Air Berlin immer tiefer in den roten Zahlen

Nachdem die Fluggesellschaft Air Berlin im Jahr 2015 bereits ein Minus von 447 Mio. € verzeichnete, musste die Airline für 2016 einen noch höheren Verlust von 782 Mio. € melden. Klar, dass sich Anteilseigner und potenzielle Anleger mehr und mehr verunsichert zeigen. Auch Groß-Investoren kündigen den Ausstieg an und mögliche Übernahmekandidaten winken reihenweise ab.

Bei Air Berlin hatte sich der Umsatz in 2016 von 4,1 auf 3,8 Mrd. € reduziert. Und auch das Jahr 2017 begann für die Gesellschaft wenig erfreulich: Unter dem Strich fiel im Zeitraum von Januar bis März bereits ein Minus von 293,3 Mio. €, nach 182 Mio. € im Vergleich zum Vorjahr, an. Das Management begründet die schlechten Zahlen mit Wertminderungen und mit dem Umbau des Konzerns.

Air Berlin Krise: Lufthansa winkt ab, Etihad will aussteigen

Seit Jahren steckt Air Berlin in einer Art Dauerkrise. Selbst diverse Sanierungsversuche und ein Wechsel an der Spitze des Unternehmens brachten kaum Verbesserungen. Vor dem neuen Chef Thomas Winkelmann, der die Billig-Airline Germanwings für die Lufthansa aufgebaut hat, liegt eine Menge Arbeit.

Im Jahr 2011 hatte sich die Fluggesellschaft Etihad aus dem Emirat Abu Dhabi bei Air Berlin mit rund 30 % beteiligt. Seither hat Etihad mehrmals mit insgesamt 1,5 Mrd. € ausgeholfen. Doch auch mit diesen großzügigen Finanzspritzen scheint es vorerst zu Ende zu sein. Die Herrscherfamilie von Abu Dhabi, Eigentümer von Etihad, möchte die kostspielige Beteiligung loswerden. Und, dass sie konsequent sein kann, hat sie bereits durch den Rückzug aus Alitalia bewiesen.

Auch die größte deutsche Fluggesellschaft, Lufthansa, hat schon verlauten lassen, die angeschlagene Air Berlin nicht zu übernehmen. Gegen eine Übernahme sprächen das zu hohe Kostenlevel, die beträchtliche Schuldenlast sowie kartellrechtliche Fragen. Allerdings sei die Lufthansa durchaus gewillt, Air Berlin durch die Übernahme von einzelnen Flugzeugen und deren Crews auch in Zukunft zu unterstützen.

Air Berlin Aktie: für langfristig orientierte Anleger kaum empfehlenswert

Ein Blick auf die Marktkapitalisierung von Air Berlin (112,83 Mio. €) sagt eigentlich schon alles. Denn damit übersteigt der Verlust des vergangenen Jahres den Börsenwert der ins Trudeln geratene Fluglinie um ein Vielfaches. Und damit können Anteilseigner von Air Berlin nur darauf hoffen, dass sich ein neuer Großinvestor findet oder dass doch noch eine Übernahme zustande kommt.

Die Air Berlin Aktie dürfte es kurzfristig und langfristig schwer haben. Für Anleger scheint es ratsam, zunächst abzuwarten, ob es in absehbarer Zeit Anzeichen für eine Konsolidierung geben kann.

23. Juni 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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