FirstGroup verkauft US-Busgeschäft an schwedischen Investor EQT

FirstGroup verkauft US-Busgeschäft an schwedischen Investor EQT
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Der Deal, über den ich Ihnen heute berichten möchte, dreht sich um die klobigen gelben US-amerikanischen Schulbusse, die Ihnen aus zahlreichen US-Filmen bekannt sein werden. Doch jetzt wird es etwas kompliziert bzw. international:

Das im schottischen Aberdeen ansässige Transportunternehmen FirstGroup Plc (Plc steht für Public Limited Company und ist eine britische Form der Aktiengesellschaft) hat am Freitag bekannt gegeben, dass es zwei seiner US-amerikanischen Tochtergesellschaften an den schwedischen Investor EQT Partners AB (AB steht für Aktiebolag und ist eine schwedische Form der Aktiengesellschaft) verkauft hat.

Konkret geht es bei dem Deal um die beiden Transportgesellschaften First Student (das ist die Gesellschaft mit den gelben Schulbussen) und First Transit (ein Betreiber öffentlicher Busnetze in über 50 US-Städten, darunter Denver, Houston und Los Angeles). Beide Gesellschaften haben ihren Hauptsitz in Cincinnati, Ohio, und sind US-Marktführer in den Bereichen Schul- und Kommunaltransport.

Auch US-Fernbuslinie Greyhound steht zum Verkauf

Nicht verkauft wurde hingegen das US-amerikanische und kanadische Fernbusunternehmen Greyhound Lines, das sich ebenfalls im Besitz der britischen FirstGroup befindet. Aber auch von diesem Busunternehmen will sich FirstGroup trennen.

So kündeten die Schotten bereits im Mai 2019 an, dass die Linie mit dem Windhund (Greyhound) zum Verkauf stehe. Der Verkaufsprozess geriet aber aufgrund der Corona-Pandemie ins Stocken.

Schwedische EQT zahlt 4,6 Mrd. Dollar

Für die beiden US-Transportgesellschaften müssen die Schweden tief in die Tasche greifen. Einschließlich Schulden wird EQT stolze 4,6 Mrd. US-Dollar (USD) nach Schottland überweisen müssen.

Aber langfristig gesehen dürfte sich der Deal rechnen, denn die beiden US-Gesellschaften sind wirtschaftlich gut aufgestellt. So erzielten First Student und First Transit im letzten Geschäftsjahr zusammen einen Umsatz von 3,96 Mrd. USD (3,27 Mrd. Euro) und einen Erlös vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 576,2 Mio. USD (476,3 Mio. Euro).

Der bereinigte Betriebsgewinn lag in diesem Zeitraum bei 241,6 Mio. USD (199,7 Mio. Euro) und der Betriebsgewinn bei 92,7 Mio. USD (76,63 Mio. Euro). Der Wert der gesamten Vermögenswerte, die Gegenstand der Transaktion sind, betrug zum 30. September 2020 4,7 Mrd. USD (3,89 Mrd. Euro). Das entspricht in etwa dem Verkaufspreis, auf den sich FirstGroup und EQT jetzt geeinigt haben.

FirstGroup will Schulden abbauen

Die schottische FirstGroup hat einen Sack voll Schulden, die im Pandemie-Jahr 2020 sogar noch stark angestiegen sind. So beliefen sich die Verbindlichkeiten der Schotten im vergangenen Jahr auf etwa 7,2 Mrd. Britische Pfund (GBP – entspricht etwa 8,26 Mrd. Euro), was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von fast 62% entspricht.

Laut Nachrichtenagentur Reuters soll der Großaktionär der FirstGroup, die New Yorker Coast Capital Management, bereits vor einem Jahr Druck auf das Transportunternehmen ausgeübt haben, sich von seinen nordamerikanischen Tochtergesellschaften zu trennen und sich auf das britische Bus- und Zuggeschäft zu konzentrieren.

So teilte die FirstGroup auch in ihrer Pressemitteilung mit, dass sie die Erlöse aus dem Verkauf der US-amerikanischen Busunternehmen für die Schuldentilgung verwenden will. Darüber hinaus soll ein Teil der Corona-Beihilfen der britischen Regierung zurückgezahlt und ein anderer Teil in die britischen Pensionskassen fließen.

Zusätzlich will FirstGroup einen Teil der Verkaufserlöse an seine Aktionäre ausschütten.

So will das Unternehmen noch in diesem Jahr rund 365 Mio. GBP (418,6 Mio. Euro) oder 30 Pence pro Aktie an seine Aktionäre zurückzahlen.

FirstGroup-Aktie macht Freudensprung

Die Bekanntgabe des Verkaufs löste an der Londoner Börse einen Run auf die Aktien des schottischen Transport-Konzerns aus. Der Kurs stieg am vergangenen Freitag um stolze 4,47% auf 0,889 GBP.

Da dürfte auch die noch ausstehende Zustimmung der FirstGroup-Aktionäre zum Verkauf der nordamerikanischen Töchter wahrscheinlich kein Problem sein. Darüber hinaus unterliegt

die Transaktion noch den üblichen Bedingungen und Genehmigungen. Der Deal soll voraussichtlich im Sommer 2021 abgeschlossen werden.