aktie moderat im Minus: Anleger bleiben gelassen

Anleger reagierten nicht begeistert, aber auch nicht panisch. Die Facebook Aktie verzeichnete in Folge der Ankündigungen Verluste, aber keinen dramatischen Kurssturz. Kein Wunder, denn die Bilanz des Unternehmens stimmt: Allein im dritten Quartal verzeichnete Facebook einen Umsatz von mehr als 21 Milliarden Dollar, Haupttreiber sind weiterhin die Werbeanzeigen. Als Gewinn blieben unterm Strich gut 7,8 Milliarden Dollar stehen.

Mit 2,74 Milliarden Nutzern, die mindestens einmal monatlich aktiv sind, nutzt rein rechnerisch rund ein Drittel der Weltbevölkerung nun regelmäßig Dienste des sozialen Netzwerks. Nennenswerte Konkurrenz in vergleichbarer Größenordnung existiert praktisch nicht. Der Vorwurf der Monopolbildung liegt somit nahe. Ob er sich rechtlich so begründen lässt, dass am Ende eine Zerschlagung des Unternehmens steht, bleibt dennoch abzuwarten.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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