Glücksspielbranche im Übernahmefieber

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Casino-Gigant MGM Resorts zieht sich von Entain-Übernahme zurück: Aktie gibt deutlich ab. Entain startet selbst Übernahmeversuch in Schweden. Online-Wetten sorgen für Wachstumsphantasie (Foto: NicoEINino / shutterstock.com)

Die Schlagzahl bei Fusionen und Übernahmen bleibt weiter hoch. Dies gilt auch für den Glücksspielsektor: Anfang Januar legte der US-Casinobetreiber MGM Resort eine Offerte für Entain auf den Tisch. Hintergrund des Deals war eine deutliche Ausweitung der Onlineaktivitäten. Auf besondere Gegenliebe stieß das 8 Milliarden Pfund schwere Übernahmeangebot bei der Firma mit Töchtern wie Bwin oder Ladbrokes aber nicht. Das Kaufangebot wurde als deutlich zu niedrig abgewiesen.

Casino-Gigant zieht sich zurück

Wer als Anleger allerdings auf eine Erhöhung des Angebots spekuliert hat, wurde nun bitter enttäuscht. Der deutlichen Absage des Entain-Managements folgte nämlich keine Nachbesserung, sondern ein geordneter Rückzug. Entsprechend schwach zeigte sich zuletzt der Entain-Aktienkurs, der seit dem Kurssprung im Rahmen der MGM-Offerte vor gut zwei Wochen um 13% abgebröckelt ist.

Entain plant im Gegenzug eigenen Zukauf

Damit aber nicht genug: Nach dem vereitelten Übernahmeversuch durch MGM wechselt Entain selbst auf die Käuferseite und streckt die Fühler ins Ausland aus. Der Spezialist für Onlinewetten versucht gerade, die Aktionäre der schwedischen Enlabs von ihrer Kaufofferte zu überzeugen. Entain bietet im Rahmen der Übernahme 277 Millionen Euro für Enlabs.

Mit dem Kauf will Entain seinen Einfluss auf dem baltischen Markt vergrößern. In Staaten wie Lettland, Estland und Litauen gehört Enlabs zu den führenden Vertretern im Glücksspielbereich.

Hedgefonds sorgt für Probleme

Doch ein Selbstläufer dürfte auch dieser Deal nicht werden. Während sich der Chairman Niklas Braathen für die Transaktion ausgesprochen hat, gibt es Gegenwind durch den texanischen Hedgefonds Alta Fox Capital Management, der 3,3 % an der Gesellschaft hält. Der Grund ist so einfach wie einleuchtend: Dem Großinvestor passt der Kaufpreis nicht, da er in seinen Augen nicht den fairen Wert der Firma widerspiegelt.

Bislang hat Entain offenbar die Unterstützung von mehr als 10 % der Stimmrechte. Damit ist das Unternehmen allerdings meilenweit von der 90%-Schwelle entfernt, die benötigt wird, um diese Übernahme in trockene Tücher zu bringen.

Entain setzt weiter auf die USA

Zudem will der Konzern auch weiter in den USA expandieren. Die Brisanz in der abgelehnten MGM-Offerte: Das Unternehmen betreibt ein US-Wett-Joint-Venture mit MGM, das zuletzt die Online-Einnahmen im Laufe des Jahres um 130% steigern konnte, da es in neue Bundesstaaten vordrang, in denen das Glücksspiel erst kürzlich legalisiert worden war. Das Unternehmen erhöhte seine Umsatzprognose für das Jahr 2020 auf eine Spanne von 175 bis 180 Millionen Dollar, von 150 bis 160 Millionen Dollar zuvor.

Trotz der Reibereien zwischen den Joint-Venture-Partnern über den Zusammenschluss sieht Entain die USA als die größte Geschäftschance und kündigt an, das Wachstum dort zu forcieren. Sowohl MGM als auch Entain seien in einer “guten Position … um weitere Mittel” in das Geschäft zu investieren, so Entain-Chef Shay Segev. Bislang hatten beide Unternehmen insgesamt 450 Millionen Dollar in das Unternehmen gesteckt.

Online hui – Einzelhandel pfui

Hinter der Konsolidierungswelle steckt der Trend zum Onlinegeschäft. Während sich die Einzelhandelsumsätze in der Pandemie schwach entwickelten, gingen die Online-Umsätze förmlich durch die Decke. So auch bei Entain: Während der Online-Umsatz im Jahr bis Ende Dezember zum Vorjahr um 27% nach oben kletterte, sackte der Einzelhandelsumsatz in Großbritannien und Europa um mehr als ein Drittel in den Keller.

Dass dieser Trend abflaut, ist eher unwahrscheinlich. Daher dürfte sich der Konsolidierungsdruck in der Glücksspielbranche eher intensivieren.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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