Trump und die Republikaner: Der Geist, den sie riefen

Donald Trump RED – shutterstock_630783074 Evan El-Amin

Der Umgang mit Trump droht die republikanische Partei zu zerreißen. Der Ex-Präsident feilt an seinem Comeback 2024. (Foto: Evan El-Amin / Shutterstock.com)

Es ist still geworden um Donald Trump. Seine Konten auf sozialen Medien wie Twitter und Facebook sind nach wie vor gesperrt. Sie hatten dem ehemaligen US-Präsidenten während seiner Amtszeit als wichtiges Sprachrohr zu seiner Anhängerschaft gedient, wurden aber im Zuge der Erstürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger Anfang Januar vorläufig deaktiviert.

Doch auch wenn er seit dem Ende seiner Amtszeit nur selten öffentlich aufgetreten ist: Der Ex-Präsident arbeitet längst an seinem Comeback. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 will er erneut antreten, das hat er bereits früh deutlich gemacht – und es sind nicht nur fanatische Trump-Fans, die sich eine Rückkehr ihres Idols ins Schaltzentrum der Macht wünschen.

Trump hinterlässt tief gespaltene Partei

Auch bei den Republikanern haben die vergangenen vier Jahre Spuren hinterlassen. Reihenweise hatte Trump Kritiker und Widersacher aus den eigenen Reihen entfernt, diskreditiert, rausgeworfen oder mundtot gemacht. Ehemalige Weggefährten wurden zu persönlichen Feinden, übrig blieb eine weitgehend ausgehöhlte Partei, in der sich viele Trump-Anhänger und einige wenige standhafte Kritiker wiederfinden.

Eindrucksvoll zu beobachten war das zuletzt bei der Abwahl von Liz Cheney. Die Tochter des ehemaligen Vizepräsidenten Dick Cheney war als Teil der Fraktionsführung die Nummer drei in der Rangliste der Republikaner, wurde dieses Amtes aber vergangene Woche enthoben und ist nunmehr nur noch normale Kongressabgeordnete.

Republikaner sägen Trump-Kritikerin Cheney ab

An ihrer Haltung gegenüber Trump hat sich indes nichts geändert. Sie hält den „Personenkult“ um Trump, der in der Partei nach wie vor vorherrsche, für „gefährlich“. Vielfach kritisiert hatte sie die Erzählung Trumps vom großangelegten Wahlbetrug, die durch etliche US-Gerichte widerlegt worden war.

Wer den US-Gerichten und ihren Urteilen nicht vertraue, stehe „auf Kriegsfuß mit der Verfassung“, so Cheney. Als eine von zehn republikanischen Abgeordneten hatte sie nach dem Sturm auf das Kapitol mit den Demokraten für eine Amtsenthebung Trumps gestimmt. Diese hätte zwar seine Amtszeit nicht verkürzt – aber eine erneute Kandidatur in Zukunft ausgeschlossen.

Doch obwohl der Sturm auf das Kapitol, bei dem fünf Menschen zu Tode kamen, auch für viele Republikaner ein Schockmoment war: Am Ende schreckten sie mehrheitlich doch davor zurück, einer Amtsenthebung zuzustimmen und stellten sich damit erneut hinter Trump.

Zerbricht die „Grand Old Party“ am Erbe Trumps?

Der Umgang mit dem Ex-Präsidenten hat das Potenzial, die „Grand Old Party“ zu spalten. Eine Gruppe hochrangiger Republikaner hatte zuletzt mit einer Loslösung geliebäugelt, die Rede war von „Rationalen gegen Radikale“. Mehr als 100 Parteimitglieder, darunter ehemalige Amtsträger und Funktionäre, distanzierten sich von Trump und drohten mit der Gründung einer eigenen Partei.

Das aber würde das politische System der USA vor ungeahnte Herausforderungen stellen, war es bislang doch ausdrücklich auf den Wahlkampf zweier Parteien ausgerichtet. Die Amtszeit Donald Trumps könnte somit nachhaltig die Geschichte der Vereinigten Staaten verändern – und das ganz unabhängig davon, ob er 2024 erneut zur Präsidentschaftswahl antreten wird oder nicht.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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