Zocker gegen Hedgefonds: Der Wahnsinn an der Wall Street

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Seit einigen Tagen heißt es: Zocker gegen Hedgefonds. Ich blicke für Sie hinter die Kulissen und verrate Ihnen, wie die Geschichte ausgehen wird. (Foto: Kamira / Shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen sind einige Aktien unter großen Schwankungen regelrecht explodiert. Allen voran die Aktie des krisengeschüttelten amerikanischen Computerspiele-Händlers Gamestop.

Der Grund für die Kursexplosion ist ein gefährlicher Machtkampf zwischen einer größeren Gruppe gemeinsam agierender Kleinanleger und einigen Hedgefonds. Die Kleinanleger haben es tatsächlich geschafft, die Gamestop-Aktie innerhalb von zwei Wochen um mehr als 1.000% nach oben zu treiben. Sie lösten damit auch den erhofften Short-Squeeze aus.

Das heißt: Die Hedgefonds, die die Gamestop-Aktie zuvor geshortet hatten (sie also leer verkauft hatten), mussten sich mit den Aktien des operativ angeschlagenen Unternehmens eindecken und so ihre Short-Positionen auflösen.

So funktioniert ein Short-Squeeze

Ein kleiner Exkurs: Shortseller verkaufen Aktien, die sie nicht besitzen oder nur geliehen haben, in der Hoffnung, diese später günstiger über den Markt kaufen zu können und dadurch einen Gewinn zu erzielen. Steigt dagegen der Kurs, verlieren die Leerverkäufer.

Steigt der Kurs extrem – wie im Falle von Gamestop – sind die Leerverkäufer irgendwann gezwungen, sich um jeden Preis mit den Aktien einzudecken. Das nennt man Short-Squeeze. Der Short-Squeeze hat die Kursexplosion bei Gamestop noch befeuert.

Gamestop-Hype als Schneeballsystem

Wir haben es hier im Prinzip mit einem klassischen Schneeballsystem zu tun. Einige wenige, die früh bei der Entstehung des Hypes eingestiegen sind, werden am Ende die Gewinner sein. Allerdings auch nur unter der Voraussetzung, dass sie nicht zu gierig sind und sich von ihren Aktien trennen, bevor der Kipppunkt erreicht ist.

Die allermeisten Kleinanleger werden das nicht schaffen und am Ende große Teile ihres Einsatzes verlieren. Hier ist es wie im echten Leben: Je rauschender die Party, desto größer fällt auch der anschließende Kater aus. Mein Rat an Sie: Halten Sie sich fern davon! Auch wenn viele davon träumen: Es gibt keinen sicheren, schnellen Weg zum Zocker-Reichtum an der Börse!

Es wird am Ende deutlich mehr Verlierer als Gewinner geben

Zum Abschluss möchte ich noch auf eine Theorie eines Lesers eingehen: Der Leser sagte, dass, wenn alle Käufer der Gamestop-Aktie diese Position im Depot halten würden, der Kurs nicht einbrechen könne und dass immer neue Käufer die Kurse weiter antreiben würden.

So könnte am Ende jeder einen mehr oder weniger großen Gewinn erzielen. Der große Haken: Einen Gewinn erzielen Sie nur dann, wenn Sie ihn realisieren. Das heißt: Sie müssen Ihre Aktien am Tag X auch verkaufen. Niemand wird eine neue Eigentumswohnung oder einen neuen Sportwagen mit Gamestop-Aktien bezahlen können.

Und wenn die Gewinnmitnahmen beginnen, fällt der Kurs sehr schnell in sich zusammen und damit auch das Schneeballsystem. Damit Sie sich die Größenordnung vorstellen können: In der Spitze war das operativ angeschlagene Unternehmen Gamestop in der vergangenen Woche an der Börse rund 30 Mrd. US-Dollar wert.

Es sind hohe Kursverluste zu erwarten

Da das Geschäftsmodell von Gamestop – Computerspiele in einem Laden zu verkaufen – im Internet-Zeitalter überholt ist, wird der Aktienkurs voraussichtlich um 90 bis 99% fallen, wenn der Spuk vorbei ist. Die große Masse wird daher am Ende fast das gesamte Kapital verlieren.

Für Sie zur Einordnung: Das Unternehmen Gamestop machte zuletzt einen Umsatz von 6,5 Mrd. US-Dollar (-22% im Vergleich zum Vorjahr) und schrieb einen Verlust von 470 Mio. US-Dollar. Halten Sie sich also bitte von solchen Zocker-Aktionen fern und passen Sie auch an der Börse auf Ihr Geld auf!

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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