2019: neue Chancen für Schwellenländer-Aktien

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Für Schwellenländer-Aktien könnte sich 2019 eine gute Einstiegschance bieten - ein Wendepunkt nach der historisch tiefen Underperformance? (Foto: Goran Bogicevic / shutterstock.com)

Spätestens seit dem Abkühlen der Aktienmärkte im letzten Jahr und dem überraschenden Absturz der Technologiewerte zeigt sich einmal mehr, dass man gelegentlich sein Depot den veränderten Rahmenbedingungen anpassen sollte. Was die Beimischung angeht, so könnten 2019 etwa Schwellenländer-Aktien wieder Chancen bieten.

Historischer Tiefpunkt erreicht?

Gleich ob als Einzelinvestments oder in Form von ETFs auf Emerging Market Indizes, Anfang 2019 scheint der Zeitpunkt für Aktien von Schwellenländern wie China, Brasilien, Indonesien oder Indien günstig. Die Verluste der einschlägigen Indizes letztes Jahr passen nicht durchgehend zu den Fundamentaldaten und Aussichten vieler Titel. Teilweise sind sie erheblich unterbewertet, was auf eine große Vorsicht wegen potenzieller Risiken schließen lässt. Dies wiederum bietet für Einsteiger teils beachtliche Potenziale.

Zu berücksichtigen ist, dass in den meisten Schwellenländern Aktien traditionell erheblich stärkere Kursschwankungen erleben als etwa im Dow Jones oder im Dax. Auch sind Länder wie die gebeutelte Türkei oder Argentinien nicht mit China und Indien zu vergleichen. Doch generell überwiegt unter Analysten die Ansicht, dass Schwellenländer den historischen Tiefpunkt ihrer Underperformance erreicht haben. In anderen Worten: Es kann nach Meinung vieler eigentlich nur noch bergauf gehen.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Gestiegene US-Zinsen, ein stärkerer Dollar, politische Spannungen und der Handelsstreit mit dem für Schwellenländer wichtigen China scheinen in den Kursen längst eingepreist. Außerdem wird die US-Notenbank in Sachen Zinsschritte vorsichtiger, um einer drohenden Konjunkturdelle zu begegnen. Ein in absehbarer Zeit weniger starker Dollar wird sich auch positiv auf die Auslandsverschuldung etlicher Länder auswirken.

Teils beachtliche Wachstumsraten

Gleichzeitig zeigt die Industrieproduktion der Emerging Markets ein teils robustes Wachstum. Der Sektor hat sich gerade in den vier BRIC Staaten Brasilien, Russland, Indien und China besonders gut entwickelt. Nicht zuletzt hat Peking dieser Tage ein Programm zur Belebung der abflachenden Konjunktur angekündigt. Insgesamt stehen viele Schwellenländer vor Wachstumsraten, die das diesjährige moderatere Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA mit 2,4 % und erst recht der Eurozone mit 1,5 % in den Schatten stellen.

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Im Fokus steht der Raum Asien-Pazifik, der rund Dreiviertel aller Schwellenländer-Investments auf sich vereint. Indien plant auch dieses Jahr einen hohen Zuwachs, der sich auf 7,4 % beläuft. China dürfte mit eine Abschwächung immer noch auf 6,3 % kommen. Und für Indonesien werden 5,3 % erwartet. Mit etwas Abstand folgen Länder wie Südkorea mit 2,8 % Zuwachs beim BIP sowie Brasilien oder Mexiko mit jeweils 2,5 %. Damit dürften die drei besser abschneiden als 2018.

Positiv zu erwähnen wäre noch Thailand, das sich klar auf Erholungskurs befindet. Vietnam wiederum profitiert von niedrigen Zinsen und geringer Inflation, was für hohe ausländische Investitionen in dem Land sorgt. Vorsicht ist eher bei Russland angesagt. Hauptgrund ist die unberechenbare Entwicklung durch politische Spannungen sowie anhaltende Sanktionen. Und in Südafrika ist die Zukunft schon durch Überlegungen, weiße Farmer zu enteignen, alles andere als planbar. In Simbabwe hatte dies zum massiven Abstieg geführt.

Fazit: Comeback von Schwellenländer-Aktien in 2019 wahrscheinlich

Vielleicht noch ein Blick auf die Leistungsbilanzen: Hier zeigt China mit fast 165 Mrd. US-Dollar die größten Überschüsse, gefolgt von Südkorea, das auf die Hälfte kommt. Auch Russland schaffte einen Überschuss von über 40 Mrd. Dollar, und Indonesien liegt mit rund 17 Mrd. Dollar im Plus. Defizite verzeichnen Indien mit Minus 51,2 Mrd. Dollar oder Mexiko mit 18,8 Mrd. Dollar.

Insgesamt bieten 2019 Aktien vieler Schwellenländer oft gute Einstiegschancen. Verbreitet wird von einem Comeback gesprochen. Der führende Index MSCI Emerging Markets, der 2018 mit demselben Minus wie beim Dax abgeschlossen hatte, schaffte die letzten drei Monate ein Plus von immerhin 2,51 %. Dax oder Dow Jones indes liegen mit über 6 % deutlich im Minus. Wesentlich für die weitere Entwicklung werden der Handelsstreit mit China sowie US-Zinsen bzw. der Wert des Dollar sein.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.