2012 kann die US-Wirtschaft zur Konjunktur-Lokomotive werden

HBSC Logo RED_shutterstock_387716023_Hatchapong Palurtchaivong

Die geplatzte US-Immobilienblase war Auslöser der Finanzkrise. Der Fall war zu tief. 2012 kann der Immobilienmarkt positiv überraschen. (Foto: Hatchapong Palurtchaivong / shutterstock.com)

Der deutsche Leitindex DAX hat am letzten Handelstag der Woche 2 Mal kurzzeitig die 7.000-Punkte-Marke zurückerobert, schloss jedoch etwas tiefer bei 6.995 Punkten.

Die 7.000 Punkte wären übersprungen worden, wenn nicht die jüngsten Immobiliendaten aus den USA leicht unter den Erwartungen geblieben wären.

Trotz der heutigen Enttäuschung: Der US-Immobilienmarkt könnte 2012 die positive Überraschung des Jahres werden.

Historischer Tiefpunkt

Der amerikanische Immobilienmarkt war der erste Dominostein, der 2006 die Finanzkrise ausgelöst hat.

Als die Immobilienblase in den USA platzte, platzten auch die Immobilienkredite, die von den Banken weltweit verteilt wurden (wie gestern hier im Schlussgong beschrieben, haben auch die deutschen Landesbanken kräftig in diese Kreditpakete investiert und fast alles verloren).

Wie so oft, wenn eine spekulative Blase platzt: Die Fallhöhe ist gewaltig. Der Absturz stoppt nicht auf dem alten Niveau, sondern erreicht historische Tiefpunkte.

Genau das erlebt der amerikanische Immobilienmarkt in dieser Krise. Die Analysten von HSBC Trinkaus&Burkhardt haben jüngst ausgerechnet, dass die Zahl der neu gebauten und unverkauften Häuser auf den niedrigsten Stand seit 1950 gefallen ist.

Wird ein 60-Jahres-Tief erreicht, muss man sich aber auch fragen, ob der Markt nicht übertreibt und eine Gegenbewegung fällig ist.

2012 kann das Jahr der Wende werden

Es gibt immer wieder kleine Rückschläge am US-Immobilienmarkt, aber der Trend zeigt bereits nach oben. Das Stimmungsbarometer der amerikanischen Immobilien-Makler steigt seit einem halben Jahr und erreicht fast wieder das Vorkrisenniveau.

HBSC Logo RED_shutterstock_387716023_Hatchapong Palurtchaivong

Overweight: So lesen Sie Aktienempfehlungen richtigOverweight-Aktien sind Papiere, die sich besser entwickeln als der Vergleichsindex. Bei Kaufempfehlungen ist die Begriffswelt uneinheitlich. › mehr lesen

Der Maklerverband NAR erwartet 2012 die Wende. Die Immobilienpreise können zum ersten Mal wieder steigen (NAR-Schätzung: +1%).

Dazu passt auch, dass die Zahl der Baugenehmigungen steigt und zumindest wieder das Niveau von 2008 erreicht hat.

Immobilien-Überhang abgebaut

Für die Wende spricht auch, dass der gewaltige Überhang weitgehend abgebaut wurde. Im Immobilien-Boom wurden in der Spitze 2,3 Mio. Wohneinheiten pro Jahr neu gebaut. Benötigt werden aber nur 1,5 Mio. Einheiten.

Schätzungen besagen, dass es 2007 rund 2 bis 3 Mio. überflüssige Wohneinheiten ohne echte Nachfrage gab. Dieser Überhang musste abgebaut werden.

Da der Bedarf aktuell noch immer bei 1,5 Mio. Wohneinheiten pro Jahr liegt, jedoch nur 600.000 bis 700.000 pro Jahr gebaut werden, nähern sich Angebot und Nachfrage wieder an.

Wenn man dann noch berücksichtigt, dass einige neu gebaute Stadtviertel und ganze „Geisterstädte“ praktisch nicht mehr zu nutzen sind und nur noch abgerissen werden können, ist schon jetzt das echte Angebot nicht mehr zu groß.

Aufschwung am Arbeitsmarkt

Besserung ist nicht nur auf der Angebots-Seite zu erkennen. Auch die Nachfrage stabilisiert sich. Da sich der Arbeitsmarkt erholt (zuletzt über 200.000 neue Jobs pro Monat), sinkt zukünftig die Zahl der Zwangsversteigerungen und steigt die Zahl der Immobilien-Interessenten.

Hinzu kommt die demographische Entwicklung. Die Bevölkerung in den USA wächst. Damit steigt automatisch die Nachfrage (in Westeuropa gibt es oft den umgekehrten Effekt).

Fazit: In den vergangenen Jahren war China die große Konjunkturlokomotive. 2012 können die USA für eine positive Überraschung sorgen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rolf Morrien. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz