5G – mit oder ohne Huawei?

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Beim Aufbau des neuen Funknetzes 5G wäre Huawei gut und günstig. Was stört, ist die Intransparenz des Konzerns, der nicht an die Börse will. (Foto: IRINA SHI / shutterstock.com)

In der aufgeheizten Debatte um den neuen Mobilfunkstandard 5G und Huawei werden in den Medien meist Einzelaspekte aufgegriffen. Angela Merkel will das chinesische Unternehmen nicht vom Bieterverfahren ausschließen, andere sehen akute Spionagegefahr und sprechen von Pekings Machtpolitik und drohendem Einfluss aufs digitale Nervensystem unserer Gesellschaft.

Druck von allen Seiten

Eine Reihe von Ländern wie Australien, Neuseeland und die USA boykottieren den Anbieter. Nicht nur die USA machen massiven Druck, beim 5G Huawei auszusperren. Anderenfalls will selbst die Nato nicht mehr mit Deutschland reden. Handfeste Beweise für eine Verstrickung mit Chinas Geheimdiensten gibt es ebenso wenig wie fürs Gegenteil.

Der eine beruft sich unter anderem auf Enthüllungen des Whistleblowers Snowden, der andere auf brisante Hinweise aus den Reihen der Spionageabwehr, darunter auch der Bundesnachrichtendienst. In dem Verwirrspiel kann sich jeder eine eigene Meinung zusammenschrauben, oder auch nicht.

An der Stelle vielleicht ein Blick auf das, was bekannt ist. 5G soll die Digitalisierung von Gesellschaft und Industrie ermöglichen. Im Zentrum steht das Internet der Dinge (IoT). Zur Digitalisierung gehört auch der Aufbau von autonomen Autos und Transportsystemen. Es geht um das Verschieben riesiger Datenmengen in Echtzeit.

Huawei für 5G kompetent, gut und günstig

Als leistungsfähiger Netzwerkausrüster käme dafür auch Ericsson aus Schweden infrage, mit dem etwa die Telekom bereits zusammenarbeitet. Viele indes sehen in Huawei für 5G den kompetenteren Kandidaten. Hierzulande ist es schon länger aktiv, wesentliche Teile des derzeitigen 4G-Netzes stammen von dem Unternehmen. Es gilt als zuverlässig und äußerst preiswert.

Doch schon beim Preis kommt man wieder ins Spekulieren. Wie lange bleibt er so ungewöhnlich günstig? Ist er ein Türöffner, um bei genügender Abhängigkeit später kräftig nachzuziehen? Ausgeschlossen wäre diese Taktik nicht. Der Konzern ist mit Kampfpreisen bei guter Qualität gewachsen.

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Mittlerweile kommt er auf Umsätze von angeblich fast 100 Mrd. US-Dollar. Im Smartphone-Geschäft hat er kürzlich Apple den Rang abgelaufen und rückt Samsung auf die Pelle. Dabei fällt aber auf, dass die Margen der Konkurrenten um ein Vielfaches höher sind als die von Huawei. Wäre der Konzern an der Börse notiert, würden die Aktionäre Druck machen. Doch Huawei hält sich vom Aktienmarkt fern.

In der Transparenzpflicht müssten zum Beispiel auch die Kapitalströme offen gelegt werden. Stützt Peking das Unternehmen als riesiges U-Boot im Drang nach technologischer Vormachtstellung? Angeblich haben bereits reiskorngroße Chips Daten aus Geräten von Apple abgegriffen. Das Risiko, dass Daten ausspioniert und schlimmstenfalls ganze Netze sabotiert werden, ist vorhanden. Das gilt theoretisch aber auch für andere Anbieter.

Zwischen den Fronten von China und USA

Ob und wann die Grenze zwischen technologischer Dominanz und Missbrauch überschritten wird, lässt sich natürlich nicht vorhersehen. Französische Experten etwa berichten schon länger von Geheimdienst-Operationen, an denen Huawei-Mitarbeiter beteiligt waren. Andererseits sind auch Datenverwerter wie Google oder Facebook keine Heiligen. Die Frage ist wohl eher, wo sich Deutschland zwischen den Fronten von China und den USA positionieren will.

In Sachen Transparenz und Rechtssicherheit ist China sicherlich die schlechtere Wahl. Wer sich wundert, warum die USA Huawei nicht in den eigenen Markt lassen, sollte nicht übersehen, dass umgekehrt weder Google noch Facebook und Co. in China Fuß fassen können. Davon abgesehen ist das dortige Internet von der Außenwelt abgeriegelt, zensiert und dient mittlerweile zum gezielten Ausspionieren und Kontrollieren der eigenen Bevölkerung. Und dass deutsche Unternehmen schon länger Gegenstand Pekinger Neugier sind, ist hinlänglich bekannt. Auch die können nur in China nur im Joint-Venture arbeiten.

In Sachen Preis-Leistungsverhältnis bietet Huawei sicherlich Vorteile. Was Nachhaltigkeit und ein sicheres Gefühl betrifft, so stehen immerhin auch Ericsson, Nokia, Samsung oder Cisco zur Wahl. Sie sind wenigstens über die Börse transparent. Und wenn schon die EU die Digitalisierung mit Millionen fördert, um die Stellung gegenüber den USA und China auszubauen, so wäre es sinnvoll, die Kandidaten aus Schweden und Finnland in die engere Wahl zu nehmen. Dieser Aspekt, der auch europäische Steuergelder für die Fördertöpfe betrifft, wird seltsamerweise nirgends erwähnt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.