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Investmentgesellschaft JIP will Toshiba übernehmen

Investmentgesellschaft JIP will Toshiba übernehmen
NicoEINino / shutterstock.com
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Bereits seit einigen Monaten gibt es Spekulationen darüber, dass der angeschlagene japanische Technologiekonzern Toshiba übernommen werden soll. Gestern Abend berichtete die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei, dass ein Konsortium um den Investmentfonds Japan Industrial Partners (JIP) ein formelles Angebot zur Übernahme von Toshiba abgegeben hat.

JIP war bereits im Oktober 2022 durch Toshiba als bevorzugter Bieter ausgewählt worden. Die gestrige Abgabe des offiziellen Übernahmeangebotes erfolgte gerade noch rechtzeitig, denn am Montagabend lief die Abgabefrist aus.

JIP und Partner bieten 15 Mrd. Dollar

JIP und seine Partner bieten laut Nikkei rund 2,2 Bio. japanischen Yen (das entspricht etwa 15 Mrd. US-Dollar bzw. 15 Mrd. Euro) für die Übernahme des ehemals führenden japanischen Technologiekonzerns.

Laut Nikkei bietet JIP den aktuellen Börsenwert, der bei etwa 2,2 Bio. Yen liegt. Umgerechnet bietet JIP etwa 5118 Yen pro Aktie, was dem gestrigen Schlusskurs der Toshiba-Papiere entspricht.

JIP führt ein Konsortium von Käufern an und wird laut Nikkei 100 Mrd. Yen des Kaufpreises aus eigenen Mitteln finanzieren. Weitere 1 Bio. Yen werden von einer Gruppe japanischer Unternehmen, darunter der Energieversorger Chubu Electric Power und das Leasingunternehmen Orix, getragen.

Mehr als weitere 10 Unternehmen haben ihr Interesse an einer Kapitalbeteiligung bekundet. Der restliche Kaufpreis soll von Finanzinstituten in Form von Darlehen und Kapitalbeteiligungen finanziert werden.

Nikkei berichtete aber auch, dass JIP bis Montag noch keine endgültige Verpflichtungserklärung von den Finanzinstituten erhalten habe. JIP will den Finanzierungsprozess jedoch bis Ende November abschließen, vorausgesetzt Toshiba akzeptiert das Angebot.

Gerüchteküche brodelt schon länger

Schon seit dem letzten Jahr gibt es Gerüchte über eine mögliche Übernahme von Toshiba. So sollen diverse Unternehmen Interesse an einem Kauf des angeschlagenen Technologieriesen gezeigt haben.

Laut Medienagentur Reuters hat Toshiba im April 2022 eine Übernahmeofferte der luxemburgischen Investmentgesellschaft CVC Capital Partners in Höhe von 20 Mrd. USD als unzureichend zurückgewiesen.

Im Juli hatte Toshiba im Rahmen einer Bieterrunde 4 potenzielle Bieter ausgewählt, darunter die Private-Equity-Firmen Bain Capital (USA), CVC Capital Partners (Luxemburg), Brookfield Asset Management (Kanada).

Aber auch ein japanisches Bieterkonsortium, an dem auch JIP beteiligt ist, wurde zur Abgabe eines Übernahmeangebots aufgefordert. Schließlich entschied sich Toshiba für das japanische Konsortium rund um JIP als favorisierten Bieter.

So reagiert die Tokioter Börse

Der Kurs der Toshiba-Aktie verlor heute, dem ersten Börsentag nach Bekanntwerden der JIP-Offerte an der Tokioter Börse deutlich an Boden. Er fiel um gut 1,8% auf 5.025 Yen. Das ist ein deutlicher Verlust, insbesondere wenn man bedenkt, dass der Nikkei-Index heut um 1,25% zulegen konnte.

Die Anlieger sind offensichtlich enttäuscht über die Höhe des JIP-Angebots. Auch wenn das genaue Gebot pro Aktie nicht bekannt ist, dürfte es in etwa nur auf Höhe des Aktienkurses von gestern liegen. Und der lag bei 5.118 Yen.

Wie es weitergehen kann

Ein von Toshiba eingesetzter Sonderausschuss wird das JIP-Angebot jetzt prüfen. Diesem Ausschuss gehören 7 externe Direktoren an; darunter befinden sich auch 2 Direktoren, die von besonders kritischen aktivistischen Großaktionären gestellt wurden.

Hauptproblem bei der Prüfung des Angebots ist die Finanzierung. Offensichtlich ist ein Großteil der jetzt durch das JIP-Konsortium gebotenen 2,2 Bio. Yen noch nicht durch Finanzinstitute abgesichert. Ob es JIP bzw. dem Konsortium gelingen wird, die entsprechenden schriftlichen Zusagen bis Ende des Monats einzuholen, bleibt abzuwarten.

Allerdings sind auch die gebotenen 2,2 Bio. Yen ein möglicher Grund für ein Scheitern des Angebots. Schließlich hatte CVC bereits vor einem halben Jahr wesentlich mehr für die Übernahme von Toshiba geboten.

Für das japanische Bieterkonsortium spricht, dass Toshiba auch in den strategischen Sektoren Nuklear- und Rüstungstechnik tätig ist. Der Verkauf von Toshiba an ein ausländisches Unternehmen würde daher von den japanischen Genehmigungsbehörden sehr genau unter die Lupe genommen und womöglich abgelehnt werden.

Votiert der Sonderausschuss für das von JIP eingereichte Übernahmeangebot, müssen auch noch die Toshiba-Aktionäre dem Angebot zustimmen. Auch hier habe ich gewisse Zweifel, denn das Angebot ist mit keiner bzw. einer nur sehr geringen Übernahmeprämie versehen.

Die Offerte dürfte dabei insbesondere bei den aktivistischen Großaktionären, die in Summe etwa 30% der Toshiba-Anteile halten, auf Widerstand stoßen. Es bleibt also spannend. Ich werde Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.