War das jetzt schon der „Melt-Up“ oder ist das der Anfang des neuen Booms?

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Wer jetzt noch 100 % Cashquote hat, dem kann ich nicht empfehlen, alles in den Aktienmarkt zu stecken. (Foto: Vyautas Kielaitis/ shutterstock.com)

Jetzt wird es richtig optimistisch! Wollen Ihre Freunde und Nachbarn endlich auch alle in Aktien investieren? Wenn noch nicht jetzt – bald ist es soweit. Schließlich geht es ja immer nur nach oben!

Die privaten Bullen sind so viele, wie selten zu vor. Das sagt die American Association of Individual Investors. Demnach rechnen rund 57 Prozent aller dort befragen Anleger mit weiter steigenden Kursen. Der Wert war nur höher Anfang 2018. Dort gaben fast 60 Prozent der Privaten an, bullisch zu sein. Einige Wochen später fiel der S&P 500 dann etwa 12 Prozent. Ist so gesehen auch nicht dramatisch. Zeigt aber nur, dass es wohl so ganz allmählich Zeit für ein bisschen Korrektur ist.

So behaupten es zumindest die Bären. All die Statistiken sind gut und schön – doch wie wäre es denn, wenn es diesmal wirklich anders ist?

Diesmal ist alles anders und genau deshalb steigen die Kurse weiterhin

Die Vergleiche zur Dot-Com-Bubble und dem damit verbundenen Crash im Jahr 2000 oder auch der oben zitierte Anteil der Bullen funktionieren nur, wenn das Umfeld ähnlich ist. Wir sind aber im finanziellen Neuland und haben keine Erfahrungswerte, auf die wir uns berufen können. Noch nie hat die FED über 40 Prozent der insgesamt geschöpften US-Dollar innerhalb von einem Jahr gedruckt. Noch nie wurde eine Pandemie auf so großer Ebene durchgespielt. Noch wie war in der nächsten Zeit alles möglich – auch das Gegenteil.

Insofern ja, die Zeichen stehen auf Vorsicht. Wer jetzt noch 100 % Cashquote hat, dem kann ich nicht empfehlen, alles in den Aktienmarkt zu stecken. Meine am Mittwoch gekauften Alt-Coins Chain Games haben sich schon fast verdoppelt im Wert, während der Aktienmarkt derzeit extrem wenig Umsätze und damit auch kaum Bewegung zeigt. Dann ist es auch kein Wunder, dass wir ganz langsam nach oben laufen. Wir hatten gestern und vorgestern die niedrigsten Umsätze des Jahres am Markt. Die Volatilität ist deshalb so niedrig, wie seit einem Jahr nicht mehr.

Ein Melt-Up sieht anders aus. Da geht es schneller nach oben. Zumindest laut der Theorie. Einfach ein Crash nach oben. Das hatten wir gefühlt schon in den letzten Wochen und Monaten. Doch das lief ja offiziell als Erholung nach dem Corona-Crash.

Private Gelder fließen in den Markt

Als Institutioneller sollten Sie verkaufen, wenn die Kleinanleger an die Börse strömen. Die Profis verkaufen in die Stärke hinein und nicht auf dem Weg nach unten. Mal schauen, wo wir in einem Monat stehen. Ob ein jetziger Einstieg wirklich total verkehrt war.

Doch nicht nur die Anleger sollten jetzt Cash aufbauen. Ganze 372 Milliarden US-Dollar hat sich der Staat geholt über den Verkauf von Anleihen. Auch das ist ein Rekord. So viel Geld wurde noch nie von den USA aufgesogen.

Noch ein Rekord gefällig?In den letzten 5 Monaten ist mehr Geld in Aktien geflossen, als in den 12 Jahre davor. Wow! Lesen Sie diesen Satz noch einmal und lassen Sie auch sich wirken. Was bedeutet das? War das doch schon der Melt-Up und wir haben es nicht gemerkt? Kann das unendlich so weitergehen? Die Deutsche Bank warnt unterdessen vor einer Korrektur zwischen 6 und 10 Prozent innerhalb der nächsten 3 Monate.

S&P 500 mit neuem Rekord

Das Price-to-Sales Ratio ist erstmalig auf über 3 geklettert. Der Wert steht für die Marktkapitalisierung der Unternehmen in Relation zu deren Umsatz. Die Aktien sind also dreimal so viel wert, wie die Unternehmen im S&P 500 an Umsatz machen.

Passend dazu hat auch die gesamte Wall Street jetzt zum ersten Mal 200 Prozent des Wertes erreicht, den das US-amerikanische BIP ausmacht. Die Aktienunternehmen in den USA sind also doppelt so viel wert, wie das Bruttoinlandsprodukt von den gesamten USA.

Fazit:

Der VIX unterschreitet seit Ewigkeiten die 20 und notiert aktuell bei 17. Wir kommen jetzt in den Bereich, wo wir vor dem Corona-Crash waren. Anfang 2020 pendelte der Volatilitätsindex zwischen 11,5 und 18. Es wird also alles ruhiger. Kein Grund zur Sorge. Der große Boom muss jetzt etwas verdaut werden. Ich habe die letzten Tage ausnahmsweise gar keine Trades gemacht – außer am Forex-Markt. Denn die Aktien und Indizes müssen sich meiner Meinung nach neu sortieren. Und so auch die anderen Marktteilnehmer. Es kann jederzeit in beide Richtungen explodieren, nur keiner weiß wohin.

Dass derzeit auch so wenig Umsatz zu sehen ist, als wären wir schon in den Sommerurlauben, spricht auch dafür, die Füße still zu halten. Auszeit nehmen. Genießen. Jetzt, wo das Wetter auch wieder besser wird, gibt es schönere Dinge, als die Kurse zu verfolgen.

Nächsten Freitag haben wir schon wieder einen Verfallstermin. Vielleicht wachen bis dahin die Börsen etwas auf.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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