Vorsicht bei Software-Unternehmen mit üppigen Aktienoptionsprogrammen

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Werfen Sie bei der Unternehmenswahl auch immer ein Auge auf die Aktienoptionsprogramme, denn diese sind Gift für die Kursentwicklung. (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

Wie meine jüngsten Studien zeigen, nutzen Software-Unternehmen verstärkt Aktienoptionsprogramme zur Vergütung von Mitarbeitern.

Für die Aktienkursentwicklung sind Aktienoptionsprogramme Gift. Hierbei werden Mitarbeitern Optionen zum Erwerb von Aktien zu einem vorab festgelegten Preis eingeräumt. Durch den günstigen Bezug der Aktien sowie anschließenden Verkauf können die Mitarbeiter eine Vergütung erzielen. Werden die Aktien im Form einer Kapitalerhöhung ausgegeben, führt der Vorgang zu einer Einzahlung sowie Erhöhung des Eigenkapitals. Anders als bei einer normalen Kapitalerhöhung erhalten die Altaktionäre jedoch keine Bezugsrechte, um den Verwässerungseffekt durch die steigende Aktienanzahl auszugleichen. Die Folge ist ein sinkender Aktienwert, weil der Anteil am Unternehmensgewinn sinkt, ohne dass die Aktionäre einen Ausgleich erhalten.

Das Kurspotenzial hängt nicht zuletzt von der Unternehmenspolitik ab

Viele Unternehmen versuchen diese Entwicklung zu verschleiern, indem sie sogenannte bereinigte Ergebnisse ausweisen, die neben Sonderaufwendungen auch die Aufwendungen für Aktienoptionen ausklammern. Auch Altmeister Warren Buffett warnte einst: „Wenn Aktienoptionen keine Vergütung für Leistung sind, was sind sie dann? Wenn die Vergütungen keine Kosten sind, was sind sie dann?“.

Um die Minderung des Aktienkurses durch neue Aktien einzudämmen, kaufen viele Unternehmen eigene Aktien zurück, die für Aktienoptionsprogramme verwendet werden können. Hier wird die Misere deutlich, da Vermögenswerte gekauft werden, um sie dann für einen geringeren Preis zu verkaufen. Anders als bei reinen Aktienrückkäufen wird kein Mehrwert für die Aktionäre geschaffen, sondern letztlich nur eine Schadensbegrenzung betrieben.

Stock-Picking mit der Aktien-Analyse leicht gemacht

Die Crux mit Aktienoptionsprogrammen ist demnach, dass diese im Zahlenwerk nur bedingt ersichtlich sind. In unseren Aktien-Studien behalten wir die Shareholder-Value-Politik stets im Auge. Unternehmen mit üppigen Aktienoptionsprogrammen sollten gemieden werden. Umgekehrt trägt eine aktionärsfreundliche Politik zu einer positiven Kursentwicklung bei.

Ein positives Beispiel ist das Unternehmen Cerner, das sich mit IT-Produkten im Gesundheitswesen einen Namen gemacht hat. Cerner glänzte im abgelaufenen Jahr mit starken Ergebnissen und rechnet mit einer Fortsetzung des Wachstumstrends. Das Unternehmen will in den kommenden drei Jahren bis zu 3,8 Mrd. $ in Form von Aktienrückkäufen an die Aktionäre ausschütten. Die Aufwendungen für Aktienoptionen betrugen vergangenes Jahr 153 Mio. $, was verglichen mit dem Unternehmensgewinn von 780 Mio. $ noch überschaubar war.

Ein Negativbeispiel war hingegen das Unternehmen Salesforce. Im laufenden Jahr werden sich die Aufwendungen für Aktienoptionsprogramme bei Salesforce auf schätzungsweise 2,8 Mrd. $ summieren – bei einem prognostizierten Nettogewinn von rund 223 Mio. $. Ich sehe das Kurspotenzial der Aktie daher deutlich eingeschränkt.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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