Middleby wechselt mit Großübernahme auf die Überholspur

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Middleby schlägt wieder zu: Spezialist für Großküchengeräte will Rivale Welbilt für 4,3 Milliarden Dollar schlucken. (Foto: Jinning Li)

Die nächste Milliardenübernahme bahnt sich an: Der Großküchenspezialist Middleby will den Rivalen Welbilt für 4,3 Milliarden Dollar schlucken. Damit setzt Middleby seine Einkaufstour ungebremst fort und schafft mit dem Zusammenschluss einen der weltweit führenden Lebensmittelausrüster.

Die Aktionäre beider Gesellschaften reagierten erfreut. Während die Welbilt-Aktien direkt nach der Meldung mit einem Plus von 44% aus dem Handel gingen, legten die Papiere von Middleby ebenfalls um 9% deutlich zu.

Middleby – der unbekannte Marktführer….

Middleby produziert über seine verschiedenen Tochterunternehmen eine Vielzahl von hochspezialisierten Geräten (u.a. Öfen, Grillstationen und Kaffeemaschinen) vor allem für Großküchen. Dabei hilft Middleby den Kunden, ihre Prozesse innerhalb der Großküche zu automatisieren und letzten Endes über die Einsparung von Strom und Ressourcen ihre Margen zu steigern. Zu den Kunden des Unternehmens zählen die Fast-Food-Ketten McDonald´s, Burger King und Pizza Hut sowie die Café-Kette Starbucks.

Dabei gilt Middleby als hochinnovativ. Lassen Sie mich Ihnen nur zwei Beispiele nennen: Middleby hat Dampfkocher im Sortiment, die ohne Wasser auskommen. Das Unternehmen vertreibt auch automatisierte „Kompostierungsanlagen“ für Großküchen, durch die Speisereste entsorgt und in Energie umgewandelt werden können.

…..mit beeindruckendem Wachstum

In den letzten Jahren verzeichnete Middleby ein beeindruckendes Wachstum, das auch durch Zukäufe beflügelt wurde. Von 2006 bis 2019 kletterten die Umsätze von 403 Millionen Dollar auf 2,95 Milliarden Dollar. Gleichzeitig erhöhte sich der Gewinn von 42 auf 352 Millionen Dollar.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr bekam der Konzern allerdings die vorübergehend massiv gedrosselten Ausgaben der Kunden im Gastronomiebereich zu spüren. Die Umsätze schrumpften um 14,8% auf 2,51 Milliarden Dollar. Beim Gewinn musste Middleby sogar einen Rückgang um 41% auf 207 Millionen Dollar verkraften. Mit einer Nettomarge von 8,25% war der Konzern allerdings weiter hochprofitabel.

Weltbilt-Deal soll Wachstums kräftig ankurbeln

Middleby hat eine lange Erfolgsbilanz bei der Integration von Unternehmen, da es seit 2018 mehr als 20 Akquisitionen abgeschlossen hat und in der Vergangenheit Effizienzsteigerungen in übernommenen Unternehmen erzielt hat. Jetzt schlägt der Konzern wieder zu und will für 4,3 Milliarden Dollar den Rivalen Welbilt übernehmen. Die Aktionäre von Welbilt sollen ein festes Umtauschverhältnis von 0,1240 Middleby-Stammaktien für jede Welbilt-Stammaktie erhalten. Das Angebot ist ein reines Aktienangebot.

Prämie von 28%

Das kombinierte Unternehmen wird im Jahr 2020 einen kombinierten Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar haben, wovon 73% auf das Segment Commercial Foodservice entfallen werden. Der Angebotspreis entspricht einem Aufschlag von 28% auf den volumengewichteten 30-Tage-Durchschnittskurs von Welbilt. Die Vorstände beider Unternehmen haben der Transaktion einstimmig zugestimmt. Außerdem hat Carl C. Icahn, Welbilts größter Aktionär mit einem Anteil von 8,4 %, eine Unterstützungsvereinbarung zugunsten der Transaktion getroffen. Der Abschluss der Transaktion wird für Ende 2021 erwartet.

Traditionsunternehmen mit langer Historie

Mit Welbilt setzt Middleby auf ein Traditionsunternehmen mit über 90-jähriger Firmengeschichte. Der Konzern ist einer der größten Hersteller für professionelle Gastrotechnik. Ob gewerbliche Kühl- und Gefrierschränke, Frittiersysteme, Dampfgeräte oder Getränkespender – Welbilt hat nahezu alles im Angebot. Insgesamt beschäftigt der Konzern mit 19 globalen Fertigungsstätten rund 4.400 Mitarbeiter und erwirtschaftet zuletzt einen Jahresumsatz von 1,2 Milliarden Dollar.

Hohe Synergien erwartet

Für 2022 erwartet das kombinierte Unternehmen bei einem Jahresumsatz von 4,7 Milliarden Dollar ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 1 Milliarde Dollar. Innerhalb von drei Jahren nach dem Zusammenschluss sollen zudem Kostensynergien von rund 100 Millionen Dollar pro Jahr realisiert werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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