Tesla erfüllt die Erwartungen der Analysten, dennoch fällt die Aktie

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Die Aktie von Tesla fällt, obwohl die Erwartungen der Analysten getroffen wurden. Tesla-Anleger müssen sich wohl an wachsende Konkurrenz gewöhnen. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Haben Sie sich schon einmal gewundert, warum eine Aktie nach guten Quartalszahlen unter Druck geraten war? Ein perfektes Beispiel für diese vermeintliche Anomalität war der der kalifornische Elektroautohersteller Tesla, der gestern seine Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt hat.

Das achte Quartal in Folge ein positives Ergebnis

Getrieben von deutlich höheren Absatzzahlen konnte Tesla im zweiten Quartal erstmals einen Nettogewinn von mehr als 1 Milliarde Dollar ausweisen und den Vorjahreswert mehr als verzehnfachen. Je Aktie belief sich der Quartalsgewinn auf 1,45 Dollar. Auch die Analystenprognosen, die im Durchschnitt mit einem Gewinn von 0,98 Dollar je Aktie gerechnet hatten, konnten damit gleichsam pulverisiert werden. Der Umsatz wurde mit einem Zuwachs von 98 Prozent auf insgesamt 12 Milliarden Dollar im Jahresvergleich fast verdoppelt. Derartige Zahlen sind Anleger von einem Autobauer nicht gewohnt.

Diesmal hat Elon Musk nicht getrickst

Dabei war das nicht das Einzige, was die Zahlen bemerkenswert machte. Auffällig war überdies, dass keine Bitcoin-Verkäufe den Gewinn in die Höhe trieben, dass die Einnahmen aus den Emissionszertifikaten sowohl im Jahres- als auch im Quartalsvergleich zurückgingen, und dass Tesla obendrein seine Rohertragsmargen signifikant steigern konnte – und das in einer Zeit steigender Rohstoffkosten und weit verbreiteter Störungen der Lieferkette.

Sie stimmen mir sicher zu, dass man angesichts dieser Zahlen annehmen sollte, dass die Investoren begeistert reagieren würden. Vorbörslich taten sie das auch. Da sind die Aktien von Tesla tatsächlich gestiegen – doch gerade einmal 0,9 Prozent, was für das Unternehmen, das für seine hohe Volatilität bekannt ist, kaum einer Erwähnung wert ist. Während des Handels ging es jedoch bergab und aktuell liegt der Aktienkurs mit 645 Dollar deutlich unter seinem Zwölfmonatshöchstwert von 880 Dollar.

Hochgesteckte Erwartungen

Handelt es sich also um eine Anomalie, bei der ein Anleger zugreifen sollte? Die Antwort lautet nein, denn die Aktie leidet an den hochgesteckten Erwartungen. Nicht in Bezug auf die Finanzzahlen, sondern in Bezug auf die sonstigen Ankündigungen des Vorstandsvorsitzenden Elon Musk. Was hat er nicht alles versprochen? Im Jahr 2016 die autonome Selbstfahrsoftware Full Self Driving, im Jahr 2017 den Semi-Truck und den Roadster 2, und im Jahr 2019 den Cybertruck. Und was wurde seither umgesetzt? Genau: Nichts.

Besser gesagt wenig, denn seit wenigen Wochen können Tesla-Besitzer in den USA eine Beta-Version der autonomen Selbstfahrsoftware erwerben. Doch müssen diese schon lupenreine Tesla-Aficionados sein, denn das Software-Update ist mit laufenden Kosten von 199 Dollar verbunden. Pro Monat, versteht sich.

Der Aktie fehlt die Phantasie

Das Problem an dem Angebot ist, dass Autokäufer haben inzwischen echte Alternativen haben. Die Aktie, die momentan einen Marktwert auf die Waage bringt, die den von Daimler um das Sechsfache übersteigt, wird immer stärker von der wachsenden Konkurrenz im Elektroautosegment bedrängt. In diesem Umfeld muss Tesla immer noch mehr schaffen, um die Erwartungen der Kapitalmarktteilnehmer zu erfüllen. Das dürfte selbst für Elon Musk schwierig werden. Nein, so schnell wird die Tesla-Aktie nicht auf die Beine kommen.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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