Penny-Stocks: Bei „Billig-Aktien“ ist Vorsicht geboten

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Sogenannte Penny-Stocks sind optisch günstige Aktien, die sich jedoch in vielen Fällen als teure Fehlinvestition entpuppen. (Foto: Taiga / shutterstock.com)

Gestern habe ich Ihnen über die Adler Modemärkte AG berichtet und darüber, dass die Aktionäre hier mit größter Wahrscheinlichkeit leer ausgehen werden. Daran anschließend möchte ich Ihnen heute ein paar allgemeine Dinge zu sogenannten „Penny-Stocks“ (das war die Adler-Aktie in diesem Jahr die meiste Zeit und ist es auch aktuell wieder) schreiben. Falls Ihnen der Begriff Penny-Stocks nicht geläufig ist, hier zunächst einmal eine kurze Erklärung:

Unter Penny-Stocks werden Aktien verstanden, die Kurse im Centbereich aufweisen. Das heißt, dass die entsprechenden Aktien an der Börse weniger als beispielsweise 1 Euro kosten. Man könnte meinen, dass in den USA analog Aktien als Penny-Stocks gelten, die unter 1 US-Dollar kosten. Dem ist jedoch nicht so. In den USA gelten oft schon Aktien als Penny-Stocks, die unter 5 US-Dollar kosten.

Weitere Merkmale der „heißen“ Penny-Stocks: Oft rote Zahlen im operativen Geschäft und eine schwache Bilanz.

Niedrige Kurse bedeuten nicht, dass Aktien günstig bewertet sind

Die optisch niedrigen Kurse der Penny-Stocks suggerieren Anlegern leider vielfach, dass die Aktien besonders billig sind und auch höheres Kurssteigerungspotenzial bieten als Aktien, die an der Börse zum Beispiel 100 Euro oder 100 US-Dollar kosten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie von 10 Cent auf 1 Euro steigt, erscheint deutlich größer als die Wahrscheinlichkeit, dass eine Aktie von 100 auf 1.000 Euro steigt, obwohl die prozentuale Steigerung in beiden Fällen identisch wäre.

Es handelt sich dabei um eine fatale Fehleinschätzung, die schon viele Anleger eine Menge Geld gekostet hat, weil sich Betrüger diesen psychologischen Irrtum zunutze machen. Einen realen Fall möchte ich Ihnen jetzt als abschreckendes Beispiel kurz vorstellen.

Spektakulärer Betrugsfall mit der US-Aktie Cynk

An der New Yorker Wall Street sorgte vor einigen Jahren ein spektakulärer Kursverlauf für Aufsehen. Die Aktie der Firma Cynk legte einen kometenhaften Kursanstieg hin und stieg innerhalb kürzester Zeit von 6 US-Cent auf 21,95 US-Dollar. Das entspricht einer Kurssteigerung von sagenhaften 36.483%.

Der Börsenwert des vormaligen Penny-Stocks war dadurch innerhalb weniger Wochen auf 6 Mrd. US-Dollar gestiegen. Doch dann setzte die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) dem Treiben ein Ende.

Die SEC stoppte den Handel mit der Cynk-Aktie wegen des Verdachts manipulativer Transaktionen. Mit anderen Worten: Die SEC ging davon aus, dass Betrüger am Werk waren. Nachdem der Handel mit der Cynk-Aktie wieder aufgenommen wurde, brach der Aktienkurs schließlich in sich zusammen.

Meine Empfehlung an Sie: Meiden Sie Penny-Stocks

Abschließend möchte ich Ihnen raten, Penny-Stocks zu meiden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie damit Geld verlieren, ist viel höher als die, dass Sie damit Geld gewinnen. Auch Totalverluste – wie es voraussichtlich bei Adler Modemärkte der Fall sein wird – sollten hier stets mit einkalkuliert werden.

Wenn Sie dennoch Penny-Stocks erwerben, sollten Sie sich dessen bewusst sein, dass es sich dabei um reine Zockerei handelt. Zudem sollten Sie diese Zockerei nur mit Geld betreiben, auf das Sie nicht angewiesen sind.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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