„Flash Crash“, Spoofing und Hochfrequenz-Handel

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Im Zusammenhang mit dem sogenannten „Flash Crash“ an der Wall Street im Mai 2010 kam es 5 Jahre später zu einer Verhaftung. (Foto: katjen / Shutterstock.com)

Gegebenheiten wie der „Kampf“ um die 12.000-Punkte-Marke im DAX Anfang 2015 zeigt, dass technische Marken beim Börsenhandel – zumindest kurzfristig betrachtet – immer wichtiger werden.

Die Kombination aus technischen Mustern und leistungsstarken Computer-Programmen macht die Börse anfällig für Manipulations-Versuche.

Ein Wertpapier-Händler aus Großbritannien wurde 2015 wegen Markt-Manipulation verhaftet. Die US-Behörden fordern seine Auslieferung.

Der Mann habe mit einem automatisierten Handels-Programm auf betrügerische Art zum kurzzeitigen Zusammenbruch des Aktienmarktes im Mai 2010 beigetragen.

Das teilte das US-Justizministerium im April 2015 in Washington mit.

Der als „Flash Crash“ in die Finanzgeschichte eingegangene Vorfall hatte den US-Leitindex Dow Jones innerhalb von 5 Minuten um 600 Punkte abstürzen lassen.

Das ist aber nur der Gipfel dessen, was dem Briten 5 Jahre später vorgeworfen und zum Verhängnis werden sollte.

Weitere Details zum Beschuldigten

Dem britischen Händler Navinder S. wird vorgeworfen, mit seiner Firma Nav Sarao Futures im großen Stil Scheinaufträge für sogenannte Index-Produkte platziert zu haben.

Damit habe er, so die Ermittler, die Kurse gedrückt, um Kontrakte auf Termingeschäfte, die er vorher veräußert hatte, günstiger zurückkaufen zu können.

Der Händler soll auf diese Weise über 5 Jahre hinweg 40 Mio. US-Dollar (umgerechnet rund 37 Mio. €) ergaunert haben.

Nun muss er sich wegen Betrugs, Manipulation und anderer Vergehen verantworten. Auch die Finanzaufsicht CFTC hat ein Verfahren eröffnet.

S. soll über Jahre hinweg Terminkontrakte auf den aussagekräftigsten US-Aktienindex S&P 500, der die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst, ge- und verkauft haben.

An guten Tagen soll er damit mehr als 800.000 US-Dollar Gewinn gemacht haben.

Doch S. war kein gewöhnlicher Händler von Terminkontrakten.

Er habe „eine Reihe von außergewöhnlich umfassenden, aggressiven und hartnäckigen Täuschungs-Taktiken angewendet“, um die Preise für die Terminkontrakte zu manipulieren.

So heißt es in der Klageschrift der CFTC, die seine Handels-Strategien detailliert nachvollzogen haben will.

Die kriminelle Strategie heißt „Spoofing“

„Spoofing“ heißt die illegale Strategie, bei der ein Händler z. B. eine große Kauforder abgibt und anderen damit signalisiert, dass der Preis steigen könnte.

Der Händler zieht dann jedoch die Order schnell wieder zurück und verkauft Papiere zu einem leicht höheren Preis.

S., der auf eine Mischung aus Hochfrequenz-Handel und manuellen Entscheidungen gesetzt haben soll, hat diese Taktik offenbar noch weiter ausgereizt:

Er habe einen Algorithmus eingesetzt, der mit großen Verkaufsorders die Preise systematisch immer weiter nach unten getrieben haben soll.

Welche Rolle S. genau beim sogenannten “Flash Crash” gespielt hat, ist derweil noch unklar.

Zwar sei S. nicht allein für den Crash verantwortlich, doch die Behörden sollen bereits damals gewusst haben, dass ein Ungleichgewicht auf dem Futures-Markt zu den Turbulenzen beigetragen hatte.

Jetzt möchte ich Ihnen noch kurz erklären, was unter dem sogenannten Hochfrequenz-Handel zu verstehen ist und wie dieser funktioniert.

Hochfrequenz-Handel für Sie im Fokus

Als Hochfrequenz-Handel wird ein mit Computern betriebener Handel mit Wertpapieren bezeichnet, der sich durch kurze Haltefristen (es werden üblicherweise keine Positionen über Nacht gehalten) und hohe Umsätze auszeichnet.

Die Wettbewerbs-Vorteile der Hochfrequenz-Händler bestehen, vereinfacht gesagt, darin, dass diese von einem zeitlichen Vorsprung gegenüber „normalen” Anlegern profitieren.

Dadurch können diese quasi risikolos auf Kosten der „normalen” Anleger Gewinne einfahren.

In den USA macht der Börsenhandel über Computer-Programme mittlerweile rund 95% des gesamten Handels-Volumens aus.

Hochfrequenzhandel nur für Kurzfristanleger von Bedeutung

Wenn Sie zu den Anlegern mit einem mittel- bis langfristigen Anlage-Horizont zählen, habe ich eine gute Nachricht für Sie:

Dann müssen Sie sich um den Hochfrequenz-Handel und seine Folgen nicht weiter kümmern.

Für Kurzfrist-Anleger und Day-Trader ist der Hochfrequenz-Handel dagegen schon von größerer Bedeutung, da diese sich mit den Computer-Programmen messen müssen.

Als Privatanleger haben Sie gegen die Profi-Computer keine besonders guten Chancen.

Deutlich besser sind Ihre Erfolgs-Aussichten an der Börse, wenn Sie längerfristig auf fundamental unterbewertete Aktien setzen.

Hier siegt noch der menschliche Geist, wie das Beispiel Warren Buffett seit 50 Jahren zeigt.

Dieser hat den Leitindex S&P 500 in den vergangenen 50 Jahren 39 Mal geschlagen und dabei sogar eine doppelt so gute Performance erreicht.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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