Adyen Aktie: Hollands Überflieger mit starkem Börsengang

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Die Adyen Aktie hat einen starken Start an der Börse hingelegt. Warum steht der PayPal-Konkurrent bei Anlegern so hoch im Kurs? (Foto: Jirapong Manustrong / shutterstock.com)

Der PayPal-Konkurrent Adyen hat einen erfolgreichen Start an der Börse hingelegt. Zu 240 Euro war die Aktie des niederländischen Zahlungsabwicklers bei Anlegern beim Börsengang platziert worden, zuletzt notierte das Papier, das auch in Deutschland gehandelt wird, bei rund 480 Euro – ein schöner Gewinn für die Erstinvestoren.

Bei der aktuellen Notierung wird Adyen bereits mit rund 14,2 Mrd. Euro bewertet. Viele Anleger fragen sich nun, was macht die Adyen Aktie so wertvoll und kann sich der Kursanstieg weiter fortsetzen oder ist die Adyen Aktie bereits ausgereizt? Dazu ein näherer Blick auf das Unternehmen.

Adyen Börsengang – Was steckt hinter der Aktie?

Adyen mit Hauptsitz in Amsterdam wurde bereits im Jahr 2006 von Pieter van der Does und Arnout Schuijff gegründet, wobei Pieter von der Does das Unternehmen als Firmenchef führt. Zu den Investoren zählen neben verschiedenen Fonds sowohl Facebook-Chef Mark Zuckerberg, LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman als auch Twitter-Chef Jack Dorsey.

Der Firmenname Adyen heißt auf Surinamisch „Von vorne beginnen“. Die Niederländer wollen daher den internationalen Zahlungsmarkt aufrollen und eine Plattform anbieten, über die Firmen jeglicher Größe Zahlungen abwickeln können. Dies bedeutet, dass Händler verschiedene Zahlungsmethoden in ihre Webseite einbinden können. Zum Beispiel ermöglicht Adyen die Annahme von Kreditkartenzahlungen, Zahlung per Lastschrift oder die Bezahlung über verschiedene Online-Zahlungsdienste (PayPal, Alipay, iDEAL etc.).

Heute ist Adyen bereits mit über 660 Mitarbeitern an über 15 Standorten weltweit vertreten und betreut namhafte Kunden wie Facebook, Uber, Spotify und Netflix. Auch der Online-Marktplatz eBay hat jüngst angekündigt, von PayPal in den nächsten Jahren auf Adyen wechseln zu wollen.

Adyen in Zahlen

Adyen ist bereits seit dem Jahr 2011 profitabel und konnte seinen Gewinn seither weiter steigern. Im Jahr 2017 erwirtschaftete Adyen einen Nettogewinn von 71,3 Mio. Euro (EBITDA: 99,4 Mio. Euro). Der Umsatz kletterte in 2017 erstmals über die Marke von 1 Mrd. Euro (1,01 Mrd. Euro), nach Einnahmen von 659,4 Mio. Euro in 2016. In 2017 wickelte Adyen zudem bereits ein Zahlungsvolumen von 108 Mrd. Euro ab.

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Im ersten Quartal 2018 setzte sich das Wachstum bei Adyen weiter fort. Der Umsatz kletterte um 47,2 % auf 316,1 Mio. Euro, der Nettogewinn zog auf 24,1 Mio. Euro an (Vorjahr: 14,1 Mio. Euro).

Was macht Adyen so besonders?

Neben der Firmenkultur, die insbesondere das Team und kostengünstige Lösungen in den Vordergrund stellt, löst Adyen vor allem echte Probleme seiner Kunden, indem Konsumenten von überall auf der Welt in ihrer jeweiligen Sprache und Währung bezahlen können.

Denn Adyen bietet mehr als 250 Zahlungsmethoden – egal ob Kreditkarte, SEPA-Überweisung oder Online-Zahlung mittels Smartphone – an. Adyen setzt dabei auf eine einfache Integrationsmöglichkeit mittels Cloud oder eine Einbindung über eine Terminal-Schnittstelle, ohne das Händler von lokaler Software abhängig sind.

Fazit: Adyen ist ein neuer Fintech-Star

Der Online-Zahlungsanbieter PayPal muss sich warm anziehen. Mit Adyen tritt ein dynamisches Fintech-Unternehmen auf den Plan, das hoch hinaus will.  Wall Street Analysten gehen davon aus, dass Adyen mit seiner Wachstumsstrategie schon im Jahr 2020 die Umsatzmarke von 2 Mrd. Euro überschreiten wird.

Kein Wunder, denn immer mehr Zahlungen werden online und über mobile Endgeräte (Smartphones, Tablets etc.) abgewickelt. Und dieser sogenannter Mobile Commerce Markt hat noch großes Potenzial, denn in 2017 wurden über den gesamten Handel (22,6 Billionen US-$) nur 10,2 % bzw. 2,31 Billionen US-$ über den Online-Vertriebsweg abgewickelt, davon immerhin 59 % über mobile Endgeräte. Marktforscher bei eMarketer gehen davon aus, dass insbesondere der Mobile Commerce Markt weiter stark wachsen und schon in 2021 fast drei Viertel des E-Commerce-Handels ausmachen wird.

Als großer Gewinner könnte hier Adyen vom Platz gehen, schließlich bietet das Unternehmen die Zahlungsabwicklung via Apple Pay, Alipay und WeChat Pay (allesamt mobile Zahlungslösungen) bereits heute standardmäßig an. Die Adyen Aktie ist damit vor allem für risikobewusste Anleger interessant, die an den Fintech-Markt glauben und einen wachstumsstarken Wert in ihrem Depot haben wollen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands