10 Jahre Finanzkrise: Niedrigzinsen und übertriebene Märkte

Es gibt Jubiläen, auf die man gerne verzichten würde: „10 Jahre Finanzkrise“ heißt es dieser Tage. Dabei wird verbreitet nach den Lehren gefragt und wann die nächste Krise kommt.

Aus Fehlern lernen ist eine Sache. Eine ganz andere, sie nicht zu wiederholen. Wenn eine Katastrophe eine Kette massiver Reaktionen und Gegenreaktion nach sich zieht, entstehen immer neue Schieflagen, die den Boden fürs nächste Problem bereiten. Viele Fehler lassen sich vermeiden, doch welches Risiko im Wirkmechanismus von Ausweichstrategien und Gegenmaßnahmen tatsächlich  steckt, zeigt sich meist erst im Nachhinein.

10 Jahre Finanzkrise mit Vorgeschichte

Vor dem Hintergrund stehen 10 Jahre Finanzkrise eigentlich für 17 Jahre, in denen sich die große Linie der Zusammenhänge erst zeigt: Das Platzen der Internetblase im Jahr 2000 führte zur Finanzkrise vor 10 Jahren, und die wirkt bis heute nach. Und jedes Mal traf es vor allem Kleinanleger, deren Vermögen sich in Luft auflöste.

Bis 2003 verlor der Dax mehr als zwei Drittel seiner zuvor 7.600 Punkte, nach 2007 vom gleichen Stand aus gut die Hälfte. Heute steht er bei über 12.500 Punkten. Der Rekordstand geht zum großen Teil auf extrem niedrige Dauerzinsen zurück. Ein Aktienhype mangels Alternativen. Vor der Finanzkrise boomten Immobilien – auch damals waren niedrige Zinsen der Treiber, was in den USA eine fatale Kettenreaktion auslöste.

Auf den Crash der Jahrtausendwende hatte die US-Notenbank mit Niedrigzinsen reagiert, um die Konjunktur zu stützen. Damit wurde die Massenflucht enttäuschter Kleinanleger in vermeintlich sichere Werte befeuert, was bei Immobilien zu einer Preisblase führte.

Als Problem erwiesen sich die Subprime Loans: zweitklassige Hypothekenkredite für Amerikaner, die eigentlich nicht genug verdienten um ihre Raten zu bezahlen. Sie stürzten sich auf Kreditangebote mit lächerlichen Zinsen und kauften Häuser, die sie sich nur leisten konnten, weil die Banken mitspielten. Die wiederum hatten die Häuser als Sicherheit und setzten auf weiter steigende Preise.


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Vom faulen Kredit zur Weltwirtschaftskrise

Als die Zinsen rapide anstiegen, geriet das kranke System ins Wanken, das längst die internationale Finanzwelt infiziert hatte. Die faulen Kredite wurden nämlich weltweit an den Börsen gehandelt – verpackt in Asset Backed Securities (ABS), bei denen Forderungen verbrieft und als Anleihen angeboten werden. Bei der Bonitätsbewertung spielten die Ratingagenturen eine unrühmliche Rolle.

Die Subprime-Krise nahm ihren Lauf und brachte nicht nur die Investmentbank Lehman Brothers zum Einsturz. In Deutschland traf es die Deutsche Industriebank IBK, die sich mit US-Hypotheken verspekuliert hatte. Sie musste für rund 10 Mrd. € gerettet werden. Auch der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate wurde verstaatlicht.

In den USA musste die Regierung den weltweit größten CDS-Versicherer AIG vorm Zusammenbruch retten. Über CDS (Credit Default Swaps) hatten sich Investoren mit über 500 Mrd. US-$ gegen die Emittenten der ABS-Anleihen abgesichert. In der folgenden Finanzkrise versagte der Geldhandel der Banken untereinander. Und wieder sprangen die Notenbanken ein, und wieder mit viel Geld und niedrigen Zinsen.

Das anschließende Drama um Anleihekäufe und die Rettung notleidender Staaten, vor allem in Südeuropa, ist Teil der Geschichte. Dort schlummern noch heute faule Kredite von gut 1 Bio. € in den Büchern. Ein jüngst beschlossener EU-Aktionsplan soll die Sache in den Griff bekommen.

Wirkmechanismus für neues Ungemach

Die Erkenntnisse aus der Finanzkrise vor 10 Jahren berühren die verschiedensten Bereiche. Ein Fazit lautet, dass Anleger mit insolvenzgeschützten ETF besser aus der Krise hervorgingen als die mit Zertifikaten. Mittlerweile aber haben ETF aufgrund ihrer Beliebtheit eine derart dominante Stellung, dass sie selbst zum Risiko im Finanzsystem werden. Dies ist nur ein Beispiel wie das Vermeiden von Fehlern zu einer neuen Unwucht führen kann.

Wenigstens ist heute das Finanzsystem krisenfester, wozu schärfere Bankenregeln, Eigenkapitalanforderungen und Stresstests beitragen. Ob es dem Druck durch übertriebene Aktienmärkte bei Niedrigstzinsen und gleichzeitigem Immobilienboom standhält, muss sich zeigen. Das Bemühen, mit langsam steigenden Zinsen, Luft herauszunehmen, ist sinnvoll.

Doch schon sägt Donald Trump an einem wichtigen Pfeiler im Sicherungssystem. Er will das nach der Finanzkrise eingeführte Frank-Dodd-Gesetz abschaffen und die Märkte entfesseln, die sich eigentlich konsolidieren müssten. Die Kleinanleger würde es wieder als erste treffen. Gewählt wurde er von vielen, die sich als Verlierer der freien Märkte empfinden. Dieser Frust hat auch den Brexit mit auf den Weg gebracht.

Dass die Mischung aus entfesselten Märkten und Protektionismus nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Doch trotz aller Krisengefahr: Langfristig sind Aktien unschlagbar. Seit Mitte der 90er Jahre ist der Dax um 480 % gestiegen, der Dow Jones gar um fast 700 %. Die Weltwirtschaft jedenfalls stimmt optimistisch. Laut IWF scheint sie sich von den Folgen der Weltwirtschaftskrise 2008 zu befreien.


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1. August 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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