Zoom forciert mit Mega-Übernahme den Kampf um Marktanteile

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Zoom Video blättert für Call Center Spezialisten Five9 14,7 Milliarden Dollar auf den Tisch: Der Kampf um Marktanteile ist entbrannt (Foto: prima91 / Adobe Stock)

Die Nachricht war ein Paukenschlag. Der US-Videodienst Zoom will für 14,7 Milliarden Dollar den Cloud-Softwareanbieter Five9 schlucken. Das Unternehmen stellt insbesondere Software für den Gebrauch in Callcentern her. Mit der Übernahme soll das Geschäft auf eine solidere Basis gestellt werden und zusätzliches Wachstumspotenzial erschlossen werden.

Die Aktionäre scheint der Deal erst einmal nicht vom Hocker zu reißen. In einer ersten Reaktion gab der Zoom Video-Kurs um mehr als 2% nach. Damit notieren die Papiere zwar inzwischen 30% unter ihrem Rekordhoch, aber eben auch immer noch 400% über dem Vor-Corona-Niveau.

Zoom und der Corona-Boom

Um den Hintergrund der Übernahme richtig zu verstehen, sollten Sie als Anleger einen Blick auf die jüngste Geschäftsentwicklung werfen. Denn die Corona-Pandemie hat bei Zoom für eine regelrechte Explosion der Geschäfte gesorgt: Stieg der Umsatz von 61 Millionen Dollar in 2017 bis auf 623 Millionen Dollar in 2020 (Anm: Geschäftsjahr endet immer Ende Januar), so gingen bis Ende Januar 2021 bereits Umsätze von 2,65 Milliarden Dollar durch die Bücher.

Auch bei den Gewinnen sorgte der Homeoffice-Boom für kräftigen Rückenwind. Im zurückliegenden Geschäftsjahr erzielte Zoom einen Gewinn in Höhe von 672 Millionen Dollar, was einer Gewinnmarge von immerhin 25,36% entspricht. Für Sie zum Vergleich: In 2020 lag die Marge erst bei 4,06%.

Spezialist für Videokonferenzen rüstet sich für die Zeit danach

Im ersten Quartal hielt die Wachstumsdynamik mit einem Umsatzplus von 191% auf 956,2 Millionen Dollar noch an. Doch wie es nach der Pandemie aussehen wird, ist ungewiss. Zum einen weil die Mitarbeiter wieder weniger von Zu Hause arbeiten werden, zum anderen weil sich der Wettbewerb mit Microsoft, Webex, Google & Co. deutlich verschärft hat.

Die großen Wettbewerber verfügen nicht nur über enorme Finanzkraft, um einen eventuellen Preiskampf durchzustehen, sondern auch über eine breite Kundenbasis quer durch alle Wirtschaftssegmente. Das ermöglicht eine zielgerichtete Vermarktung der hauseigenen Produkte. Inzwischen liegt der weltweite Marktanteil von Microsoft Teams bei 40% (vs. Zoom 25%) und hat damit Webex überholt.

Zoom blättert beinahe 15 Milliarden Dollar auf den Tisch

Daher bemüht sich Zoom verstärkt um Firmenkunden und versucht mit Five9 das Produktangebot zu erweitern. Das lässt sich der US-Konzern 14,7 Milliarden Dollar kosten. Damit ist der Deal beileibe kein Schnäppchen. Immerhin entspricht der Kaufpreis dem 30-fachen Jahresumsatz von Five9. Mit dem Zukauf will sich Zoom langfristiges Wachstum im Call-Center-Markt sichern. Mitarbeiter könnten Ihre Dienste dann von zuhause aus anbieten.

Zoom-Firmenboss verweist auf das deutlich höhere Marktpotenzial. Five9 ergänze den derzeit auf 62 Milliarden Dollar großen Markt für Videokonferenzen um den 24 Milliarden Dollar großen Markt für Customer-Care-Lösungen.

Zu den Kunden des cloudbasierten Anbieters Five9 gehören unter anderen die Sportmodehersteller Under Armour und Lululemon, zudem die Kamerafirma Olympus aus Japan. Insgesamt ist der Callcenter-Spezialist aber bereits bei rund 2. 000 Unternehmenskunden weltweit im Einsatz.

Kaufpreis fließt zu 100% in Aktien

Leisten kann sich Zoom den Zukauf aber allemal, denn beim Kaufpreis setzt der Videokonferenzspezialist auf die eigenen Aktien, die sich seit dem Börsengang vervielfacht haben. Die Aktionäre von Five9 erhalten 0,5533 Zoom-Aktien für jedes ihrer Papiere. Sie müssen dem Deal allerdings noch zustimmen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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