Salesforce mit größter Übernahme der Firmengeschichte: Cloud-Gigant schluckt Slack für 27,7 Milliarden Dollar

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Der CRM-Gigant Salesforce will Groupware-Spezialisten Slack für 27,7 Milliarden Dollar schlucken und bläst zum Angriff gegen Microsoft. (Foto: Bjorn Bakstad / shutterstock.com)

Schon seit über einer Woche brodelte die Gerüchteküche, doch jetzt ist es offiziell: Der Softwarekonzern Salesforce will für beinahe 28 Milliarden Dollar den Groupware-Spezialisten Slack schlucken. Gelingt der Deal, dann wäre es der größte Zukauf in der Firmengeschichte des SAP-Rivalen. Zudem würde der US-Konzern eine Lücke im Produktportfolio schließen und damit zur Aufholjagd gegen den Technologie-Riesen Microsoft blasen.

Slack – der innovative Messaging-Dienst

Slack ging genau vor zehn Jahren als Instant-Messaging-Dienst an den Start. Slack funktioniert so ähnlich wie WhatsApp – wird allerdings vor allem geschäftlich genutzt: Mitarbeiter können in offenen und geschlossenen Kanälen miteinander kommunizieren und das komplette Archiv aus Nachrichten und Dateien durchsuchen. Das Programm verspricht die Kommunikation im Unternehmen zu entschlacken und die Belegschaft in Projektarbeiten besser einzubinden.

Die Team-Kommunikation findet über Slack statt, so dass alle Details einer Kommunikation (Dokumente, Bilder, Videos) bezüglich eines Projekts an einem Ort abgelegt werden. Dies hat den Vorteil, dass alle Informationen bezüglich des Arbeitsprojekts für alle Team-Mitglieder schnell und einfach zugänglich sind. Dies soll Mitarbeiter produktiver machen, da der Kommunikationsaustausch beschleunigt wird. Die Slack Plattform ist über jedes Gerät erreichbar. Dies bedeutet, dass Team-Mitglieder auch von unterwegs aus an Projekten gemeinsam arbeiten können.

Übernahme schließt Produktlücke

Während sich bei Slack alles um die interne Kommunikation dreht, ist Salesforce eher für seine Dienste der Kundenpflege (CRM) bekannt. Dabei könnte gerade die Kombination von beiden Produkten für schlagkräftigen Erfolg sorgen. Dafür müssten die Slack-Produkte tiefer in die Salesforce-Plattform integriert werden.

Größter Deal der Firmengeschichte

Für Salesforce wäre die Übernahme nach dem Zukauf von Tableau Software im vergangenen Jahr für 15,3 Milliarden Dollar der größte Deal der kompletten Firmengeschichte. Insgesamt will der Konzern für Slack 27,7 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Die Hälfte des Kaufpreises soll dabei in bar über den Tresen gehen.

Slack-Anleger sollen demnach 26,79 Dollar in bar sowie 0,0776 Salesforce-Aktien für jeden ihrer Anteilscheine erhalten. Zum Kurs vom Dienstagabend entsprach der Aktienanteil je 18,73 Dollar, so dass sich die Offerte rechnerisch auf 45,52 Dollar belief. Den Baranteil will Salesforce zum Teil über die Aufnahme neuer Schulden und zum Teil über Barreserven in der Bilanz finanzieren.

Neben liquiden Mitteln von rund 9,5 Milliarden Dollar verfügt Salesforce über einen unbesicherten Brückenkredit in Höhe von 10 Milliarden Dollar von der Citigroup, Bank of America und J.P. Morgan.

Slack noch in der Verlustzone

Mit Abschluss der Übernahme rechnet der CRM-Spezialist im zweiten Quartal des kommenden Jahres. Unterdessen zeigt das Objekt der Begierde auch weiterhin eine hohe Wachstumsdynamik. Im dritten Quartal, das Ende Oktober zu Ende gegangen ist, kletterten die Umsätze um 39% auf 234 Millionen Dollar. Dabei operiert der Groupware-Spezialist noch in den roten Zahlen. Am Ende stand ein Verlust von 64,8 Millionen Dollar in den Büchern.

Anleger reagieren zunächst verhalten

Auch bei Salesforce lief es in der Corona-Pandemie ausgesprochen rund. Nach neun Monaten kann der Konzern ein Umsatzplus von 26% auf 15,4 Milliarden Dollar vorweisen. Zudem wurde der Jahresausblick angehoben. Beim Umsatz wurde die Planung auf 21,1 bis 21,11 Milliarden Dollar nach oben geschraubt (+300 Millionen Dollar). Beim Ergebnis geht Firmenboss Marc Benioff jetzt von 4,62 bis 4,63 Dollar je Aktie aus – rund 90 Cent mehr als bislang erwartet. Die Anleger reagierten dennoch zurückhaltend auf die angekündigte Großübernahme. In einer ersten Reaktion rauschten die Salesforce-Papiere um 8,5% in den Keller.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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