5 Gründe, warum Bitcoin und Co. derzeit explodieren

Zuletzt ist viel Geld in den Markt für Kryptowährungen geflossen, was die Kurse von Bitcoin & Co regelrecht explodieren ließ. (Foto: Vladyslav Starozhylov / Shutterstock.com)

Kryptowährungen werden immer beliebter. Vor einigen Tagen hat die Marktkapitalisierung aller gehandelten Kryptowährungen erstmals die Marke von 100 Mrd. US-$ überschritten.

Damit hat sich das Investitionsvolumen in Kryptowährungen seit Anfang 2016 (7 Mrd. US-$) mehr als verzehnfacht. Kryptowährungen sind also längst kein Nischenmarkt mehr und gewinnen eher an Bedeutung.

Im Windschatten des Bitcoin profitierten auch andere Kryptowährungen wie der Ether, Dash, Monero oder NEM, die ihren Wert in den letzten Monaten mehr als verdoppelt haben. Doch was sind die Gründe für die plötzliche Explosion bei Kryptowährungen?

1. Immer mehr Konsumenten entdecken den Bitcoin als Zahlungsmittel

Eine Vorreiterrolle im Markt für Kryptowährungen spielt sicherlich der Bitcoin. Die Digital-Währung ist nicht nur die bekannteste Kryptowährung, sondern auch,nach Marktkapitalisierung, die Größte . Inzwischen sind über 40 Mrd. US-$ in Bitcoins angelegt.

Doch nicht nur Investoren nutzen den Bitcoin, auch entdecken offenbar immer mehr Konsumenten den Bitcoin als Zahlungsmittel. Darauf deutet zumindest die stark steigende Zahl von Transaktionen hin, die mit Bitcoins abgewickelt wird.

Wickelte der elektronische Zahlungsabwickler BitPay in 2015 noch etwa 50.000 Bitcoin-Transaktionen im Monat ab, kletterte diese Zahl inzwischen auf über 200.000. Das Transaktionsvolumen in Bitcoins zog von etwa 20 Mio. US-$ auf zuletzt über 150 Mio. US-$ im Monat an (Quelle: BitPay).

2. Kryptowährungen als Möglichkeit zur Kapitalflucht

Nicht nur immer mehr Nutzer schätzen die Möglichkeit, mittels Kryptowährung einfach und schnell Geld, über Landesgrenzen hinweg, überweisen und Produkte im Internet bezahlen zu können.

Denn bei Kryptowährungen gibt es keinen Mittelsmann (Bank, Finanzinstitut) oder eine Institution, die via Restriktionen Zahlungsströme unterbindet. Folglich lassen sich Kryptowährungen wie der Bitcoin hervorragend nutzen, um Kapital außer Landes zu bringen.

In China ist der Bitcoin sehr beliebt, weil sich so einfach und schnell Überweisungen ins Ausland tätigen lassen. Investoren dürfen zwar Kapital in China einführen, aber nur sehr schwer wieder ausführen. Außerdem hat China zuletzt die Kapitalausfuhr für Unternehmen eingeschränkt. Die Lösung stellen Kryptowährungen wie der Bitcoin da, um Geld  am chinesischen Bankensystem vorbei ins Ausland zu schaffen.

3. Immer mehr Unternehmen akzeptieren Kryptowährungen

Aber nicht nur Privatkonsumenten entdecken Kryptowährungen für sich, auch immer mehr Unternehmen springen auf den Krypto-Zug auf und akzeptieren Kryptowährungen wie den Bitcoin als Zahlungsmittel.

Zu diesem Kreis gehört zum Beispiel das weltgrößte Softwarehaus Microsoft. Kunden können Inhalte im Xbox und Windows Store mit dem Bitcoin bezahlen. Auch andere große Unternehmen wie der Online-Reisespezialist Expedia, der US-Computerhersteller Dell, die Online-Zeitung Bloomberg oder die Gaming-Plattform Steam akzeptieren Bitcoins.

Insgesamt werden Bitcoins inzwischen von mehr als 100.000 Händlern weltweit als Zahlungsmittel akzeptiert und es werden immer mehr Händler, nachdem Japan den Bitcoin als offizielle Zahlungsmethode anerkannt hat. Bis Mitte 2017 wollen allein in Japan 260.000 Handelsgeschäfte Bitcoins akzeptieren.

4. Vertrauen in Papiergeldwährungen sinkt

Viele Investoren haben kein Vertrauen mehr in Papiergeldwährungen, sogenanntes Fiat Money (Geld ohne inneren Wert). Hintergrund sind auch die weltweit steigenden Schulden, die sich inzwischen auf über 200 Billionen US-$ summieren. Die Schuldenkrise hat unter anderem dazu geführt, dass im Rahmen der Griechenland-Krise Bürger von heute auf morgen kein Geld mehr am Geldautomaten ziehen konnten. Überweisungen ins Ausland wurden erschwert bzw. unmöglich.

Andere Länder wie Venezuela und Simbabwe versuchen durch Gelddrucken ihre Probleme zu lösen, was jedoch oft zu einer Hyperinflation und damit zu einer völligen Entwertung des Papiergeldes führt. Die meisten Kryptowährungen sind dagegen in der Anzahl begrenzt und nicht duplizierbar, replizierbar oder anderweitig manipulierbar.

5. Negativzinsen lassen Anlagealternativen in der Vordergrund rücken

Daneben liefern sich die Notenbanken einen weltweiten Wettlauf um die niedrigsten Zinsen, um die jeweilige Landeswährung zu drücken und so die Konkurrenz- bzw. Exportfähigkeit der heimischen Wirtschaft zu stärken.

Die Folge: Aufgrund der Niedrigzinspolitik bleiben viele Sparer und Anleger auf der Strecke und erhalten keine Zinsen mehr auf Tagesgeld- und Festgeldkonten. Viele Aktien und Immobilien sind inzwischen ebenfalls hoch bewertet, so dass andere alternative Geldanlagen in den Mittelpunkt rücken.

Durch den explosiven Kursanstieg des Bitcoins und anderer Kryptowährungen zieht diese Anlageklasse zunehmend das Interesse von Spekulanten auf sich, die ebenfalls vom großen Boom rund um Kryptowährungen profitieren wollen. Damit fließt weiter Geld in den Markt für Kryptowährungen – die Hausse nährt die Hausse.

Fazit: Kryptowährungen gewinnen an Bedeutung

Keine Frage, Kryptowährungen gewinnen durch das explosive Wachstum an Bedeutung, lassen sich doch mit Digital-Währungen schnell und einfach Geldbeträge weit über die Landesgrenzen hinaus überweisen und so das Bankensystem umgehen, das für Währungsumrechnungen oft hohe Gebühren verlangt.

Glaubt man den Prognosen von Marktbeobachtern, könnten digitale Währungen schon in wenigen Jahren 50 % der gesamten Smartphone-Zahlungstransaktionen ausmachen.

Dennoch sollten sich Anleger nicht von den explodierenden Kursen von Bitcoin & Co blenden lassen. Kryptowährungen unterliegen hohen Kursschwankungen und leiden unter diversen Problemen (Skalierungsprobleme, geringe Akzeptanz im Handel).

Anleger sollten Kryptowährungen daher eher als Experiment betrachten, das lediglich als Depotbeimischung in Frage kommt. Noch steht nicht fest, ob oder welche Kryptowährung sich am Ende durchsetzen wird. Fest steht jedoch, dass die zugrunde liegende Blockchain-Technologie tatsächlich das Potenzial hat, die Finanzwelt grundlegend zu verändern.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands