Brandenburg prüft Tesla-Gelände

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Nach dem Bau nicht genehmigter Tanks nehmen die Behörden die Tesla-Baustelle nun genauer unter die Lupe. Es drohen weitere Verzögerungen. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Wer deutsche Behörden einmal am Hals hat, wird sie so schnell nicht wieder los. Davon können die meisten ein Lied singen, die schon einmal versucht haben, eine Baugenehmigung für ihre nachträglich hinzuzufügende Garage zu bekommen.

Wo einmal ein womöglich minimal fehlerhafter Antrag eingegangen ist, da wird der gewissenhafte Sachbearbeiter nach weiteren Verstößen suchen – irgendetwas findet sich ja meistens. Diese Erfahrung könnten deutsche Eigenheimbesitzer, Kleinunternehmer und Mittelständler schon bald mit einem ganz großen Namen teilen: Elon Musk.

6 Monate Verzögerung sind in Deutschland gar nichts

Schon jetzt rümpft der Tesla-Chef öffentlich die Nase über die deutsche Bürokratie, den Vorschriftendschungel, die mannigfaltigen Regulierungen und damit verbundenen Verzögerungen. Dabei geht es bisher um gerade einmal wenige Monate Verzögerung – der deutsche Bürokrat kann da nur müde lächeln.

Anstelle von Juli 2021 – also jetzt – musste der Produktionsstart im neuen Werk im brandenburgischen Grünheide verschoben werden, vorläufig auf Ende des Jahres. Dann sollen aber wirklich die ersten Fahrzeuge des Tesla Typs Model Y in Brandenburg vom Band laufen – immerhin sollen von diesem ersten europäischen Standort aus die Kunden auf dem ganzen Kontinent beliefert werden. Weil es in Grünheide nun aber noch dauert, bekommen die europäischen Käufer ihre Fahrzeuge nun vorerst aus Shanghai geliefert.

Sonderprüfung nach nicht genehmigten Tankbauten

Wer deutsche Behörden kennt, der ahnt, dass eine Verzögerung bis Ende des Jahres ziemlich optimistisch kalkuliert ist. Das Werk ist schon halb hochgezogen, doch die finale Baugenehmigung liegt noch gar nicht vor. Bisher wird auf Basis von vorläufigen Teilgenehmigungen operiert – und zum Teil auch daran vorbei.

So wurde vor einigen Tagen bekannt, dass auf dem Gelände offenbar drei Tanks errichtet wurden, die bis dato eben noch von keiner Genehmigung abgedeckt waren – ein Missverständnis, wie Tesla betont. Ein Bußgeld wird wohl trotzdem fällig – und eine genauere Überprüfung. Die brandenburgischen Behörden haben jedenfalls Prüfer entsandt, um den Baufortschritt auf dem Gelände noch einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, ob womöglich weitere Anlagen ohne notwendige Erlaubnis bereits gebaut wurden.

Produktionsstart zum Jahresende – eine optimistische Schätzung

In dem Fall könnten auf Tesla noch saftigere Strafzahlungen zukommen, von den weiteren zeitlichen Verzögerungen ganz zu schweigen. Der Super-GAU wird zwar aller Voraussicht nach nicht eintreten – es wird damit gerechnet, dass die Genehmigung letztendlich erteilt wird und Tesla sein fast fertiges Werk nicht komplett wird zurückbauen müssen, weil sich eine brandenburgische Behörde querstellt.

Ob aber tatsächlich zum Jahreswechsel bereits erste Tesla-Fahrzeuge Made in Germany vom Band rollen, scheint vor diesem Hintergrund zumindest fraglich. Tatsächlich geht es im Falle von Tesla für deutsche Verhältnisse aber noch ziemlich schnell voran, wie der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung noch vor wenigen Wochen hervorhob. Etliche andere Unternehmer, die nicht mit Weltstars wie Musk oder einer berühmten Marke wie Tesla aufwarten können, quälen sich nicht selten bis zu 5 Jahre durch entsprechende Genehmigungsverfahren, vereinzelt auch noch länger.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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