Uber verkauft seine Sparte für autonomes Fahren

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Der Fahrdienst-Vermittler Uber gibt die Entwicklung von autonomen Fahrzeugsystemen auf. Uber verkauft seine Entwicklersparte ATG an das Startup Aurora. (Foto: MikeDotta / shutterstock.com)

Diese Nachricht hat viele Insider überrascht: Der weltweit aktive Fahrdienst-Vermittler Uber Technologies Inc. trennt sich von seinem Vorzeigeprojekt, der Entwicklung von autonomen Fahrzeugsystemen.

Gestern gab der Konzern aus San Francisco bekannt, dass er seine Sparte Advanced Technologies Group (ATG) an das erst 2017 gegründete Roboterauto-Startup Aurora verkauft hat.

Kaufpreis soll bei 4 Mrd. US-Dollar (USD) liegen

Über den Kaufpreis machten beide Unternehmen keine näheren Angaben. Das Nachrichtenmagazin Reuters gibt an, dass der Deal in Form eines Aktiengeschäft abgewickelt werde. Laut Informationen aus gut informierten Kreisen soll ATG dabei mit 4 Mrd. USD bewertet worden sein.

Stimmen diese Informationen, hat Aurora ATG zu einem Schnäppchenpreis erhalten. Schließlich war die Uber-Tochter noch im vergangenen Jahr im Rahmen einer Finanzierungsrunde mit einem Marktwert von 7,25 Mrd. USD bewertet worden.

Damals investierten u.a. der japanische Automobilhersteller Toyota und die ebenfalls in Japan ansässige SoftBank Group etwa 1 Mrd. USD in die Uber-Tochter.

Uber hält Hintertürchen offen

Ganz will sich Uber jedoch nicht aus dem Geschäft um die Entwicklung autonomer Fahrsysteme zurückziehen. Schließlich sind selbstfahrende Autos für den Fahrdienst-Vermittler lukrativer als kostenintensive Fahrer anzuheuern.

Dies hatte der Uber-Mitbegründer und ehemalige Geschäftsführer Travis Kalanick vor einigen Jahren in einem Interview kundgetan. Er war überzeugt, dass Uber nur mit hauseigenen Selbstfahrsystemen eine langfristige Perspektive haben werde.

Auch wenn Kalanick schon seit einigen Jahren nicht mehr für Uber tätig ist, hat der jetzige Uber-Chef Dara Khosrowshahi das Selbstfahrer-Projekt nicht ganz aus der Hand geben wollen.

So wurde im Rahmen des Verkaufs vereinbart, dass Uber 400 Mio. USD in Aurora investieren wird und damit als strategischer Partner Zugang zur Aurora-Plattform bekommen soll. Uber-CEO Khosrowshahi soll im Rahmen des Deals auch Vorstandsmitglied bei Aurora werden.

Uber hat viel Geld verbrannt…

Das Bestreben von Uber, ein eigenes autonomes Fahrsystem entwickeln zu wollen, hat dem Unternehmen viel Geld gekostet. So soll das ATG-Projekt in den letzten Jahren mehr als 2,5 Mrd. USD verschlungen haben. Die jährlichen Ausgaben beliefen sich zum Schluss auf 400 – 500 Mio. USD.

Ein weiterer negativer Aspekt war, dass im März 2018 eine nächtliche Testfahrt des von Uber entwickelten autonomen Fahrzeugs in einen tragischen Unfall mündete. Eine Frau, die die Fahrbahn überquerte, wurde vom System nicht erkannt und verunglückte tödlich.

Hinzu kommt noch, dass Uber bei weitem nicht das einzige Unternehmen ist, das sich auf dem Zukunftsmarkt autonomer Fahrzeuge etablieren will. So arbeiten derzeit weltweit diverse Autokonzerne, Automobilzulieferer, Start-ups und auch IT-Schwergewichte wie Alphabet und Apple an Technologien zum autonomen Fahren.

Dabei war das von Uber entwickelte System technisch gesehen weit hinter den führenden Mitbewerbern wie z.B. Waymo, Argo AI und Cruise zurückgefallen.

…und braucht dringend frisches Kapital

Uber schreibt seit Jahren rote Zahlen. Da auch der Börsengang im Mai letzten Jahres bei Weitem nicht die erhofften Kapitalzuflüsse einbrachte, ist Uber jetzt zu einem Sparkurs verdammt.

Allerdings ist der Fahrdienst-Vermittler aktuell besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen. Allein im dritten Quartal 2020 brach der Umsatz bei Uber um 18% ein. Der Nettoverlust lag allein in diesem Zeitraum bei rund 1,1 Mrd. USD.

Da werden die Einnahmen aus dem Verkauf der ATG Uber sicherlich einen Schritt in Richtung Rentabilitätsziel voranbringen. Oder anders formuliert: Da Uber dringend frisches Kapital benötigt, war die Trennung von der defizitären Tochter eine logische Konsequenz.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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