5G-Auktionen in den letzten Zügen?

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Die Versteigerung der 5G-Frequenzen in Deutschland zieht sich hin. Stand der Auktionen ist Ende April bei über 5,5 Mrd. Euro - mehr als erwartet. (Foto: IRINA SHI / shutterstock.com)

Seit dem 19. März 2019 laufen die 5G-Auktionen hinter verschlossenen Türen in Mainz, dort befindet sich der Technik-Standort der Bonner Bundesnetzagentur. 41 Frequenzblöcke werden insgesamt versteigert, zunächst geht es um die Frequenzen in den Bereichen 2 GHz und 3,6 GHz.

Am 25. April geht der Bieterwettstreit bereits in die 231. Runde – so viele gab es noch nie bei einer Versteigerung von Frequenzen. An den Auktionen beteiligt sind diese vier Telekommunikationsunternehmen:

  • Deutsche Telekom
  • Vodafone
  • Teléfonica
  • Drillisch

5G-Auktionen werden teurer als gedacht

Während es Anfang April noch so aussah, als könnten die Auktionen für die beteiligten Konzerne günstiger enden als ursprünglich erwartet, hat sich dieses Bild im Laufe des Monats wieder geändert. Experten rechneten mit Erlösen von drei bis fünf Mrd. Euro, die durch die Auktionen in die Staatskassen gespült würden. Nach 113 Runden und einem bereits großen Teil der verkauften Frequenzen lagen die Gebote insgesamt bei 2,34 Mrd. Euro. Selbst mit weiteren Zulagen für die noch fehlenden Frequenzblöcke hätte die Zahl deutlich unter den Erwartungen liegen können.

Nach 231 Runden liegen die Kosten für die Unternehmen nun aber schon bei 5,526 Mrd. Euro und somit über der von den Experten erwarteten Spanne. Der Grund für die Mehrkosten ist, dass im Gegensatz zu den letzten Frequenzversteigerungen in den Jahren 2010 und 2015 nun auch ein neuer Wettbewerber dabei ist.

Drillisch bietet zum ersten Mal mit und heizt die Gebote ordentlich an, was die bereits etablierten Konzerne unter Druck setzt. Ersteigert die United Internet-Tochter Frequenzblöcke, würde das den deutschen Mobilfunkmarkt nachhaltig verändern. Schließlich haben bisher immer nur drei große Konzerne miteinander konkurriert und nun käme ein vierter Netzbetreiber hinzu.

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Wer profitiert von den höheren Auktionserlösen und wer wird geschädigt?

Verbraucher: Für die Verbraucher könnte sich ein neuer Netzbetreiber positiv auswirken, da der Wettbewerb größer wird. Höhere Kosten könnten allerdings auch auf sie umgelegt werden.

Unternehmen: Dass die Auktionssummen nun größer sind als ursprünglich geschätzt, wirkt sich negativ aus, da diese mehr Geld ausgeben als gedacht. Kritiker der Auktionen sagen, dass den Konzernen für den anschließenden Netzausbau dann möglicherweise zu wenig Budget zur Verfügung steht, wenn sie jetzt mehr als geplant für die Frequenzblöcke ausgeben. Das Geld sei bei den Konzernen besser aufgehoben als beim Staat, da diese schließlich den Netzausbau bezahlen. Sie appellieren an den Staat, weniger Geld für die Frequenzblöcke zu nehmen und diese Blöcke dafür mit strengeren Auflagen zu belegen.

In der Vergangenheit gab es bereits ein Negativbeispiel aus dem mangelnden Netzausbau. So wurden im Jahr 2000 UMTS-Frequenzen versteigert – damals für die Rekordsumme von rund 50,8 Mrd. Euro. Die Folge der hohen Kosten war, dass es an Geld für den Netzausbau fehlte und es noch heute an vielen Stellen in Deutschland Funklöcher gibt.

Staat: Für den Staat ist jeder Euro mehr ein Gewinn – er erhält das Geld aus den Auktionen.

So lange dauern die 5G-Auktionen noch

Wann die 5G-Auktionen genau enden ist unklar. Es kann jeden Tag vorbei sein – sich genauso aber auch noch über Wochen hinziehen. Ein letzter entscheidender Frequenzblock steht noch zur Versteigerung (Stand 25.04.2019) und Telefoníca hat den Bieterkampf erneut angefochten.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.