Goldman Sachs: Im Sumpf des Alu-Kartells

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Hat Goldman Sachs die Aluminiumpreise künstlich in die Höhe getrieben, um doppelt zu kassieren? Sollten sich die jüngsten Vorwürfe bewahrheiten, wäre das schon besonders dreist. (Foto: Roman Tiraposlky / shutterstock.com)

Es bahnt sich neuer Ärger an für Goldman Sachs. Gerade noch konnte die Investmentbank mit hervorragenden Quartalszahlen glänzen, doch nun dominieren schon wieder die Negativschlagzeilen.

Es geht um Rohstoffe, konkreter: um Aluminium.

Zusammen mit der britischen Metallbörse LME muss sich Goldman Sachs in den USA vor Gericht verantworten. Ihnen wird ein Aluminium-Kartell vorgeworfen: Sie hätten die Preise für den Rohstoff künstlich in die Höhe getrieben.

Eingereicht hat die Klage der Aluminiumverarbeiter Superior Extrusion. Die Beklagten weisen die Vorwürfe – wenig überraschend – entschieden zurück.

Und doch scheint zumindest der Verdacht nicht ganz unbegründet.

Goldman Sachs unterhält eigene Lagerhallen

Die Investmentbank handelt nämlich nicht nur mit dem Metall, sondern besitzt seit einiger Zeit auch eigene Lagerhallen, nachdem sie die Firma Metro International geschluckt hat.

Metro International wiederum liefert rund ein Viertel des Aluminiums für den amerikanischen Markt und hat dementsprechend hohen Einfluss.

Diesen Einfluss hat nun Goldman Sachs. Und er bezieht sich vor allem auf die Preise.

Die werden beispielsweise schon allein dadurch in die Höhe getrieben, dass man sich nun deutlich länger Zeit lässt, um Kunden mit Aluminium zu beliefern.

Längere Lagerfristen, künstliche Verknappung – steigende Preise

Medienberichten zufolge betrugen die Lieferzeiten bei Metro International einst rund sechs Wochen. Seit dem Einstieg von Goldman Sachs wartet man als Kunde schon mal ein Jahr – oder noch länger.

Dadurch fallen höhere Lagergebühren an, die Goldman einstreichen kann.

Doch die Bank profitiert noch auf andere Art und Weise: Sie handelt auch an der Börse mit Rohstoffen.

Durch die künstliche Verknappung steigen die Preise insgesamt. Auch hier kann Goldman die Tasche aufhalten.

Beliefert Goldman sich selbst?

Um solche Verzögerungstaktiken zu unterbinden, gilt in den USA eigentlich eine Vorschrift, wonach täglich 3.000 Tonnen ausgeliefert werden müssen.

Doch auch hier hat die Bank offenbar ein Schlupfloch gefunden: Sie beliefert sich selbst.

Es klingt schon bizarr, was die New York Times zu berichten weiß, aber offenbar unterhält man eine eigene Lkw-Flotte, um Aluminium zwischen den eigenen Lagerhallen hin und her zu transportieren.

Damit gilt das Aluminium als ausgeliefert, die Richtlinie als erfüllt – doch die Kunden warten und die Preise steigen.

Sollte sich diese Praxis als wahr herausstellen, wäre das schon eine ziemlich dreiste Art der künstlichen Preistreiberei.

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis hier mal jemand von Käuferseite Sturm läuft. Nun also ist es soweit – richtig so.

Rohstoffgeschäfte der Großbanken im Fokus

Generell stehen die Rohstoffgeschäfte der Großbanken derzeit unter besonderer Beobachtung.

Plötzlich ist offenbar einigen Verantwortlichen aufgefallen, dass es zu Interessenkonflikten kommen könnte, wenn ein Akteur die Preise eines Rohstoffs mitbeeinflussen kann, mit dem er selbst an der Börse handelt.

Diese Erkenntnis kommt recht spät, aber immerhin kommt sie überhaupt.

Goldman-Konkurrent JP Morgan hat inzwischen die Reißleine gezogen. Aufgrund weiterer Regulierungen, die in Zukunft wohl unvermeidbar sind, hat die Bank kürzlich angekündigt, sich aus dem physischen Rohstoffmarkt zurückzuziehen.

Das ist wohl auch besser so – Schuster, bleib bei deinen Leisten!

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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