24 von 25 Bankberatern beraten schlecht

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Trotz weltweiter Wirtschaftskrise keine Spur von Besserung oder Einsicht bei Bankberatern: Im Rahmen einer umfangreichen Stichprobe der Verbraucherzentrale Bundesverband und der Redaktion des ZDF-Magazins „Wiso“ kam ans Tageslicht, dass die Qualität der Kundenberatung in Banken stark zu wünschen übrig lässt. Nur einem von 25 Bankberatern gelang das ‚Kunststück‘, seinen Kunden richtig zu beraten. (Foto: Syda Productions / Shutterstock.com)

„Die große Gier – Wie die Banken unsere Zukunft verspielen“ – unter diesem markigen Titel strahlt das ZDF die aktuelle Sendung seines Wirtschaftsmagazins „WISO“ aus. Doch angesichts der präsentierten Ergebnisse aus einer umfangreichen Stichprobe erscheint der Titel alles andere als übertrieben und sensationsheischend: Gemeinsam mit dem Verbraucherzentrale Bundesverband fühlte die WISO-Redaktion 25 Bankberatern auf den Zahn – mit katastrophalem Ergebnis. Lediglich ein einziger Bankberater erfragte sowohl den finanziellen Background eines potenziellen Kunden und beriet ihn auch im Anschluss korrekt und fachkundig. Oftmals wurde versucht, provisionsträchtige Rentenversicherungen an den Kunden zu bringen, nach denen im Gespräch jedoch überhaupt nicht gefragt wurde.

Rentenversicherung und offene Immobilienfonds oftmals Gesprächsthema

Erst auf weitere Nachfrage wurde darauf eingegangen, wie hoch die garantierte Rendite ist, was natürlich in starkem Widerspruch zu den versprochenen Überschüssen lag. Die Verbraucherzentrale kritisierte, dass bei Rentenversicherungen eine hohe Provision für die Bank winkt, das Produkt an sich aber für den Anleger nur schwer durchschaubar ist. Insgesamt boten zwölf der 25 Bankberater eine Rentenversicherung an. Getoppt wurde diese Zahl allerdings durch offene Immobilienfonds, die in 14 Fällen als sichere Geldanlage beworben wurden. In einem Fall wurde auch darauf hingewiesen, dass „dieser Fonds niemals minus macht“. Außerdem wurde versucht, mit vergangenen Renditewerten und vermeintlich existierenden Steuervorteilen Sicherheit zu suggerieren.

Ein großer Kritikpunkt für die Verbraucherschützer ist, dass die Probleme von Immobilienfonds nicht angesprochen wurden und auch die Krise als nichtexistent behandelt wurde. Dies scheint jedoch allgemeine Leitlinie bei vielen Banken zu sein, denn in der WISO-Sendung kommen auch Bankmitarbeiter zu Wort, die zu Protokoll geben, dass die Finanzkrise intern kein Thema ist. Stattdessen soll verkauft werden, was von der Führung des Geldinstituts für gut befunden wird – also die besonders provisionsträchtigen Anlageformen wie Rentenversicherungen.

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Statt Zertifikaten andere riskante Geldanlagen empfohlen

Allerdings wurde in keinem der geführten Beratungsgesprächen der Kauf von Zertifikaten empfohlen. Stattdessen kamen aber andere Produkte auf den Tisch, die nicht durch den Einlagensicherungsfonds geschützt sind – wie beispielsweise geschlossene Immobilienfonds. Für Verbraucherschützer Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen beim Verbraucherzentrale Bundesverband, ist deshalb klar: „”Von einem Umdenken in der Bankenbranche ist nichts zu sehen. Es wird weiter am Bedarf vorbei verkauft. Die Risiken der empfohlenen Produkte werden verschwiegen“

Die Sendung wird am heutigen Montag um 19:25 Uhr im ZDF ausgestrahlt. Im Anschluss an die Sendung kann die aktuelle Ausgabe auch auf der Webseite des ZDF als Stream abgerufen werden.


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Tino Hahn
Von: Tino Hahn.