Robinhood will an die Börse

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Ist der Aktiendiscounter bald selbst am Parkett zu haben? Robinhood bereitet offenbar seinen Börsengang vor. (Foto: MaximP / shutterstock.com)

Er bestiehlt die Reichen, um das Erbeutete den Armen zu geben – das ist, stark verkürzt, die Geschichte von Robin Hood.

Seinen Namen hat sich ein US-Unternehmen zu eigen gemacht, dessen Geschäftsmodell darin besteht, unerfahrenen oder mit wenig Kapital ausgestatteten Anlegern einen einfachen Weg an die Börse zu ebnen. Gebührenfrei und per App erinnert der Wertpapierhandel eher an ein Spiel – ein riskantes Glücksspiel, das nicht wenigen Nutzern bereits drastische Verluste eingebracht hat.

Riskanter Schritt an die Börse

Finanziert wird die Plattform durch Gebühren, die nicht etwa die Nutzer zahlen, sondern die großen Wall Street Konzerne: Sie entrichten eine Art Provision an die Betreiber von Robinhood für die erfolgreiche Vermittlung von Transaktionen mit ihren Wertpapieren. Bei vielen etablierten Börsen- und Finanzprofis hat die App daher nicht den besten Ruf. Mitstreiter von Robinhood hingegen halten die Abwehr für elitär und monieren, die angestammten Börsianer wollten unter sich bleiben und weniger begüterte Neulinge ausschließen.

Kurzum: Das Geschäftsmodell ist umstritten. Dementsprechend risikoreich ist auch der Schritt, den Robinhood offenbar als nächstes plant. Eigenen Angaben zufolge will das Unternehmen selbst an der Börse gelistet werden und hat hierfür einen Antrag auf Erstnotiz bei der US-Börsenaufsicht SEC gestellt, wie in dieser Woche bekannt wurde.

Details wie etwa Ausgabepreis, Gesamtvolumen oder auch ein Zeitplan sind noch unklar, und auch, inwieweit Robinhood Aktien auf das Interesse von Anlegern stoßen, ist ungewiss. Immerhin ist das Unternehmen in diverse Rechtsstreitigkeiten verwickelt. Dabei geht es unter anderem um Sammelklagen von Nutzern, die sich auf Hackerangriffe oder technische Pannen beziehen, aber auch um Auseinandersetzungen mit Aufsichtsbehörden wegen früherer Regelverstöße von Robinhood.

Schlagzeilen rund um GameStop Aktie

In die Schlagzeilen geraten war Robinhood zuletzt durch die Schlacht um die Aktie der Videospiel-Einzelhandelskette GameStop. Hedgefonds hatten auf fallende Kurse gesetzt, woraufhin sich zahlreiche Kleinanleger im Internet zu einer konzertierten Kaufaktion verabredeten und den Kurs in die Höhe trieben.

Hedgefonds wurden dabei auf dem falschen Fuß erwischt und mussten sich kurzfristig mit Papieren eindecken, um die eigenen Wetten einzufangen, was zu weiteren Kapriolen des Kurses der GameStop Aktie führte. Robinhood war als Handelsplattform vieler Kleinanleger involviert und setzte den Handel mit der heiß gelaufenen Aktie zeitweise aus. Ein Schritt, der wiederum den Unmut zahlreicher Nutzer auf sich zog.

In Sachen GameStop waren die Einschätzungen der Hedgefonds unterdessen nicht unbegründet, wie die aktuelle Bilanz offenbart. Zum neunten Mal in Folge verzeichnet das Unternehmen einen Umsatzrückgang. Der Gewinn immerhin konnte dank Kosteneinsparungen gesteigert werden. Im Geschäftsjahr 2020 brachen die Erlöse insgesamt um gut ein Fünftel ein auf 5,1 Milliarden Dollar. Unterm Strich verzeichnete GameStop einen Verlust von gut 215 Millionen Dollar.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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