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Versicherungs-Aktien: Optimistischer Ausblick trotz brodelnder Krisenherde

Inhaltsverzeichnis

Der Brexit ist noch immer nicht vom Tisch, der Handelskrieg zwischen den USA und China spitzt sich zu, die deutsche Autoindustrie ist angeschlagen, und Italien stürzt von einer Regierungskrise zur nächsten.

Von den geopolitischen Spannungen lässt sich die Versicherungsbranche jedoch offensichtlich kaum beeindrucken. Beinahe alle von mir und meinem Team beobachteten Versicherungs-Unternehmen haben die kurz- und mittelfristigen Prognosen bekräftigt. Ageas geht sogar davon aus, die eigenen Ziele deutlich übertreffen zu können.

Rückversicherer mit positiven Vorzeichen für 2019

Die Rückversicherer sind gut in das neue Geschäftsjahr gestartet. Die Belastung durch Großschäden lag im 1. Halbjahr deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Zugleich konnten die Prämieneinnahmen gesteigert und gute Kapitalanlageerträge erwirtschaftet werden. Optimistisch stimmen uns vor allem die jüngsten Vertragserneuerungen, die neben deutlichen Mengenzuwächsen auch einen Anstieg der realisierten Preise zeigen. Fundamental betrachtet überzeugt derzeit vor allem Hannover Rück mit einer branchenüberdurchschnittlichen Kapitalrendite.

Im historischen Vergleich überschaubare Naturkatastrophen-Bilanz

Die Naturkatastrophenbilanz des 1. Halbjahres liest sich nach aktuellen Erhebungen von Munich Re wie folgt: 370 Schadenereignisse führten zu Gesamtschäden von 42 Mrd. $, was deutlich unter dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre von 69 Mrd. $ lag. Die versicherten Schäden lagen mit 15 Mrd. $ ebenfalls unter dem langjährigen Durchschnitt von 18 Mrd. $. Die mit rund 3,3 Mrd. $ größten Schäden verursachten Gewitterstürme mit Tornados im Mittleren Westen der USA; der versicherte Anteil betrug hier rund 2,5 Mrd. $.

Auffällig an der Schadenstatistik war der hohe Anteil von Schäden, die ärmere Länder betrafen. Drei der fünf teuersten Katastrophen betrafen Entwicklungs- und Schwellenländer, darunter eine Hochwasserkatastrophe im Iran mit einem Gesamtschaden von 2,5 Mrd. $ sowie Sturm- und Hochwasserschäden durch Zyklon Fani in Indien und Bangladesch mit Gesamtschäden von 2,2 Mrd. $. Besonders schwer wurde Mosambik getroffen – eines der ärmsten Länder der Welt. Der Zyklon Idai verursachte Schäden von rund 2 Mrd. $, was einem Zehntel der Wirtschaftsleistung des Landes entspricht.

Kapitalausstattung nach Solvency II sinkt europaweit

Die wichtigsten Kennzahlen zur Kapitalausstattung von Versicherungsunternehmen sind im 1. Halbjahr europaweit gesunken. Im Durchschnitt ging die Solvency II Ratio um 12 Prozentpunkte zurück. Um den starken Rückgang einordnen zu können, muss man einen Blick auf die Kalkulation werfen. Unter Solvency II wird das anrechnungsfähige Eigenkapital der Kapitalanforderung gegenübergestellt.

Wie hoch die Anforderungen sind, bestimmen eine Vielzahl von Faktoren, die von den Zentralbanken festgelegt wurden. Für die Berechnung ausschlaggebend ist aber die risikofreie Zinskurve, die sich im europäischen Raum weiter abgeflacht und damit zu einer höheren Kapitalanforderung geführt hat. Zum Beispiel verbesserte die Allianz ihre Kapitalausstattung um 3,1% auf 79,9 Mrd. €. Die Kapitalanforderung legte jedoch noch stärker zu. Als Folge rutschte die Solvency-II-Ratio um 17 Prozentpunkte auf 213% ab.