Visa: Kreditkarten-Riese legt für schwedische Open-Banking-Plattform Tink für 2,1 Milliarden Dollar auf den Tisch

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Visa nimmt nach abgeblasener Plaid-Übernahme nächstes Fintech ins Visier: 2,1 Milliarden Dollar schwere Offerte für Tink stärkt Position in lukrativer Datenanalyse (Foto: Valeri Potapova / Shutterstock.com)

Der Kreditkarten-Gigant Visa hat die Corona-Delle längst überwunden. Seit dem Geschäftseinbruch im zweiten Quartal 2020 klettern die Umsätze wieder nach oben und die Gewinnmarge liegt inzwischen wieder über der 50%-Marke. Die steigenden Ausgaben der Kreditkartenkunden sorgten für spürbaren Rückenwind.

Jetzt schaltet der US-Konzern auch beim anorganischen Wachstum wieder auf Expansionskurs: Nachdem die 5,3 Milliarden Dollar schwere Plaid-Übernahme auf Grund der Kartellbehörden erst kürzlich abgeblasen werden musste, nimmt Visa nun das Fintech Tink ins Visier. Für umgerechnet 1,8 Milliarden Dollar will Visa das schwedische Unternehmen schlucken, dass über eine aussichtsreiche europäische Open-Banking-Plattform verfügt. Den Anlegern scheint der Deal zu gefallen: Die Visa-Papiere stiegen zuletzt auf 234 Dollar und nähern sich damit wieder den alten Rekordständen.

Tink mit beeindruckendem Kundenportfolio

Mit der geplanten, 2,1 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Tink, will Visa sein Produktportfolio entscheidend erweitern. Zum Hintergrund: Tink ist eine europäische Open-Banking-Plattform, die es Finanzinstituten, Fintechs und Händlern ermöglicht, auf der Grundlage ihrer Finanzdaten maßgeschneiderte Finanzmanagement-Tools, Produkte und Dienstleistungen für europäische Verbraucher und Unternehmen zu entwickeln. Visa wird den Deal aus dem derzeit verfügbaren Bargeld finanzieren.

Laut Tink ist die Software bei mehr als 3400 Banken und Finanzinstituten integriert und erreicht damit laut Firmenangaben 250 Millionen Bankkunden in Europa. Das Unternehmen hat 400 Beschäftigte, ist in 18 Ländern aktiv und verarbeitet pro Jahr mehr als 10 Mrd. Transaktionen. Zu den Kunden zählen Paypal, Natwest, ABN Amro, BNP Paribas und American Express. ABN Amro, BNP Paribas und Paypal Ventures sind zudem in Tink bisher investiert gewesen.

SEB kann sich über Geldregen freuen

Zu den Verkäufern der Anteile gehören unter anderem ABN Amro, BNP Paribas und Paypal Ventures. Den weitaus größten Anteil hielt bislang aber die SEB Bank, die sich nun über einen Geldregen freuen darf. SEB und Tink unterhalten seit 2016 eine strategische Partnerschaft. Damals stieg die Bank bei dem Fintech ein, zudem wurde eine Lizenzvereinbarung unterzeichnet, in deren Rahmen die SEB die Tink-Plattform nutzen kann, um ihre mobile App und ihre digitalen Angebote zu verbessern. In 2017 und 2019 hat SEB dann ihre Beteiligung weiter aufgestockt.

Keine Auswirkung auf Aktienrückkaufprogramm

Die Transaktion hängt von behördlichen Genehmigungen und anderen traditionellen Abschlussbedingungen ab. Darüber hinaus wird dieser Deal keine Auswirkungen auf das zuvor angekündigte Aktienrückkaufprogramm oder die Dividendenpolitik von Visa haben.

Transaktionsvolumen nimmt wieder deutlich zu

Zuletzt konnte Visa von der Entspannung bei der Pandemie-Situation profitieren. Im Geschäftsquartal bis Ende März nahm das Transaktionsvolumen verglichen mit dem Vorjahreswert um 11% zu. Angesichts deutlich höherer Kosten ging aber der Gewinn leicht um 2% auf 3,0 Milliarden Dollar zurück. Der Umsatz fiel ebenfalls 2% auf 5,7 Milliarden Dollar. Sollte sich die Situation weiter entspannen und der Reiseverkehr wieder zunehmen, dann dürften auch die lukrativen grenzüberschreitenden Zahlungen wieder kräftig zulegen. Dies wiederum wird sich deutlich positiv auf die Ertragskennzahlen des Zahlungsspezialisten auswirken.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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