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Metaversum: Alles auf eine Karte

Inhaltsverzeichnis

Es läuft nicht rund im Metaversum. Zwar werden bei Facebook und Co. schon fleißig Anzeigen geschaltet, die die Vision einer neuen Ära des Internetzeitalters unter die Leute bringen sollen, doch so recht konkret fassbar ist es noch nicht, das „nächste große Ding“, das sich Facebook-Gründer und Meta-Chef Mark Zuckerberg da ausgedacht hat.

Umsatzrückgang und Gewinnhalbierung in Q3

Seit gut einem Jahr verfolgt sein Konzern die Entwicklung des Metaversums, einer Art virtuellen Parallelrealität. Doch ein Blick in die Bilanzen zeigt: Bisher verschlingt das Projekt vor allem Geld, viel Geld. Entsprechend ernüchternd fielen denn auch die jüngsten Zahlen für das Sommerquartal aus: Im Zeitraum von Juli bis Ende September hat Meta seinen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum halbiert, zuletzt konnte das Unternehmen nur noch 4,4 Milliarden Dollar Gewinn verbuchen. Der Umsatz ging parallel um 4 Prozent zurück auf knapp 28 Milliarden Dollar.

Allein das Projekt Metaversum verschlingt Milliardensummen und sorgt für herbe Verluste, im 3. Quartal türmten diese sich auf 3,7 Milliarden Dollar auf. Investoren sind darüber wenig begeistert. Die wenigsten sind so überzeugt von den Plänen wie Zuckerberg selbst, zum Teil wird bereits offen gefordert, die Ausgaben fürs Metaversum deutlich zurechtzustutzen.

Jobkahlschlag soll Kosten senken

Stattdessen setzt Zuckerberg den Rotstift an anderer Stelle an: Auf einen Schlag entließ das Unternehmen erst vor wenigen Tagen ganze 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Belegschaft schrumpft damit um etwa 13 Prozent. Das soll dabei helfen, die Kosten zu senken – denn auch der Facebook-Mutterkonzern steht unter Druck wegen der globalen wirtschaftlichen Entwicklungen.

Die Inflation macht den Werbekunden zu schaffen, hinzu kommt Apples verschärfte Datenschutzrichtlinie, die iPhone-Nutzern seit dem vergangenen Jahr die Möglichkeit einräumt, die digitale Verfolgung durch Meta-Dienste einzuschränken. Dadurch erhält Facebook weniger Informationen über seine Nutzer, Werbeanzeigen können weniger zielgenau an die Adressaten ausgespielt werden, damit verlieren sie an Wert und bringen weniger Einnahmen. Weil Meta aber seine Einnahmen fast ausschließlich durch Werbung generiert, wächst sich das zu einem echten Problem aus – parallel zu den knapper ausfallenden Marketingbudgets vieler Anzeigenkunden.

Meta rechnet mit weiteren Umsatzeinbußen

Während die Schockmeldung über einen Rückgang aktiver Nutzerkonten Ende vergangenen Jahres inzwischen überwunden werden konnte und über alle Dienste hinweg seit Jahresbeginn die Nutzerzahlen wieder leicht ansteigen, setzt sich mit dem Umsatzrückgang in Q3 die Tendenz fort, die sich bereits im vorangegangenen Vierteljahr abgezeichnet hatte: Im 2. Quartal hatte Meta erstmals in seiner Unternehmensgeschichte einen Umsatzrückgang vermelden müssen, seinerzeit gingen die Erlöse um 1 Prozent zurück.

Die 4 Prozent Umsatzrückgang begründen sich zwar zu einem nicht unerheblichen Teil durch den zuletzt starken US-Dollar, doch das ist nur ein kleines Trostpflaster angesichts des Ausblicks: Für das laufende Quartal rechnet das Unternehmen mit einer rückläufigen Entwicklung der Umsätze um bis zu 10 Prozent. Prognostiziert wird ein Umsatz zwischen 30 und 32,5 Milliarden Dollar nach 33,7 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.

Investition in die Zukunft – oder Verbrennen von Milliardensummen?

Für das kommende Jahr sieht es kaum besser aus. Bereits im vergangenen Quartal waren die Kosten um rund 20 Prozent gestiegen auf gut 22 Milliarden Dollar, seit Jahresbeginn liegt der operative Verlust bei mittlerweile mehr als 9 Milliarden Dollar. Dennoch plant Zuckerberg an seiner Strategie festzuhalten – und stimmt Anleger schon jetzt darauf ein, dass sich die Verluste der „Reality Labs“ 2023 noch ausweiten dürften. Unter anderem ist eine neue VR-Brille in Planung.

Zuckerberg selbst ist überzeugt vom Erfolg seines Projekts und bezeichnet die Ausgaben als wichtige Zukunftsinvestitionen. Ganz so deutlich sehen viele Investoren hingegen die Erfolgsperspektive des Metaversums (noch) nicht. Zuckerberg setzt hier offenkundig alles auf eine Karte: Geht sein Plan auf, dürften die Milliarden sprudeln – scheitert die Wette, sieht es düster aus.

Meta Aktie bricht um 20 Prozent ein

Anleger reagierten wenig erfreut auf die jüngste Bilanzentwicklung: Wie schon im Februar bei der Vorlage der Q4-Bilanz rauschte die Meta Aktie auch Ende Oktober wieder in den Keller und verbrannte binnen kürzester Zeit etwa ein Fünftel an Wert. Der umfassende Stellenabbau kam am Parkett zwar gut an, insgesamt aber ist der Kurs der Meta Aktie seit Beginn des Jahres um inzwischen mehr als 60 Prozent gefallen und kostete zuletzt nicht einmal mehr 115 Dollar.

Analysten sehen mit dem derzeitigen niedrigen Kursniveau die Probleme jedoch eingepreist und gehen mehrheitlich davon aus, dass die Talsohle allmählich durchschritten sein dürfte. Dementsprechend wurden rund um die Quartalspräsentation zwar die Kursziele zum Teil zurechtgestutzt, die Kaufempfehlungen aber weitgehend bekräftigt.

Analysten raten weiterhin zum Kauf

Positiv gestimmt wurden Analysten unter anderem von der Tatsache, dass die Kurzvideorubrik Reels bei Facebook inzwischen Gewinne abwirft. Der relativ neue Dienst ist eine direkte Reaktion des Unternehmens auf die starke Konkurrenz des chinesischen Anbieters TikTok, der Facebook und Co. nicht nur jüngere Nutzer, sondern auch lukrative Werbekunden streitig machen konnte.

Das Analysehaus Jefferies hat das Kursziel für die Meta Aktie von 225 auf 200 Dollar gesenkt, die Credit Suisse kürzte das Ziel von 174 auf 145 Dollar, die Deutsche Bank von 170 auf 125 Dollar. Alle genannten Studien behielten trotz geringerer Kursaussichten die Kaufempfehlung bei.

Die US-Großbank JP Morgan hingegen bekräftigte ihre neutrale Einstufung und reduzierte das Kursziel von 180 auf 115 Dollar. Erst in dieser Woche bestätigte die Schweizer UBS sowohl ihre Kaufempfehlung als auch das Kursziel, das weiterhin mit 124 Dollar ausgegeben wird.