2019: Deutschlands Investitionen stecken im Stau

Mehrere Baukräne auf einer Baustelle beim Sonnenuntergang

Deutschlands Investitionen stecken 2019 im Stau. Milliarden werden nur langsam abgerufen – eine Chance für Anleger in den kommenden Jahren. (Foto: Imagemaker - Fotolia)

Auch wenn es um das Thema etwas ruhiger geworden ist, weil sich alles mit abflauenden Konjunktur und den Sorgen der deutschen Exportwirtschaft beschäftigt: Deutschlands Handelsbilanz ist mit vielen Partnern nach wie vor unausgeglichen. Die Überschüsse sind zwar keine gezielte Benachteiligung, doch klagen auch europäische Partner schon lange über das Missverhältnis, das auf Dauer als stabilitätsgefährdend angesehen wird.

Ambitionen auf Schmalspur im Funkloch

Eigentlich kommt Deutschland 2019 um Investitionen nicht herum. Die würden nicht nur die Überschüsse abbauen, sie sind auch dringend notwendig. Schwarze Null im Haushalt hin oder her – mit der in Teilen maroden Infrastruktur, grassierender Wohnungsnot, alten Datenleitungen und Funklöchern droht Deutschland den Anschluss zu verpassen.

Schön einerseits, dass Deutschland für 2019 Investitionen zur Förderung der Künstlichen Intelligenz angekündigt hat. Damit können Hochschulen, Startups, Mittelständler sowie die üblichen Verdächtigen wie etwa BMW, VW, Bosch oder Continental Projektkonsortien bilden und mit den Fördergeldern neue Ansätze testen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Doch was nützen die drei Milliarden, wenn schon das Internet der Dinge (IoT) und der digitale Kontakt zum Kunden nur auf Schmalspur kriechen? Weil Funklöcher und der Breitbandnetze Hand in Hand gehen, aber der Ausbau kaum vorankommt. Dabei sind private Anschlüsse nur eine Sache. Ohne Glasfaserleitungen sind auch die Funkmasten nur beschränkt leistungsfähig. Und bei der Vergabe neuer Mobilfunklizenzen auf 5G-Standard wird die Regierung wieder so viel Geld für den Haushalt einstreichen, dass den Anbietern wenig für den dringenden Ausbau ihrer Netze bleibt. Etwas Verzicht gegen knallharte Vorgaben wären hier eine Art von Investition.

Deutschlands Investitionen stecken im Stau

Dabei ist erstaunlicherweise offenbar Kapital vorhanden, mit dem Deutschland 2019 seine Investitionen vorantreiben könnte. Medienberichten zufolge sind rund 25 Mrd. Euro längst eingestellt. Doch die Gelder, die für verschiedene Bereiche wie Breitbandausbau, Schulsanierungen oder Infrastrukturmaßnahmen verbucht sind, werden nicht abgerufen, was auch von der Unionsfraktion des Bundestags bestätigt wird. Hauptgrund: Die Planungsämter sind hoffnungslos überfordert. Hier rächt sich, dass die öffentliche Hand ihr qualifiziertes Personal wegrationalisiert hat.

Die Bauwirtschaft weiß schon länger ein Klagelied zu singen. Wenn in den Behörden kein fachkundiger Ansprechpartner mehr vorhanden ist, Genehmigungen nicht vom Tisch kommen und Vorgaben laienhaft sind, wird etwa an Autobahnen oder sanierungsbedürftigen Brücken sprunghaft und mit mangelnder Qualität gearbeitet. Im Ergebnis wird ein halbes Jahr später die Straße erneut aufgerissen.

Abgesehen davon: Es tut sich wenigstens was. Nur werden sich die Investitionen noch einige Jahre hinziehen. Und die Aufträge werden europaweit ausgeschrieben. Die heimische Bauwirtschaft ist längst ausgelastet. Auch im Wohnungsbau überlegt der Staat wieder vermehrt einzusteigen, allein schon um seine eigenen Mitarbeiter zu halten. Für Anleger bedeutet dies, dass Infrastrukturkonzernen auf absehbare Zeit die Arbeit nicht ausgeht. Gemeint sind Konzerne wie Hochtief, Strabag oder Heidelberger Zement, um nur einige zu nennen. Mit dem ETF Stoxx Europe 600 Construction & Materials von Lyxor beispielsweise lässt sich die gesamte Baubranche Europas abdecken.

Bahnfahren für Geduldige

Doch damit ist es nicht getan. Wer klagt, dass in Deutschland zu viele Fahrzeuge die Straßen verstopfen, muss zur Kenntnis nehmen, dass auch die Deutsche Bahn überlastet ist. Rund 7.500 Kilometer Schienenstrecke wurde in den letzten Jahren stillgelegt. Auch hier wird Deutschland investieren müssen. Das jüngst debattierte Debakel um stets ausfallende sowie verspätete Züge, und das bei oft stolzen Preisen, lässt keine Wahl.

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Auch müssen die Fahrgäste endlich mit stabilen Mobilfunkverbindungen versorgt werden. Ohne Digitalisierung und neue Strecken lässt sich die Zahl der Bahnfahrer nicht erhöhen. Und hier kommt wieder der Netzausbau bzw. die Deutsche Telekom zum Zuge. Auf dem Wege können sogar Vodafone oder Drillisch die Attraktivität der Bahn erhöhen und Pendler von der Straße holen.

Nebenbei sollte sich die Regierung mal eben um ihre Flugbereitschaft kümmern. Wenn ausgerechnet Entwicklungshilfeminister Müller in Afrika strandet und die Kanzlerin des Exportweltmeisters per Linienflug verspätet zum G20 Gipfel kommt, so ist das nur Wasser auf die Mühlen der Deutschland-Kritiker: Was machen die nur mit ihren ewigen Überschüssen?


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.